Erkundungsreise nach Zamora - 09/2010
Gerold und Ruben (Engineers in Action, unsere bolivianische Partner-NGO) bei der Probennahme
Liebe Interessierte, liebe zufällig Gestrandeten, liebe Mit-IngoGs,
an dieser Stelle werdet Ihr ab kommendem Mittwoch die neuesten Informationen und Geschehnisse der Erkundung der Dresdner Regionalgruppe von Ingenieure ohne Grenzen nach La Paz und Zamora, Bolivien, finden.
Dieser Blog soll auch als Austauschplattform dienen, wenn Ihr also irgendetwas, was wir machen, seltsam findet, nicht damit einverstanden seid, Vorschläge, Anmerkungen, Kommentare, Erläuterungen, Läuterungen, Lob, etc. habt, lasst Euch nicht davor zurückhalten, es kundzutun. Gerne auch direkt an uns: gerold1@freenet.de phi-ma@gmx.net
Bis bald im Netz oder später in Deutschland,
Gerold und Philipp
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Erkundungsblog, vorerst zum Letzten (30.09.)
Ich bitte die ausgebliebenen Fotos und den versprochenen früheren Eintrag aus La Paz zu entschuldigen. Die letzten Tage waren noch etwas vollgestopft, daher kommt der jetzige Eintrag erst mit der guten Nachricht, dass wir wieder gut in Deutschland angekommen sind. Wobei gut relativ ist, von uns aus hätte der Aufenthalt in Bolivien gerne noch einige Tage länger dauern können. Sowohl wegen der Erkundung als auch um Bolivien und seine Bewohner noch etwas besser kennenzulernen.
Aber die wichtigsten Punkte müssten abgehakt sein. Zamora ist besucht, das grundlegende Problem gefunden (nicht nur verschmutztes Wasser, sondern allgemein zu wenig), Proben sind genommen, verfügbare Pläne und Preise für Baumaterialien besorgt und einige Kontakte geknüpft.
Vor allem der letzte Punkt stand in den letzten Tagen, nach der Rückkehr aus Zamora, nochmal im Vordergrund. Leider gelang es uns aus zeitlichen Gründen nicht mehr, uns noch mit dem Bürgermeister des Bezirks Ancoraimes (in dem Zamora liegt und unter dessen Verantwortung auch das bestehende Bewässerungssystem angelegt wurde) zu treffen. Das wird nun entweder per Mail oder über unsere lokalen Partner geschehen müssen. Dafür hatten wir allerdings zwei weitere (also insgesamt drei) Treffen mit Mitarbeitern der GTZ, dieses Mal mit dem Bewässerungsprogramm (PROAGRO) und einem Spezialisten für Minenwasserbehandlung. Aus beiden sind für uns weitere interessante Informationen und Kontakte hervorgegangen (bspw. Kontakte zu Leuten, die in Bolivien Sprinkler selbst herstellen und Informationen zu von der GTZ aufgebauten Wasserspeicherbecken in Bolivien). Ebenso interessant war für uns der Besuch bei dem bolivianischen Forschungsprogramm PIEB (Programa de Investigación Estratégica de Bolivia) , die uns vor allem mit Veröffentlichungen zu schon durchgeführten Pilotprojekten der Minenwasserreinigung helfen konnten. Mit etwas Glück wird dieser Besuch auch für Roxana interessant, falls sich daraus Möglichkeiten für die Finanzierung ihrer Abschlussarbeit ergeben sollten. Roxana studiert Umweltchemie in La Paz und schreibt ihre Abschlussarbeit über eine mögliche (praktische) Reinigungsanlage für das Wasser aus der Mine San Augustín (die „schlechte“ Mine in Zamora).
Zusätzlich zu Roxana konnten wir vergangenen Freitag noch zwei weitere Studenten der öffentlichen Universität in La Paz treffen. Den Präsidenten und ein weiteres Mitglied der lokalen Gruppe von Ingenieure ohne Grenzen. Da bei der relativ jungen Gruppe großes Interesse an kleineren, praktischen Projekten besteht, hoffen wir, möglicherweise notwendige Dinge wie Bodenuntersuchungen o.ä. gemeinsam angehen zu können.
