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Fünf Zisternen helfen Samburus durch Dürren

Zisternen in Baawa

Zisternen in Baawa

"Ingenieure Ohne Grenzen" und die "Samburuhilfe e.V." errichteten zusammen mit der Bevölkerung eines Dorfes im Norden Kenias fünf Zisternen mit 60.000 Litern Speichervolumen.

Im Samburuland gibt es außerhalb der Regenzeit kein Wasser. Während regelmäßiger anhaltender Dürren sind Zisternen der einzige lebensspendende Wasservorrat. In dem Gebiet existieren keine Grundwasservorkommen, die fünf Meter unterhalb der Erdoberfläche erreichbar wären. Auch Tiefbrunnen können dort nicht dauerhaft und selbstständig von den Dorfbewohnern instand gehalten werden. Pumpen müssten hierfür gewartet werden, und benötigten Strom, den es im Samburuland nicht gibt. Dementsprechend kam zur Versorgung der Menschen nur Regenwasser in Betracht.

Der Ingenieur Sebastian Schoeller, 31, aus Bielefeld, reiste vom 10. Februar bis 15. März 2007 in das Dorf Baawa im Samburuland und erarbeitete zusammen mit der Samburuhilfe ein Konzept, wie die ortsansässige Bevölkerung Niederschläge in selbst gebauten Zisternen speichern kann.

Um Regenwasser zu sammeln, kommen mehrere verschiedene Methoden in Betracht. Zum einen könnte ein so genannter „Sub-surface dam“ gebaut werden. Dieser ist, vereinfacht gesagt, ein Staudamm unter der Erde, der vorhandenes Grundwasser in einer wasserdurchlässigen Bodenschicht wie beispielsweise Sand staut. Doch hierfür konnte keine geeignete Stelle gefunden werden. Auch für einen „Sand-dam“, also ein Art Damm der sich zielgerichtet mit Sand füllt und dessen Staumauer jährlich erhöht wird, um somit einen Grundwasserspeicher zu schaffen, konnte kein geeigneter Standort gefunden werden.

So entschieden sich Sebastian Schoeller und die Dorfgemeinschaft, in der Nähe der „Manyatas“, der traditionellen Dorfhäuser der Samburus, Zisternen zu bauen. Um die Wasserqualität zu erhöhen wurde jeweils ein Kies-Sand Filter vorgeschaltet, sowie das Einzugsgebiet abgezäunt, um Eindringen von Tieren zu verhindern. Für die Bauten wurde ausschließlich auf lokal verfügbare Materialien zurückgegriffen. Zement, PVC-Produkte und Baustahl konnten aus der Distrikthauptstadt Maralal bezogen werden. Für 30 EUR pro 1000 Liter Speichervolumen konnte so ein lebenswichtiger Wasservorrat angelegt werden. Der Preis für eine in Deutschland verfügbare Zisterne übersteigt leicht den zehnfachen Preis.

Ferner wurde in dem Hilfsprojekt nicht nur die Wasserversorgung verbessert, sondern auch eine medizinische Infrastruktur hergestellt. Die „Wagner Solar AG“ stiftete dafür eine Solaranlage. Sie wurde auf dem Dach einer von der Samburuhilfe errichtete Krankenstation installiert. Nun ist dort zum ersten Mal mit einer Kühltruhe für Medikamente und Licht ein Mindestmaß an medizinischer Betreuung sichergestellt.

Da bei den Samburus die Beschaffung von Wasser traditionell Angelegenheit der Frauen ist, wurden in erster Linie Männer zum Tankbau mobilisiert, um nicht auch noch zusätzlich den Bau zu Frauenarbeit zu stilisieren. Ein Mann trägt beispielsweise aus Stolz kein Wasser.

In zwei Gruppen von 6 Personen lernten die Bewohner unter Anleitung zuerst die Techniken am Bau zweier Zisternen, die nachmittags an einer dritten gemeinsam wiederholt wurden. Das Ziel war es, der Bevölkerung die selbstständige Errichtung dieser Anlagen zu ermöglichen. Zehn Tage nach dem ersten Training mussten die angelernten Samburus die vierte und fünfte Zisterne selbstständig bauen. Die Beteiligung der Bevölkerung war sehr rege. Nach ein paar Tagen ließen sich auch Frauen, jungen Krieger und die Dorfältesten auf die Arbeit ein und trugen ebenfalls freiwillig zum Bau der Zisternen bei. Aus dem Kreis dieser Teilnehmer ging ein örtlicher Verein hervor, der sich um den Schutz und die Wartung der Anlagen kümmern wird, so dass ein reibungsloser Betrieb ermöglicht wird. Der Verein ist gleichzeitig der Eigentümer der Zisternen und über ihn ist auch die Weiterfinanzierung des Zisternenbaus vorgesehen. Auch die gerechte Verteilung des Wassers regelt die „Baawa Rainwater Conservation Self Help Group“.

Die Samburuhilfe und Ingenieure Ohne Grenzen suchen dringend nach weiteren Finanzierungsmöglichkeiten. Ein Aktionsplan sieht in dem Gebiet Erosionsschutz, Wiederaufforstung, Verbesserung von Anbautechniken, Bau weiterer Zisternen, Sanitäreinrichtungen, sowie Weiterbildungsmaßnahmen zu Betrieb und Instandhaltung der Bauten vor.

Bei Interesse an weiteren Informationen kontaktieren Sie bitte Sebastian Schoeller ( Hyperlink-Symbol sebastian.schoeller@gmail.com ). Gerne stehen wir Ihnen für ein Interview zur Verfügung.