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Pressemitteilung: Brückenschlag für langfristige Entwicklungszusammenarbeit

Ingenieure ohne Grenzen e.V. baut Fußgängerbrücken in Ruanda

Für die ländlichen Regionen in Ruanda sind Fußgängerbrücken überlebenswichtig. Dem „Land der tausend Hügel“, wie es wegen seiner in weiten Teilen gebirgiger Landschaft auch genannt wird, fehlt es jedoch an stabilen Brücken. In Vunga, einem Dorf im Nordwesten von Ruanda, behalfen sich die Bewohner lange Zeit mit einem instabilen Bauwerk aus Baumstämmen, um zum Krankenhaus, zur Kirche oder zum Markt zu kommen. Aus diesem Grund entwarf und baute die Hilfsorganisation Ingenieure ohne Grenzen e. V. dort eine neue Spannbandbrücke. Bei einer Spannweite von 30 Metern hat sie eine Gesamtlänge von 60 Metern, die Decke wird von mehreren Stahlseilen getragen. Um eine nachhaltige Lösung zu realisieren, verwendeten die Ingenieure so weit wie möglich Materialien vor Ort und banden die Einheimischen aktiv in ihre Arbeit mit ein. „Durch die Identifikation mit dem Bauwerk möchten wir vor allem die Hemmschwelle mit den neuen Materialien überwinden und die Verantwortlichkeit im Umgang mit der Brücke fördern“, sagt Christoph Winkler, Maschinenbaustudent der RWTH Aachen und aktiv bei Ingenieure ohne Grenzen.

Fester Bestandteil der Projektstruktur sind Studierende aus Deutschland, die betreut von erfahrenen Vereinsmitgliedern, im Rahmen von Praxis- und Auslandssemestern sowie Diplomarbeiten vor Ort Erkundungen einholen, den Bau planen und die Ausführung leiten. Die deutsche Seite übernimmt die technische Bearbeitung in Form von Statik-, Konstruktions- und Montageplanung sowie die Organisation und Finanzierung. Zentrale Anlaufstelle in Ruanda ist das Kigali Institute of Science and Technology (KIST), das lokales Wissen und logistische Unterstützung zur Verfügung stellt. Zusammen mit den Studierenden des KIST konnten bisher zahlreiche Projekte durchgeführt werden. Die bereits gebauten Brücken liegen in wenig erschlossenen Gebieten. „Brücken sind mehr als nur Infrastruktur, sie bedeuten auch den Zugang zu Lebensmitteln, medizinischer Versorgung, Religion, Bildung und Arbeit“, betont Winkler.

Dank der Zusammenarbeit mit dem KIST wurde nicht nur die Lebensqualität und Sicherheit der Bevölkerung verbessert, es fand auch ein reger Wissensaustausch statt. Um diesen Austausch weiter aktiv zu gestalten, führt Ingenieure ohne Grenzen deshalb ein Mal im Jahr ein zweiwöchiges Seminar „Footbridges in Rural Areas“ am KIST durch. Es richtet sich an Studierende des Bauingenieurwesens im dritten Lehrjahr und verfolgt das Ziel, die nachhaltige Verbesserung der Infrastruktur in den ländlichen Regionen Ruandas zu gewährleisten. „Die Teilnehmer lernen von der Wahl eines Standortes über den Entwurf einer Brücke bis hin zu Kostenermittlungen und Bauablaufplanung alles, was man für den selbstständigen Bau einer Brücke in Ruanda braucht“, so der Maschinenbaustudent.

Obwohl die Verantwortung für den Erhalt der Bauwerke bei den lokalen Verwaltungen liegt, werden im Rahmen der regelmäßigen Besuche auch unterstützende Routineinspektionen durchgeführt, wie beispielsweise Ende 2010. Hier zählten die Ingenieure an der Brücke in Vunga an einem durchschnittlichen Markttag über einhundert Überquerungen pro Stunde, das sind am Tag etwa 1.200 Personen. Vorwiegend ältere Anwohner berichteten, dass sie durch die Schwingungen der für Seilbrücken typischen Konstruktion Angst hätten, die Brücke zu überqueren. Die hohe Belastung, die ungünstigen klimatischen Bedingungen, Materialschwächen und die Angst der Bewohner machten einen Eingriff notwendig, der die Möglichkeiten der Einheimischen überstieg. Winkler flog deshalb mit einem weiteren Mitglied der Ingenieure ohne Grenzen, Jannis Hülsmann, im August dieses Jahres nach Ruanda, um die Standsicherheit der Konstruktion zu erhöhen. Sie verstärkten die Brücke mit seitlichen Abspannseilen und alten Autoreifen als Schwingungsdämpfern. Zusammen mit Engineers Without Borders Rwanda und logistischer Unterstützung des KIST zogen sie außerdem zwei weitere Tragseile ein, ersetzten die Beplankung und gestalteten die Widerlager um. Dazu musste die Brücke mit Hilfe der Anwohner innerhalb von zwei Monaten komplett ab- und wieder aufgebaut werden. „Wir verstehen unsere Projekte als langfristige Hilfe und es ist selbstverständlich, dass wir die Bedürfnisse der Einheimischen auch über die Fertigstellung hinaus weiterverfolgen und vor Ort helfen, wenn aus eigener Kraft keine Lösung gefunden werden kann“, sagt Hülsmann.

Die gemeinnützige Hilfsorganisation Ingenieure ohne Grenzen e.V. wurde 2003 von neun Ingenieuren und einem Volkswirt in Marburg gegründet, die Geschäftsstelle ist in Berlin. Hauptaufgabe ist die Planung und Durchführung von technischen Entwicklungsprojekten. Im Laufe der letzten Jahre entstanden so 26 Regionalgruppen und fünf Kompetenzgruppen in ganz Deutschland mit derzeit über 1.300 Fördermitgliedern. Durch die überregionalen Kompetenzgruppen wird vereinsinternes Wissen zu einem Spezialgebiet gebündelt. Wie vergleichbare Organisationen in zahlreichen Ländern ist der Verein Mitglied im Netzwerk von Engineers without Borders International.

Kontakt:

Ingenieure ohne Grenzen e.V.

Christoph Winkler

Kompetenzgruppe Brücken- und Hochbau

E-Mail: Hyperlink-Symbol christoph.winkler@ingenieure-ohne-grenzen.de

Hyperlink-Symbol http://www.ingenieure-ohne-grenzen.org/de/Kompetenzgruppen/Kompetenzgruppe-Bruecken-und-Hochbau

Text: Celina Begolli