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Abgeschlossen (2011): Fortsetzung des Projektes Regenwassernutzung in West-Laikipia, Kenia

Abgeschlossen (2011): Regenwassernutzung in West-Laikipia, Kenia

Zisterne in Laikipia

Wie bereits in unserer letzten Meldung angekündigt, konnten im Jahr 2009 dank der Genehmigung eines BMZ-Antrags und privaten Spendern 34 neue Zisternen im Projektgebiet Laikipia gebaut werden. Anfang 2011 wird das Projekt fortgesetzt.

Außer dem Bau neuer Zisternen wird der Fokus auf die Reparatur von seit Jahren unbenutzbaren Zisternen gelegt. Weiterhin wird ein Prototyp der Solardesinfektionsanlage gebaut und getestet werden.

Ausgangssituation

Projektgebiet in West-Laikipie, Kenia

Für die ländlichen Gebiete der Region Laikipia in Zentralkenia (Rift-Valley) existiert keine flächendeckende öffentlich organisierte Wasserversorgung. Die Bevölkerung nutzt Wasser, welches in Staubecken gesammelt wird, Wasser aus Wasserlöchern oder aus einem der wenigen öffentlichen oder privaten Brunnen.

In dem semi-ariden Gebiet Zentralkenias gibt es in einem Jahr zwei Regenzeiten - von März bis April eine große und im August eine kleinere. In dieser Zeit füllen sich die selbst angelegten Staubecken aus Erdwällen. Über die Trockenzeit wird das Wasser von Menschen und Tieren aufgebraucht. Durch die Tiere und geographische Begebenheiten ist das Wasser bakteriell stark belastet und hat einen hohen Fluoridgehalt (Die regelmäßige Einnahme größerer Mengen Fluorid kann zu schweren Zahn-, Knochen- und Gelenkschädigungen führen). Beides stellt ein großes Gesundheitsrisiko für die gesamte Bevölkerung dar. Die Entfernungen, die die Frauen und Kinder zu diesen Wasserstellen täglich zurücklegen müssen, können in Trockenzeiten bis zu 10 km betragen.

Projekt

Um für die Bevölkerung Wasser einer besseren Qualität verfügbar zu machen. Unterstützen wir seit 2007 in Kooperation mit einer lokalen Organisation den Regenwasserzisternenbau. Die bakterielle Belastung des Zisternenwassers ist geringer als das der meisten anderen Quellen und auch das Problem mit dem erhöhten Fluoridgehalt ist dadurch gelöst.

In diesem Projekt wird eine Zisterne pro Familie angestrebt, die in direkter Nähe der Wohnung gebaut wird. Dadurch die täglichen Wege zur Quelle und wieder zurück, in der Regel mit einem 50L-Kanister, nicht mehr nötig sind.

Eine Zisterne fasst ein Volumen von 10.000 Litern Regenwasser, was von dem Dach der Wohnung in die Zisterne geleitet wird. Außer dem Tankvolumen ist auch die ausreichende Dachfläche wichtig, damit während der Regenzeit genug Wasser aufgefangen wird, um den Minimalbedarf einer Familie über ein halbes Jahr sicherzustellen.

Gebaut wird die Zisterne von lokalen trainierten Arbeitern, die dieses Wissen auch außerhalb der Projektphasen nutzen und im Auftrag anderer Personen Zisternen bauen können. Bei dem Bau werden die Arbeiter von der betroffenen Familie und Nachbarn unterstützt, wodurch die Kosten geringer ausfallen und evtl. eine höhere Identifikation mit dem Bau erreicht wird. An den Häusern sind in der Regel keine Regenrinnen oder Fallrohre vorhanden, sodass diese neben dem Filtrationsystem in diesem Projekt ebenfalls gebaut und montiert werden.

"Firstflush"

Nach einer längeren Trockenperiode ist das Dach in der Regel mit Staub und verschiedenem organischen Material bedeckt. Bei dem ersten Regenfall würde diese Schicht direkt in die Zisterne gespült und anfangen zu verrotten, was die Wasserqualität mindern würde.

