Brückenbau in Tadschikistan
Nach einer Erkundung im Sommer 2008 soll als Pilotprojekt der Stuttgarter Regionalgruppe in Tadschikistan gemeinsam mit dem lokalen Partner MSDSP eine 8m spannene Autobrücke bei Muminabad gebaut werden. Diese verküzt für die dort lebende Bevölkerung die Transportwege für landwirtschaftlich Erzeugnisse massgebend und leistet so einen langfristigen Beitrag für ihre finanzielle Sicherheit.
Im Sommer 2008 waren zwei Studenten der ETH Zürich für Ingenieure ohne Grenzen in Tadschikistan um die dortige Notwendigkeit für und Umsetzbarkeit von Brückenbau-Projekten mit Hilfe von Ingenieure ohne Grenzen zu evaluieren.
Tadschikistan ist eine Randrepublik der ehemaligen Sowjetunion und grenzt im Süden und Osten an Afghanistan und China. Als Teil der Sowjetunion floss bis 1991 sehr viel Geld und Wissen in das Land. Unter anderem wurde in bestimmten Gebieten ein umfangreiches Bewässerungssystem und viel Infrastruktur gebaut. Kurz nach der Auflösung der Sowjetunion und der Unabhängigkeit Tadschikistans schlitterte das Land in einen Bürgerkrieg, der sechs Jahre andauern sollte. Seitdem gehört Tadschikistan zu den ärmsten Ländern der Welt.
Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und in Folge des Bürgerkriegs brach in Tadschikistan auch der Unterhalt der von den Sowjets gebauten Infrastruktur ab. Ein Grossteil der Strassen, Brücken und Bewässerungskanäle ist heute in marodem Zustand und müssten erneuert werden.
Tadschikistan ist ein sehr trockenes Land, die ländlichen Gebiete gleichen in den Sommermonaten Wüsten, sofern sie nicht bewässert sind. Es gibt nur während weniger Monate im Frühling Niederschlag, dieser fällt aber oft so stark aus, dass er ganze Gegenden für einige Wochen oder Monate von der Umgebung abschneidet. Diese Starkniederschläge führen auch immer wieder zu Naturkatastrophen wie Überschwemmungen und Murgänge. Zudem ist das Land stark erdbebengefährdet.
Da rund 90% der Fläche Tadschikistans im Hochgebirge liegt, sind der Bau und die Erhaltung von Brücken für eine nachhaltige Entwicklung der länd¬lichen Regionen essentiell.
Ein Grossteil der ländlichen Bevölkerung arbeitet in der Landwirtschaft und ist auf sichere Verkehrswege angewiesen, um ihre Produkte in die Städte zu bringen. Auf Grund der meist schlechten Strassen wird ein beträchtlicher Teil der Ernte während des Transports zerstört und die Bevölkerung muss dadurch zusätzliche Ertragseinbussen hinnehmen.
Im Sommer 2009 soll von Ingenieure ohne Grenzen e.V. in Zusammenarbeit mit dem MSDSP (Mountain Societies Development Support Programme) eine Brücke in Boggai, Region Khatlon, gebaut werden.
Die Gemeinde Boggai lebt hauptsächlich von landwirtschaftlichen Erzeugnissen. Um das von der Dorfbevölkerung bewirtschaftete Weide- und Ackerland mit Fahrzeugen zu erreichen, müssen zur Zeit von der Hauptstrasse her rund 20 km zurückgelegt werden. Das ist ein grosses Problem, da die Lastwagen, welche die Ernte in die Stadt fahren, diesen Umweg nicht immer in Kauf nehmen und Benzin sehr teuer ist.
Die Felder könnten wesentlich schneller über eine bereits bestehende Strasse in einem kleinen Tal erschlossen werden. Die Strasse ist in einem schlechten Zustand, würde aber bei einem Bau der Brücke durch die Dorfbevölkerung wieder aufgewertet werden. Die Verbindungsstrasse ist durch einen kleinen Bach unterbrochen, der zur Zeit durch eine notdürftige „Fussgängerbrücke“ überspannt wird. Das Bachbett ist an dieser Stelle ca. 6 m breit und es ist für die lokale Bevölkerung nicht möglich, eine für kleine Lastwagen befahrbare Brücke zu erstellen. Könnte man den Bach überqueren, würde der Weg von den Feldern zur Hauptstrasse auf 3 km verkürzt.
Laut Angabe der örtlichen Behörde sind ca. 400 Haushalte, das heisst ungefähr 2500 Personen davon betroffen. Die Brücke würde den Menschen vor allem wirt-schaftlich helfen, indem sie weniger Ertragsausfälle zu beklagen hätten.
Das MSDSP ist eine tadschikische NGO, welche eng mit der lokalen Bevölkerung zusammen arbeitet, um die Bedürfnisse jedes Dorfes in ihrem Projektgebiet zu evaluieren. Die Brücke in Boggai wurde von der Bevölkerung des Dorfes Boggai als Projektvorschlag beim MSDSP eingereicht.
Durch die Zusammenarbeit mit dem MSDSP wird die Einbindung des Projektes in lokal erarbeitete, generelle Entwicklungspläne für die Region und die Übergabe an die lokale Regierung, die sich vermutlich auch an den Kosten beteiligen wird, sichergestellt.
