Home / Projekte / Projekte / eth-iog01

Grundwasserdamm in Koraro/Äthiopien

Die Regionalgruppe Münster hat im Sommer 2009, fristgerecht vor Beginn der Regenzeit, den ersten Grundwasserstaudamm nahe des Dorfes Koraro in Äthiopien fertiggestellt.

Der Zweck des Anfang 2007 begonnenen Projekts war die Verbesserung der Wasserversorgung in dem ca. 5000 Einwohnern starken Dorf im Hochland Nord-Äthiopiens, wo die Zugänge zu Trinkwasser in der Trockenzeit bis zu 5 Kilometer betragen können. Etwa 40 Familien profitieren von der Anlage und waren auch bei der Planung und dem Bau beteiligt.

Mit dem unterirdischen Grundwasserstaudamm wurden die besonderen Anforderungen an die Wasserspeicherung in dem Malariarisikogebiet berücksichtigt. Durch die für die Malaria-Mücke unzugängliche Speicherung des Wassers im Untergrund wird vermieden dass die Mücke ihre Larven ablegen kann – einer Ausbreitung der Malariaüberträgerin wird vorgebeugt.

Grundwasserdämme werden unter dem Gewässerbett eines sonst nur zur Regenzeit wasserführenden Flusslaufes quer zur Fließrichtung gebaut. Das sonst ungenutzt abfließende Wasser wird damit in der Nähe der Siedlungen zurückgehalten und im Boden unterhalb des Gewässerbettes im natürlichen Sandreservoir gespeichert.

Mit Hilfe der Mekelle-Universität aus Äthiopien, der Fachhochschule und der Universität Münster aber vor allem durch die Erfahrung der Menschen vor Ort wurde bereits Anfang 2008 in angemessener Entfernung zum Dorf Koraro in der Region Tigray ein hydrogeologisch günstiger Standort für den Staudamm lokalisiert. Sondierungen und Aufschlüsse waren dann für die endgültige Bestimmung des Dammstandortes unerlässlich.

Um die Funktion des Sandspeichers zu gewährleisten, mussten weitere Hilfsbauwerke errichtet werden, z.B. um die gezielte Versickerung und Filterung durch den Sand zu steuern. Ferner wurde das Gelände eingezäunt um Verschmutzung durch frei laufendes Vieh zu verhindern.

Als Zentrales Element wurde zum Schluss in ca. 30 m Entfernung zum Damm ein 7 m tiefer Entnahmebrunnen mit Handpumpe errichtet. Durch eine Abdeckung einschließlich Dichtung und Rinnen zur Wasserableitung soll verhindert werden, dass hier verunreinigtes Oberflächenwasser eindringt.

Für den Dammkörper wurden als Baumaterialien aus Termitenhügeln gewonnener Ton sowie Natur-Steine verwendet. Alle Bauarbeiten wurden vor Ort von den eigentlichen Nutzern des Projekts unter Anleitung der Ingenieure ohne Grenzen selbst durchgeführt. Die Dorfbewohner hatten so zusätzlich zu dem praktisch erworbenen Wissen die Möglichkeit, Geld zu verdienen. Die Fördermittel verblieben damit zum Großteil im Dorf Koraro.

Die Wartung und Unterhaltung des Bauwerks wurde dann mit einer schriftlichen Anleitung in Landessprache ebenfalls in die Verantwortung der Nutzergruppe übergeben.

Auch nach dem erfolgreichen Abschluss der Bauphase werden noch Messungen von der Mekelle-Universität durchgeführt und an die Ingenieure ohne Grenzen weitergeleitet. So kann das Konzept des Grundwasserdamms weiter an die Region angepasst, verbessert und das Wissen darüber verbreitet werden, damit noch weitere Projekte dieser Art durchgeführt werden können.