Projekt in der Erkundungsphase: Abwasserbehandlung mit integrierter Energiegewinnung in einem Schulzentrum in Turin, El Salvador
El Salvador ist mit knapp 7,4 Millionen Einwohnern der kleinste Staat Mittelamerikas. Die Kleinstadt Turin im Osten des Landes verfügt über ein Schulzentrum in dem rund 1200 Schüler aus dem Umland die Klassen 1 bis 9 besuchen.
Eine Entsorgung der Abwässer erfolgt dort bisher lediglich in Sickergruben auf dem Schulgelände. Zu dieser Abwasserproblematik kommt der hohe Bedarf an Brennholz zum täglichen Zubereiten der Mahlzeiten für die Schüler. Gekocht wird in einer schuleigenen Küche mit zugekauftem oder auf dem eigenen Gelände geschlagenem Holz. Daß diese Situation, auch aufgrund der Beeinträchtigung von Küchenpersonal und Schülern durch die Rauchentwicklung beim Kochen, keine Dauerlösung sein kann, wurde schnell deutlich. Ein neues Projekt soll umfassend für Abhilfe sorgen.
Ingenieur/innen ohne Grenzen hat sich ein Gesamtkonzept zur Beseitigung der aufgeführten Mängel zur Aufgabe gemacht. Eine Koppelung von Abwasseraufbereitung und Verbesserung der Kochsituation soll durch eine auf die örtlichen Gegebenheiten abgestimmte Biogasanlage verwirklicht werden. Das Abwasser soll dabei gebündelt in einen speziell dafür ausgelegten Tank geführt, dort von Bakterien zersetzt und in Gas zum Kochen in einer neuen Schulküche umgewandelt werden. Somit kann nicht nur der weiteren Abholzung und gesundheitlichen Beeinträchtigung durch das Kochen mit Holz entgegengewirkt werden, sondern es entsteht eine wartungsarme und zuverlässige Lösung für die bestehende Abwasserproblematik. Die Umsetzung des Projekts stellt für die Stadt Turín eine große Chance zur Verbesserung der ökonomischen und ökologischen Situation dar und könnte Pilotcharakter für die gesamte Region annehmen.
Um nun dieses Konzept der Abwasserbehandlung mit Biogasgewinnung weiter ausarbeiten zu können, waren im November 2011 zwei Ingenieure der Regionalgruppe Hannover zwecks nötiger Erkundungen für drei Wochen vor Ort.
Es zeigte sich, daß auf dem Schulgelände eine neue Toilettenanlage mit angeschlossenem Klärtank, dessen Nutzung als Biogasanlage die Kosten des Projekts deutlich senken könnte, existiert. Diese Toilettenanlage könnte jedoch erst in Betrieb genommen werden, wenn ihre Frischwasserversorgung gewährleistet ist. Momentan reicht diese aufgrund zu geringen Leitungsdrucks nicht aus. Er resultiert zum Einen aus dem maroden Leitungsnetz und zum Anderen aus der Tatsache, daß die neue Toilettenanlage am Ende dieses Netzes liegt. Eine Modifikation der Zuleitungen und eine Kombination aus hochliegendem Wassertank mit unterirdischer Zisterne wären wohl unabdingbar. Desweiteren erforderte die Nutzung des Abwassertanks als Biogasquelle ein Einziehen von Zwischenwänden, das gasdichte Verschließen des Tanks, verschließbare Wartungsöffnungen und eine Gaszuleitung zu einem neu zu installierenden Biogasspeicher, der dann die neue Schulküche versorgen würde. Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung all dieser Maßnahmen wäre die überwiegende Nutzung der neuen statt der alten Toiletten.
Bisheriges Fazit:
Mit verhältnismäßig geringem Aufwand könnte das Projekt unter Einbeziehung von Schule und Stadtverwaltung (auch finanziell) realisiert werden. Da deren Haushaltsmittel begrenzt sind und nicht alle Arbeiten in Eigenleistung erbracht werden können, ist neben der weiteren Detailplanung auch die Beschaffung weiterer finanzieller Mittel die Aufgabe von Ingenieur/innen ohne Grenzen.
