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Kenia: Schultoilettenbau in Ukunda

DARAD

Nicht ohne Stolz blickt die Regionalgruppe Aachen auf ihr erstes großes Projekt zurück. Das Anfang 2009 in Planung gegangene Vorhaben zur Verbesserung der Sanitärsituation der Kinder und Schüler/-innen des DARAD Ausbildungszentrums in Ukunda, Kenia konnte im Frühjahr des Jahres 2011 realisiert werden. 

Graben der Sickergrube

Mit dem Bau von 8 Trockentrenntoiletten auf dem Schulgelände ist der größte Schritt getan. Die 177 Schülerinnen und Schüler nutzen heute die Ende März 2011 erfolgreich eröffnete Toilettenanlage. Das Konzept kann leicht übernommen werden und ist erweiterbar, was für die wachsende Schule ein wichtiges Kriterium ist. Der fertige Toilettenkomplex verhindert unmittelbar die Kontaminationsgefahr des Grundwassers, da nun die Keime der Fäkalien nicht mehr ins Erdreich gelangen, wie es bei der vorherigen Sickergrube der Fall war. 
Die erhofften Nachahmungseffekte sind bereits während der Implementierung aufgetreten. Zahlreiche Interessenten von anderen Schulen, aus der Nachbarschaft und von Organisationen haben das Pilotprojekt neugierig verfolgt. In Zukunft soll es ihnen allen möglich sein dieses Modell zu übernehmen; sei es mit Hilfe des Vereins oder ganz aus eigener Initiative. Sollten einige von ihnen diese Chance wahrnehmen, hätten wir unser größtes Ziel erreicht.

Projektpartner

Unser Projektpartner in Deutschland ist der Verein Lebensblume e.V., und deren Partnerorganisation „DARAD EDUCATION-CENTER“ mit der „DARAD MONTESSORI ACADEMY“. Der Verein widmet sich ausschließlich dem Aufbau und der Pflege des oben genannten Ausbildungszentrums.
Im Sommer 2006 wurde zu diesem Zweck das erste Stück Land in Ukunda erworben und darauf vier kleine Häuser, sieben Lernpavillions, ein Store, eine Küche mit überdachtem Essplatz, Waschräume und vier Latrinen errichtet. Im Januar 2007 begann der offizielle Schulbetrieb. Das Schulgelände wurde mit der Zeit erweitert und mit einem festen Steinhaus für zwei Klassen bebaut. Dort werden die Jüngsten in einem Kindergarten betreut und die Schüler/-innen bis zur 6. Klasse unterrichtet. Außerdem wird Englischunterricht für Erwachsene angeboten, in dem die Teilnehmer/-innen Kenntnisse im Lesen und Schreiben auf Englisch erwerben und erweitern können.
Das Hauptaugenmerk liegt auf der Betreuung und der schulischen Ausbildung der Kinder. Durch das schnelle Wachstum der Schule stößt diese aber immer wieder an Kapazitätsgrenzen, so dass sich zwei weitere, größere Schulgebäude in Planung befinden. Zurzeit werden 177 Schülerinnen und Schüler aus den angrenzenden Slums betreut, davon 86 Jungen und 91 Mädchen. Die Zahl der Schüler/-innen soll in Zukunft auf bis zu 500 ausgeweitet werden.

Verena und Daniel beim Mauern

Ausgangssituation

Wir erinnern uns zurück an die prekäre Sanitärsituation des Ausbildungszentrums. Die über 200 Toilettenbenutzer/-innen (Schüler, Lehrer und andere Beschäftigte) mussten sich 4 Plumpsklos teilen. Die Latrinen befanden sich in unmittelbarer Nähe zu dem schuleigenen Brunnen, der die Schule mit Wasser versorgt. Dieser wird aus einem Grundwasserleiter in etwa 10 Meter Tiefe gespeist. Die Gefahr der Kontaminierung des Wassers durch die versickernden Fäkalien war enorm und die Problematik wäre durch die geplante Erweiterung der Schule weiter verschärft worden. Es bestand dringender Handlungsbedarf.

Projektumsetzung

Die vorhandenen Latrinen wurden durch Trenntoiletten ersetzt, die mit dem Doppelkammerprinzip arbeiten. Der Sanitärkomplex besteht aus einem Modul mit 4 Toiletten für die Mädchen, einem Modul mit 3 Toiletten plus 3 Urinale für die Jungen und einer separaten Toilette für körperlich beeinträchtigte Personen.
In Trenntoiletten werden die menschlichen Ausscheidungen getrennt und zur Hygienisierung isoliert gespeichert. Ziel ist die Eindämmung der Verbreitung von Durchfall-, Wurm- und Augenkrankheiten. Zusätzlich wird die Ressource Wasser geschont, da die Toiletten ohne Spülwasser auskommen und das Regenwasser vom Dach zum Händewaschen genutzt werden kann.
Gegenüber den bisher verbreiteten Trenntoilettensystemen bietet diese Konstruktion den Vorteil, dass das System über eine zentrale Urinspeicherung verfügt. Es entfällt das tägliche Wechseln der Sammelkanister. Die vier 1 Kubikmeter großen Tanks werden abwechselnd befüllt und sind so dimensioniert, dass jeder volle Tank mindestens einen Monat ruhen kann. In dieser Zeit hygienisiert der Urin und der enthaltene, für Pflanzen nicht verwertbare Harnstoff, wird in verwertbaren Stickstoff umgewandelt. Der nach sechsmonatiger Lagerung hygienisierte Kot ist frei von pathogenen Keimen und Viren und kann als Bodenverbesserer genutzt werden. In Zukunft soll der sterile Urin für den Schulgarten genutzt und als wettbewerbsfähige Alternative zum Kunstdünger an benachbarte Farmer verkauft werden.