Als nächstes stehen die Analyse der Wasserproben in Deutschland und die Diskussion und der Vergleich verschiedener Lösungen an. Die Ergebnisse (oder vielleicht sogar Zwischenergebnisse) finden sich voraussichtlich in größeren zeitlichen Abständen weiterhin in diesem Blog, bis er dann – hoffentlich – im Sommer nächsten Jahres in unseren Projektreiseblog übergehen wird J.
Zamora zum Ersten – ganz kurz gefasst (24.09.)
Gestern Abend sind wir nun wieder von unserer Zamora-Reise nach La Paz zurückgekehrt. Bisher (außer etwas Sonnenbrand) unbeschadet durch die Höhe (3800 bis 4400 m), die Kälte im recht zugigen Klassenzimmer (das uns als Schlafplatz diente) und dem Hochlandessenmit schmutzigen Fingern. Obwohl die Begrüßungsehr nett und selbst üpige Bewirtung mit Mittagessen während der Probennahmen(mit Kartoffeln, gefriergetrockneten Kartoffeln, Wurzeln, Bohnen, Käse und Chilisoße aus mitgebrachten Stoffbeuteln) gegeben war, war es ganz schön, nach den vier Tagen im touristischen Copacabana wieder duschen zu können. Nicht dass jemand denkt, wir hätten nur Urlaub gemacht! Der eigentliche Grund für den Zwischenstop in Copacabana, das etwas abseits der Route Zamora – La Paz am Titicacasee liegt,war der Besuch bei Martin Strätker, ein Deutscher, der neben einem Hotel in Copacabana auch ein Wasser- und Gewächshausprojekt in der Umgebung verwaltet. Außer dass wir von Martin sehr herzlich empfangen wurden, konnten wir uns auch gleich „sein“ Projekt ansehen und nahmen einiges an Eindrücken und Ideen über die Verwirklichung von Projekten dieser Art auf dem Altiplano mit. An dieserStelle auch nochmals vielen Dank an Martin (falls er trotz seiner geringen Computerfreundschaft doch auf diese Seite stoßen sollte ;-)) für den herzlichen Empfang und die sehr nette Hilfe!
Da die Meisten allerdings wahrscheinlich auf die Neuigkeiten aus Zamora gespannt sind, ganz kurz die ersten Eindrücke dazu:
Wie schon angedeutet wurden wir am Sonntag sehr freundlich von der Dorfverwaltung (vielleicht äquivalent zum Gemeinderat) und den Mitgliedern der Trinkwasser- und Bewässerungskomitees mit einem Mittagessen im Versammlungsraum der Ortschaft begrüßt. Am gleichen Tag wollten wir eigentlichnoch mit der Probennahme beginnen, wobei uns aber in gewisser Weise ein Graben im Weg stand. Nachdem wir unseren Mietwagen nach ca. 2 Stunden daraus befreit hatten, war es für die Probennahme leider zu spät. Dafür verbrachten wir die folgenden zwei Tage hauptsächlich damit, in Begleitung von drei bis sieben Ortsansässigen die Wasserläufe abzugehen und Proben zu nehmen. Dabei konnten wir zu den geplanten Proben zusätzlich einige innerhalb der belasteten Mine und aus Trinklöchern im moosigen Feuchtgebiet abseits des Baches nehmen, auf deren Ergebnisse wir sehr gespannt sind. Zumindest die pH-Wert-Messung ergab schon eine sichtbare Verbesserung in den 8 m vom Lauf entfernten Löchern.
Hauptsächlich Mittwochmorgen interviewten wir noch einige Ortsansässige, um einen gewissen Eindruck über die momentane Situation im Ort und vor allem den Wasserbedarf und alternative Quellen zu bekommen.
Zusammenfassend lässt sich vielleicht schon sagen, dass es mit einer reinen Behandlung oder Separierung von belasteten und unbelasteten Minenabwässern wahrscheinlich nicht getan sein wird, da der permanente Zufluss aus diesen für die Bewässerung nicht ausreichen würde. Eher müsste dies als erste Maßnahme und die Suche nach mehr Wasser - sei es durch Regenwasserspeicherung oder der Suche nach anderen Quellen – als zweite aber ebenso wichtige Teilaufgabe angesehen werden.
Etwas mehr über Zamora und unser zweites Treffen mit der GTZ (dieses Mal mit dem Bewässerungsprogramm) folgt hoffentlich heute Abend oder morgen, vielleicht auch mit Fotos, wenn ich es schaffen sollte, welche hochzuladen.
