Pressemitteilung: Der Lokus ist Luxus
Der 19. November ist der Toilette gewidmet. Nach Aussage der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leiden rund 40 Prozent der Weltbevölkerung unter unzureichender Sanitärversorgung – und das, obwohl sie seit 2010 als Menschenrecht gilt. Die Folgen sind neben gesundheitlichen Leiden, wie Durchfall- und Wurmerkrankungen, auch Umweltbelastungen durch Fäkalien im Grundwasser. Das verseuchte Wasser wird wiederum für die Essenszubereitung verwendet. Im Jahr 2001 wurde deshalb zum ersten Mal der Welttoilettentag von der World Toilet Organization (WTO) proklamiert. Ziel ist es, die Öffentlichkeit für dieses Thema zu sensibilisieren und die Sanitär- und Wasserversorgung weltweit zu verbessern.
Ingenieure ohne Grenzen leistet ebenfalls einen Beitrag dazu. Der Verein bildete die Kompetenzgruppe Sanitärversorgung (SaVe), die sich auf überregionaler Ebene mit angepassten und dezentralen Sanitärsystemen beschäftigt und die Regionalgruppen des Vereins bei der Umsetzung von Projekten in diesem Bereich fördert. „Wir unterstützen die Vision, dass alle Menschen Zugang zu einer sicheren und nachhaltigen Wasser- und Sanitärversorgung haben sollten“, so Torsten Hummen, Ansprechpartner von SaVe. Neben der Gesundheitsförderung würden saubere Lebensräume generiert, erklärt er, „denn die sichere Behandlung von menschlichen Abfällen und verschiedenen anderen Abwässern schützt das Trinkwasser und damit das Ökosystem.“ Darüber hinaus können der behandelte menschliche Urin und die Fäkalien als Dünger für die bestehende Landwirtschaft genutzt werden und diese damit nachhaltig gestalten.
Im Rahmen dieser Bemühungen wurden deutschlandweit unter anderem zwei Projekte ins Leben gerufen: Anfang dieses Jahres realisierte die Regionalgruppe Aachen einen Schultoilettenbau für das DARAD Ausbildungszentrum im kenianischen Küstengebiet Ukunda. In Kooperation mit dem Verein Lebensblume e.V., der das Zentrum seit 2007 unterstützt, errichteten die Ingenieure zwei Toilettengebäude für Jungen und Mädchen mit jeweils vier Einheiten sowie einer barrierefreien Einzeltoilette. Die Systeme wurden für den muslimischen Gebrauch angepasst, anstelle von Toilettenpapier findet die Reinigung mit Wasser statt. „Der neue Komplex verringert erheblich die Instandhaltungskosten, die durch das Entleeren der vorherigen Grubenlatrine angefallenen sind, und liefert Dünger für den angelegten Schulgarten“, so Hummen. Im Namen der Regionalgruppe berichtet er weiterhin, dass das Projekt einen Leuchtturmcharakter hatte, denn bereits während der Implementierung meldeten sich weitere Schulen vor Ort, die das Konzept nachbauen wollten.
Im Rahmen des Projektes „Carbonization and Sanitation“ (CaSa) in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Berlin und der tansanischen Partnerorganisation „MAVUNO Project“ wurde weiterhin ein Konzept entwickelt, das zum einen die sanitären Bedingungen vor Ort maßgeblich verbessert und sich zum anderen positiv auf die Bodenfruchtbarkeit auswirken soll. Grundidee dabei ist, menschliche Ausscheidungen, die in Trenntoiletten gesammelt werden, zunächst thermisch zu hygienisieren und anschließend nach dem Prinzip der Terra Preta zu kompostieren. Dabei werden Nährstoffe zurückgeführt und der Humusgehalt des Bodens gesteigert. Dieses Prinzip basiert auf gewöhnlichem Humus, der mit Holzkohle angereichert wird. Die für den Prozess notwendige Energie liefert eine Kleinst-Biogasanlage aus Ernteresten und Küchenabfällen. Für Anfang 2012 ist die Umsetzung eines Pilotprojektes in Tansania geplant.
Die gemeinnützige Hilfsorganisation Ingenieure ohne Grenzen e.V. wurde 2003 von neun Ingenieuren und einem Volkswirt in Marburg gegründet, die Geschäftsstelle ist mittlerweile in Berlin. Hauptaufgabe ist die Planung und Durchführung von technischen Entwicklungsprojekten. Im Laufe der letzten Jahre entstanden so 25 Regionalgruppen in ganz Deutschland mit derzeit über 1.300 Fördermitgliedern. Wie vergleichbare Organisationen in zahlreichen Ländern ist der Verein Mitglied im Netzwerk von „Engineers without Borders International“.
Kontakt:
Torsten Hummen (Ansprechpartner der Kompetenzgruppe Sanitärversorgung „SaVe“)
sanitation@ingenieure-ohne-grenzen.org
Mehr Informationen:
http://www.ingenieure-ohne-grenzen.org/de/Regionalgruppen-Kompetenzgruppen/Kompetenzgruppe-Sanitaerversorgung
http://www.ingenieure-ohne-grenzen.org/de/Regionalgruppen/Berlin/Projekte/Carbonization-and-Sanitation-CaSa
http://www.ingenieure-ohne-grenzen.org/de/Regionalgruppen/Aachen/Projekte/Schultoilettenbau-in-Ukunda
Text: Izabella Leszczynski/Celina Begolli
Bilder zu unseren Projekten werden auf Anfrage gerne von uns zur Verfügung gestellt. Bitte wenden Sie sich an Volker Eiselein,
pr@ingenieure-ohne-grenzen.org