Streichen und Einsetzen der Türen

Die Implementierung und der Bau der Toiletten am Anfang dieses Jahres dauerten, unter anderem aufgrund verzögerter Baugenehmigung, knapp 3 Monate. Außerdem hat uns das Auslesen unserer Bankkarten und das Stehlen eines nicht unerheblichen Betrages zu schaffen gemacht, bis uns das Geld von der Bank ersetzt wurde.
In der Planung haben wir uns für eine mörtelfreie Bauweise des Kabinenaufbaus mit sogenannten Eco-Blocks entschieden, um ein leichtes Nachbauen ohne Maurerausbildung zu ermöglichen. Allerdings war dadurch der Zeitaufwand unangemessen größer, da wesentlich genauer gearbeitet werden musste. Darüber hinaus hat diese Bauvariante aufgrund geringer Robustheit und Qualität enttäuscht, so dass wir ähnlichen Projekten von dieser Lösung abraten werden.

Doch trotz einiger Rückschläge ist es uns durch die Einbeziehung aller direkt Beteiligten wie Lehrer, Schüler, Eltern und Bauunternehmer gelungen eine hohe Akzeptanz des Projektes zu schaffen. Darüber hinaus konnten wir durch den Aufbau und die Pflege von Kontakten zu anderen Interessierten, z.B. andere Schulen, NGOs und örtlicher Ministerien, ein breites Netzwerk aus Interessenten, Befürwortern und Unterstützern aufbauen.
Neben der technischen Realisierung ist die Sensibilisierung und Aufklärung der Menschen über die Hygienesituation und die möglichen Konsequenzen von Anfang an von höchster Priorität gewesen. Durch den Einfluss der Thematik in den Unterricht wird auch zukünftig dafür Sorge getragen, dass dieser wichtige Bildungszuwachs erhalten bleibt.
Durch Schulungen konnte Interessenten das nötige Wissen vermittelt werden, Trenntoiletten in Eigeninitiative zu bauen. Für die Umsetzung der Nachfolgerprojekte steht die Regionalgruppe Aachen mit technischer Beratung zur Seite. Um die Nachhaltigkeit zu garantieren, werden im folgenden Evaluierungsprozess noch Verbesserungsmöglichkeiten identifiziert und zukünftig umgesetzt werden.

Fertiges Gebäude

Wer sich für Eindrücke der Bauphase aus erster Hand interessiert, ist herzlich eingeladen im Hyperlink-Symbol Kenia-Blogvorbeizuschauen!

Wir bedanken uns bei allen Spendern, ehrenamtlichen Helfern und sonstigen Unterstützern, die die Umsetzung dieser Idee möglich gemacht haben. Mit eurer Hilfe konnten wir bedürftige Menschen unterstützen und sie ermutigen, ihre Lebensumstände positiv zu beeinflussen. Unterstützt uns weiterhin dabei Menschen zu helfen, die den Mut haben neue Wege zu gehen und sich ihren Problemen anzunehmen!

Im Hyperlink-Symbol Blog aus Ukunda lässt sich der Projektfortschritt ausführlich nachlesen!

Trailer:

Film:

 

Berichte über unser Projekt sind in der Hyperlink-Symbol Aachener Lokalzeit (WDR) und im Hyperlink-Symbol kenianischen Fernsehen gelaufen.

Kenia-Blog

Montag 28-03-2011

Erstaunlich gut ausgeruht nach der durchschaukelten Nacht kamen wir in Nairobi an. Josephine, Daniels Schwester, holte uns vom Bahnhof ab und lud uns in ihre Wohnung ein. Dort verwöhnte sie uns mit einem tollen Mittagessen.

Nachmittags besuchten wir gemeinsam das GIZ (frühere GTZ)- Büro im Wasserministerium. Wir sprachen über das Projekt und zukünftige Kooperationen, besonders in der Küstenregion.

Abends ging es dann ab in den Flieger nach Dubai und von da aus nach fünf Stunden Aufenthalt nach Düsseldorf. In den Abschied floss auch Vorfreude auf Zuhause mit ein.

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Sonntag 27-03.2011

Am letzten Tag ging es noch einmal geschäftlich zu. Die Abrechnungen gingen vonstatten und auch die nachfolgenden Arbeiten wurden festgelegt und verteilt. So wurden letzte Finishing-Arbeiten mit Daniel vereinbart, wie zum Beispiel die Errichtung des Zauns und die Reinigung der Fliesen von Zementresten.