Muchos Saludos desde La Paz,
Gerold y Philipp
Erste ernsthafte Arbeit 17.09.
Allem voran sollte die voreilige Großspurigkeit aus dem letzten Eintrag noch etwas relativiert werden: Nachdem wir gestern die Hügel von La Paz hauptsächlich zu Fuß bewanderten, hatten Gerold und ich abends doch mit großer Erschöpfung und Kopfschmerzen zu kämpfen. Ankommen und Loslegen ist wohl doch nicht so einfach. Aber mit viel Wasser, Tee und Schlaf ließ sich dem ganz gut beikommen. Unter dem Aspekt war uns auch ganz recht, dass wir heute - notgedrungen - hauptsächlich im Taxi unterwegs waren. Aber dazu später.
Wie die Überschrift nahelegt haben wir gestern - nach einem weniger gefüllten Tag zur Eingewöhnung - mit den ersten offiziellen Terminen und der detaillierteren Vorbereitung der Fahrt nach Zamora begonnen. Die hätten wir fast noch um einen Tag verschieben müssen. Aber auch dazu später.
Der erste Termin war in der Deutschen Botschaft, wo uns Sonja Rogoll de Lazo aus der Wirtschaftsabteilung sehr freundlich und hilfsbereit empfing. Der zweite beim Programm "PROAPAC" (Programa de Agua Potable y Alcantarillado Sanitario en Pequeñas y Medianas Ciudades) der GTZ, wo uns der Direktor des Programms, Dr. Detlef Klein und zwei seiner Kollegen mit gutem Rat zur Seite standen. Ergebnisse beider Treffen waren zum einen neue Kontakte: Erstens zu einem deutschen Hotelier, der in der Nähe von Copacabana am Titikakasee ein Projekt mit mehreren Gewächshäusern betreut. Da das Projekt sehr gut laufen und organisiert sein soll, hoffen wir, uns bei einem Treffen mit ihm über die Projektdurchführung, -organisation und die Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung ausstauschen zu können. Zweitens wurde uns von Seiten der GTZ geraten, das Projekt - so klein es auch sein mag - nicht nur bei den lokalen Behörden, sondern auch auf Ministeriumsebene anzumelden. Um die entsprechenden Kontaktpersonen zu finden, werden wir uns voraussichtlich nächsten Freitag mit einem Ruben (EIA) bekannten japanischen Architekten treffen, der Erfahrung in der Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Umwelt und Wasser hat. Drittens vermittelten uns die Leute der GTZ ein weiteres Treffen mit der GTZ, dieses Mal mit dem Programm "PROAGRO" (Programa de Desarollo Agropecuario Sustentable ), das sich unter anderem auch mit dem Thema Bewässerung befasst. Dort erwarten uns sicherlich ein interessanter fachlicher Austausch und Erfahrungen direkt aus unserem geplanten Tätigkeitsbereich. Last, but not least sind wir auch bei einer weiteren Frage, die noch etwas offensteht vorangekommen: Während die Bundespolizei fast schon amüsiert auf unsere Frage reagierte, ob wir Wasserproben der Minen im Fluggepäck deklarieren müssten ("Sie meinen schon normales, klares Wasser?"), ist die Ausfuhr aus Bolivien wohl nicht ganz so klar. Zumindest gibt es laut der GTZ einige Organisationen, die von Problemen dabei berichteten. Aus diesem Grund werden wir uns in den nächsten Tagen mit einem Labor in Oruro wenden, das schon weitreichende Erfahrungen mit dem Thema hat.
Für Roxana, eine Studentin der Universidad Mayor de San Andres, die ihre Abschlussarbeit in Umweltchemie über die mögliche Reinigung des Wassers aus der "schlechten" Mine schreibt, war der Termin bei der GTZ leider nicht so erfreulich. Man ließ uns wissen, dass eine Reinigung von Brauchwasser von Schwermetallen zwar ein akademisch interessantes Problem sei, aber in der Anwendung höchstwahrscheinlich zu teuer. In Anbetracht dennoch möglicher günstiger Lösungen und auch Anwendungen an anderen Orten wird sich Roxana allerdings hoffentlich nichts ihres Elans nehmen lassen.
