Home / Regionalgruppen / Hannover / Projekte / Abgeschlossenes Projekt: Biogasanlage in El Jicaro, El Salvador / Projekttagebuch vom Bau der Biogasanlage in El Jicaro, El Salvador / I) 13.bis 15.11.2009 - ANKUNFT RALF - ARBEITSBRIGADE SAN MARTIN

I) 13.bis 15.11.2009 - ANKUNFT RALF - ARBEITSBRIGADE SAN MARTIN

I) 13.bis 15.11.2009 - ANKUNFT RALF - ARBEITSBRIGADE SAN MARTIN

Ralf ist gut in El Salvador angekommen, um das Biogas-Projekt in den nächsten Wochen ebenfalls tatkräftig zu unterstützen. Gemeinsam helfen wir zunächst zwei Tage lang einer freiwilligen Arbeitsbrigade, einen Sportplatz von Erde zu befreien, welche durch die starken Regenfälle des vergangenen Wochenendes dorthin gespült wurde.

Freitag, der 13., 21:30 Uhr: Nach meinem 17-stündigen Flug mit Zwischenstopp in Houston bin ich gut am Flughafen von San Salvador angekommen, wo ich herzlich von Niklas und unserer Gastmutter mit Sohn empfangen werde. Bei tropischen Temperaturen geht es bei geöffnetem Fenster im Wagen des Privatchauffeurs unseres Gastvaters (der sich selbst gerade noch in Deutschland aufhält) auf die anderthalbstündige Fahrt nach Atiquizaya, wo wir mit einem Gläschen Rum auf meine Ankunft und die vor uns liegende Zeit anstoßen.

An den ersten beiden Tagen geht es auch gleich frisch ans Werk, da wir uns mit am Arbeitseinsatz im ca. 100 km entfernten San Martín beteiligen. Mit der von der roten Partei organisierten, solidarischen Arbeitsbrigade, die sich aus gut 100 Helfern verschiedener Ortsgruppen zusammensetzt, schippen wir etliche (mit Müll durchsetze) Kubikmeter an Schlamm und Erde weg, die einen größeren Teil des lokalen Sportplatzes zugesetzt haben. Durch den starken Regen des vergangenen Wochenendes sind nämlich große Teile des angrenzenden Steilhangs mangels Bewuchs abgerutscht. Bei den Aufräumarbeiten muss leider auch ein stattlicher Baum am oberen Rand des Steilnhngs dran glauben, da Familien fürchten, dass er beim nächsten Sturm entwurzelt wird und weitere Erde nachrutschen könnte, sodass auch Teile des Hauses (bzw. der Hütte) abbrechen könnten. Obwohl die gemeinsame Aktion natürlich gut und wichtig ist, um den Platz vom Lehm zu befreien, wirkt Vieles auf uns auch widersprüchlich: Hätte man von Anfang an nicht so nah an der Kante gebaut und die Böschung nie so steil werden lassen (bzw. von Anfang an ordentlich befestigt oder durchgehend mit Bäumen bapflanzt), hätte viel von vorneherein vermieden werden können. Aber europäische Bauvorschriften gibt es hier natürlich nicht, sodass nach größeren Regenereignissen natürlich immer viel größere Schäden oder gar Opfer zu baklagen sind (wie etwa in den östlichen Teilen des Landes), als bei uns. Trotz der Anstrengung der körperlichen Arbeit bei den ungewohnt hohen Temperaturen kommt das leibliche Wohl der Brigade nicht zu kurz und so können wir uns stets darauf verlassen, nach spätestens 90 Minuten zum nächsten Essen oder zur Erfrischung gerufen zu werden, sodass wir mit so manchen Leuten ins Gespräch kommen oder uns einfach mal ein paar Minuten lang auf die faule Haut legen können.

Dies tun wir am Ende des ersten Arbeitstages natürlich gerne – übernachtet wird mit den anderen Männern unserer Ortsgruppe in einem Raum der Dorfschule. Während wir mitgedacht und eine Decke plus Schlafsack mitgenommen haben, nehmen einige einfach damit vorlieb, auf einer Plastikplane zu nächtigen – natürlich eine sehr harte „Matratze“ auf dem Steinboden der Schule. Kein Wunder also, dass es gegen fünf Uhr morgens etliche Herren vorziehen, aufzustehen und aufs Essen zu warten, anstatt auszuschlafen, zum Unmut von Niklas und mir, wo wir gerne zumindest bis zum Sonnenaufgang um ca. 6 Uhr früh unsere Ruhe gehabt hätten. Aber so stehen wir auch bald auf der Matte und stellen uns für das erste Mahl des Tages (Milchreis aus Styropor-Bechern) an, wonach es mit der kollektiven Aufräum- und Schaufel-Aktion weitergeht. Neben einigen Zwischenmahleiten, die uns bei Laune und Kräften halten, wird Niklas von einem Filmteam der Partei interviewt, und von dem für kurze Zeit eingetroffenen Hauptkoordinator für derlei Arbeitseinsätze auf landesweiter Ebene, bekommen wir einen besonderen Willkommensgruß und Dank für die Mithilfe ausgesprochen. Nach dem Mittagessen, das wie üblich in Einweg-Tellern und Schalen aus Plastik serviert wird und für aus unserer Sicht unverhältnissmäßig hohes (prinzipiell vermeidbares) Müllaufkommen sorgt, satteln wir mit unserer Gruppe die Pferde bzw. begeben uns auf die Pritsche des Lastwagens, mit dem wir schon die luftige Hinfahrt genossen haben. Der bestellte Bus ist nämlich am Vortag nicht verfügbar gewesen, sodass (wie auch sonst oft üblich) mit dem LKW vorlieb genommen wurde. Uns ist es auf jeden Fall recht, bei hochsommerlichen Temperaturen „im Cabrio“ mit gefühlten 100 Sachen über die Autobahn zu donnern und das satte Grün rechts und links der Straße zu bewundern, sowie die wagemutigen Mitfahrer der letzten Reihe, die den vollen Fahrtwind ohne Augenzwinkern auf sich nehmen. Zuhause in Atiquizaya angekommen lassen wir den Tag gebührend bei Rum mit Cola ausklingen.