Mit Teacher George hatten wir vereinbart, dass er noch weitere Anschaffungen für die Young Farmers in unserer Abwesenheit machen kann. Wir hatten uns vorher auf eine Liste von Dingen geeinigt und auch Preise dafür überprüft.

Auch mit Christina besprachen wir was noch zu erledigen ist. Sie wird für uns die Arbeiten überprüfen und die Belege bei ihrer Rückkehr Mitte April mitbringen.

Die Gespräche gingen bis in den späten Nachmittag und so mussten wir uns sputen um noch unseren Zug zu bekommen. Der altmodische Zug würde uns in 16 Stunden im Schlafwagen quer durchs Land nach Nairobi bringen.

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Samstag 26-03-2011

Heute verbrachten wir den Tag mit vielen kleinen Arbeiten. Letzte Ecken streichen, Verunreinigungen entfernen, aufräumen usw. Gegen Nachmittag beendeten wir die Arbeit. Als Belohnung für die letzten, arbeitsintensiven Tage machten wir abends eine Bootstour auf dem Kongo River. Diese wurde von Ali, einem Bekannten von uns, organisiert. Nach dem Stress und Lärm der Baustelle war die Stille, die auf dem Fluss herrschte, ein wahrer Segen. Nach ca. einer Stunde besuchten wir noch das Dorf, aus dem Ali stammt und machten uns danach auf den Weg zu Christina.

Dort hatte uns Allan zu traditionellem kenianischen Essen an unserem letzten Abend in Ukunda eingeladen. Es gab Kokosreis, ein Linsengericht und Kassawa, eine gekochte Wurzel. Das Essen war sehr, sehr lecker. Wir mussten allerdings schon wieder gegen zehn Uhr aufbrechen, da Verena Matze zum Flughafen nach Mombasa bringen wollte, dessen Flug um 3 Uhr nachts ging.

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Freitag 25-03-2011

Den Freitag verbrachte Verena fast vollständig in Mombasa. Ganz schön lange, wenn man bedenkt, dass eigentlich nur ein paar DIN A3 Poster gedruckt, sowie die 4 Deckel der Tanks reklamiert werden sollte. Geplant war zunächst, um zwölf Uhr wieder zurück zu sein. Zunächst ging es zu Toptank. Der Verkäufer hörte sich das Problem an, entschuldigte sich, dass die falschen Deckel geliefert wurden und sagte ein Umtausch gegen eine kleinere Version sei kein Problem. So weit so gut. Also ab zum Lager. Dort stellte sich aber heraus, dass es keine kleinere Version gibt. Was also tun? Man versucht uns zu überzeugen, dass die Deckel doch gut seien. Als wir eine Demonstration forderten, dass die Deckel passten, mussten sie aber zugeben, dass die Deckel fehlerhaft produziert waren. Wir einigten uns darauf, dass Toptank jemanden schickt, der die Deckel anpasst. Das war also erledigt, wir liegen gut in der Zeit und werden es wohl pünktlich bis Mittag schaffen. Denkste! Wir hatten nämlich nicht damit gerechnet, wie schwer es sein kann, ein paar Poster zu drucken und zu laminieren. Nach ca. 5 Stunden und unzähligen Kilometern in den Beinen hielten wir endlich die Poster in der Hand.

Auf der Baustelle wurde die Sickergrube verfüllt und viele kleine Arbeiten erledigt. Nachmittags kam der Mann von Toptank und das Problem mit den Deckeln konnte relativ schnell behoben werden. Außerdem wurden die Regenrinnen befestigt, die das Regenwasser in die Handwaschtanks leiten, womit der Klempner seine Arbeit abschließen konnte, und auch die Entnahmestellen für die Jerry Cans wurden angelegt.

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Donnerstag 24-03-2011

Obwohl die offizielle Eröffnungsfeier schon stattgefunden hatte, waren die Arbeiten noch nicht ganz abgeschlossen. Es standen noch eine Reihe kleinerer Arbeiten an, die sich in Summe aber doch als ganz schöner Berg erwiesen. So konnten endlich die fehlenden Fliesen in den Kabinen angebracht werden, da diese aufgrund von Stromausfällen vorher nicht geschnitten werden konnten. Allerlei Kleinigkeiten, wie Toilettenpapierhalter und Türschlösser folgen.

Zudem sollten auch endlich die Deckel auf den Tanks montiert werden. Dabei zeigte sich aber, dass die gelieferten Deckel nicht auf die Tanks passten, sondern der Durchmesser um einen Inch zu groß war. Daher sollte Verena am nächsten Tag nach Mombasa fahren, um die Deckel bei Toptank zu reklamieren.

Stefan hatte heute einen Termin bei der „Mekaela“ Schule. Diese hat 1200 Schüler und ist somit die größte in ganz Ukunda. Der Gründer möchte das Sanitärkonzept der Schule überarbeiten und hat unter anderem großes Interesse an der Trenntoilettentechnologie.