So, nun endlich zu den Turbulenzen des heutigen Tages und dem (fast-)Umbruch des Terminplanes: Wir durften heute hautnah erfahren, wie wichtig es ist, im letzten Moment umdisponieren zu können und wie gefährlich es ist, sich hundertprozentig auf Annahmen zu verlassen. Für die Probennahme in Zamora benötigten wir noch Salpetersäure, um die Wasserproben zu konservieren und einen Probenbohrer, um den Boden als möglichen Baugrund beurteilen zu können. Für beides dachten wir, sichere Quellen zu haben. Nachdem der Tag (Freitag!) allerdings später und später wurde und beides noch nicht im Büro der EIA war, begannen wir, sämtliche uns bekannten Möglichkeiten abzusuchen. Nachdem wir nach hektischer Taxifahrt zur außerhalb gelegenen Uni den Direktor des uns bekannten Labors für Umweltqualität nur noch auf dem Heimweg begegneten, zogen wir schon in Betracht, die Fahrt auf Montag zu verschieben. Zwei Institute später wurden wir jedoch glücklicherweise mit einem Probenbohrer fündig, und auch Roxana konnte noch günstig Salpetersäure besorgen. Der Terminplan bleibt also bestehen.
Wenn morgen früh das Essen (und hauptsächlich Wasser) für die Zeit in Zamora eingekauft ist, steht der Fahrt am Sonntag also nichts mehr im Wege!
Auto, Jetlag(?), Herzklopfen ? ....15.09. - abends
Abgehakt: Gespräch mit Ruben von Engineers in Action heute Morgen, Bolivianos (lokale Währung) geholt und somit überlebensfähig auf den Straßen von La Paz, Liste mit notwendiger Ausrüstung gemacht und – ganz wichtig – den Tag ohne größere körperliche Warnmeldungen gegen die dünne Luft überstanden.
Obwohl das Herzklopfen beim Treppensteigen noch nicht ganz ausbleibt.
Heute Mittag gab es dafür noch ein kleines Schreckerlebnis: Engineers in Action wollten uns eigentlich mit einem Auto versorgen, das uns nach Zamora und vor allem die unwegsame Strecke von dort zu den Minen bringt. Dieses Auto ist allerdings, wie Ruben uns heute etwas geknickt mitteilte, kaputt. Und wird wohl bis Sonntag , wenn wir nach Zamora wollen, nicht wieder einsatzbereit sein. D.h., uns wird nichts anderes übrigbleiben, als woanders eines zu leihen.
Ansonsten war die Absprache mit Ruben, wer nun was woher besorgt, allerdings ganz erfolgreich. Nur die Salpetersäure zur Probenkonservierung und ein geeignetes Gerät zur Bodenuntersuchung fehlt uns noch. Aber das wird sich morgen sicherlich auch ergeben.
Die Ankunft in ungeahnten Höhen…15.09. - morgens
…hatten wir im Vorraus doch gefürchtet, nach den Berichten einiger Reisenden, die nach der Ankunft in La Paz auf 4000 Metern zwei oder drei Tage praktisch ausgeschaltet waren. Außer etwas wackligen Beinen und leichten Kopfschmerzen am Flughafen erging es uns jedoch bis jetzt sehr gut – toi toi toi – und wir sind vor ca. 30 min gut in unserem Hostel im Zentrum von La Paz angekommen.
Nach dem Frühstück sieht der Plan für heute noch vor, etwas bolivianisches Geld zu besorgen und uns vor alllem mit Ruben von Engineers in Action zu treffen, um uns nun endlich persönlich zu treffen und das weitere Vorgehen zu besprechen.
Für morgen haben wir erfreulicherweise noch einen Termin bei der deutschen Botschaft bekommen, wo wir unser Projektvorhaben vorstellen und hoffentlich einige gute Tipps zur Arbeit in Bolivien bekommen werden. Zum gleichen Zweck steht am Freitag ein Besuch bei der GTZ an, Samstag werden wir uns in La Paz umschauen und Sonntag soll es schon nach Zamora gehen.
Soweit also die Pläne für dieses Woche, heute Abend gibt es hoffentlich einen kurzen Bericht über das Treffen mit Ruben (vielleicht auch mit Fotos…).
Muchos saludos desde La Paz,
Gerold und Philipp
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