Um das Wasser in dem Tank möglichst lange möglichst sauber zu halten, wird an der Zisterne ein Filter eingebaut. Dadurch werden grobe Feststoffe nicht in den Tank gelassen. Gegen die feineren Verunreinigungen wird bei diesen Zisternen ein System namens "Firstflush" verbaut. Das ist ein Rohr, parallel zum Fallrohr der Regenrinne, welches am unteren Ende mit einem Stopfen verschlossen ist. Beim ersten Regen sammelt sich das Wasser in diesem Rohr und damit auch der Staub und andere Substanzen. Ist das Rohr gefüllt, nimmt das Regenwasser den Weg zu Zisterne und ist weitgehend sauber.

Technische Zeichnung

Erste Schicht Zement

perspektivische Zeichnung

Firstflush-system

Mikrofinanzsystem

Wichtig in diesem Projekt ist die Ermöglichung und Förderung der Eigeninitiative der Bevölkerung. Zum einen soll der gemeinsame Aufbau der Zisterne das Gefühl des gemeinsamen Projektes stärken. Zum anderen möchten wir einen Prozess anstoßen, der nicht mit diesem Projekt endet, sondern eigene Projekte ohne unser direktes Eingreifen entstehen lässt.

Um das zu erreichen unterstützen wir das von unserer lokalen Partnerorganisation aufgebaute Mikrofinanz-System. Von uns unterstützte Familien sind Mitglied von Selbsthilfegruppen von max. 25 Familien. Nach dem Bau zahlt die Familie den Wert der von uns vor Ort gekauften Materialien in die von der Selbsthilfegruppe eigenständig verwaltete Kasse , eine sog. „Tischbank“, zinsfrei innerhalb von ca. 4 Jahren ein. Jeweils die Frauen treffen sich regelmäßig um den Status zu kontrollieren und eventuelle Probleme zu besprechen. Jeder der Mitglieder kann sich aus dieser Tischbank nun in Form eines Mikrofinanzkredits Geld leihen - diesmal mit einem durch die Gruppe festgelegten Zinssatz (i.d.R. 5% - 10%) - und damit ein eigenes Projekt starten.

Um diese Eigeninitiative weiter zu unterstützen wird durch die lokale Organisation eine Hilfestellung zu Projekten wie der Hühnerzucht zum Fleisch- oder Eierverkauf, oder der Ofenverbesserung, angeboten.

Falls etwas unvorhersehbares - z.B. Dürren oder Geflügelkrankheiten - passieren sollte, werden die Probleme innerhalb der Selbsthilfegruppe diskutiert und gemeinschaftlich über Maßnahmen, wie Aussetzung der Rückzahlung oder Erlass, entschieden. Die regelmäßigen Treffen werden von der lokalen Organisation begleitet.

Schema des Mikofinanzsystems

Projekt 2011

Graben für das Fundament

2011 haben wir zwei neue Aspekte zu unserem Projekt hinzugefügt. In diesem Jahr haben wir nicht nur acht neue Zisternen aufgebaut, sondern auch 30 durch andere Personen aufgebaute, und mittlerweile beschädigte Zisternen repariert. Diese Reparaturen sind ebenfalls in dem Mikrofinanzsystem integriert, sind aber wesentlich günstiger als ein Neubau.

Nach einer Bestandsaufnahme von alten Zisternen konnte das Design der Zisternen durch zwei verschiedene Bauweisen weiter verbessert werden.

Außerdem haben wir, als Austausch von theoretischem und praktischem Wissen, zum ersten Mal einen Workshop mit 25 Vorarbeitern durchgeführt, einen einheitlichen Wissensstand sicherzustellen, und bestehende Techniken und Probleme zu diskutieren. Dadurch soll die Qualität und damit die Lebensdauer der Zisternen weiter verlängert werden.

Wassertests

Mikrobiologische Wassertests haben gezeigt, dass das Zisternenwasser teilweise fast an den WHO-Trinkwasser Standard heranreicht (Aufgrund der Testmethode konnte als Höchste Wasserqualität nur „geringes Gesundheitsrisiko“ - eine Kategorie unter „WHO-Trinkwasser Standard“ - festgestellt werden. Genauere Tests sind für eine nächste Projektphase geplant). Anders sieht es bei den Wasserressourcen aus Staudämmen, Wasserlöchern und Brunnen aus, bei denen die Tests schlechter ausfielen.

Jahr Zisternen (stk)
2008 10
2009 34
2011 8 + 30 (Reparatur)
Gesamt 82