Wasser für Bolivien

Minengleis in Bolivien

Das Leben der rund 5550 Bewohner der drei Dörfer Santa Ana, Siete Suyos und Chocaya Animas in den bolivianischen Anden wird bestimmt durch erhebliche Probleme bei der örtlichen Wasserversorgung, große Defizite im Bereich der sanitären Anlagen, mangelnde Versorgung mit frischen Nahrungsmitteln und nur einer einzigen Einkommensquelle, dem Bergbau, der zudem nur Männern offen steht. Diese Faktoren führen bei den Menschen zu Mangelernährung, unhygienischen Verhältnissen, häufigen Erkrankungen insbesondere von Kindern sowie zu vollständiger Abhängigkeit der Familien vom Bergbau. Es ist Ziel dieses Projekts, die oben genannten Missstände zu beheben und die Situation vor Ort erheblich zu verbessern.

Übersicht über die Probleme der Bevölkerung

In keinem der drei Dörfer gibt es eine Trinkwasserversorgung ausreichender Qualität und Quantität. Derzeit nutzen die Menschen Wasser aus Oberflächengewässern, die jedoch oft in großer Entfernung liegen und zudem nicht ausreichend Wasser führen, um die gesamte Bevölkerung zu versorgen. In Siete Suyos und Chocaya Animas existiert außerdem ein altes Pumpsystem, das 200 l Wasser pro Woche und Familie bereitstellt. Diese Menge ist jedoch bei Weitem nicht ausreichend. In Santa Ana wird Trinkwasser zusätzlich auch in Flaschen mit LKW teuer importiert.
Die fehlenden sanitären Anlagen und ein ebenfalls fehlendes Abfallsystem sind ein weiteres Problem für die Menschen in den Dörfern. Die Bedürfnisse werden im Freien verrichtet und sämtliche Abfälle dort entsorgt, wo sie gerade anfallen. Dies führt zu einer katastrophalen hygienischen Situation, die zu häufigen Krankheiten, vor allem bei Kindern führt.

Hinzu kommt die mangelnde Ernährung mit frischen Nahrungsmitteln, da aufgrund des Klimas konventionelle Landwirtschaft nicht möglich ist und alle Lebensmittel aus entfernten Städten zu hohen Preisen eingekauft werden müssen. Die Versorgung der Menschen ist daher sehr schlecht, vor allem an Vitaminen fehlt es, was ebenfalls zu schlechter Resistenz gegenüber Krankheitserregern und somit zu häufiger Krankheit führt.
Da die einzige Einkommensquelle in den Dörfern der Bergbau ist und normalerweise nur Männer in dieser Branche arbeiten dürfen, sind alle Familien und Frauen von den Männern und diese von den Rohstoffpreisen abhängig. Außerdem müssen Frauen und Kinder oft nach dem Tod des Familienvaters im Umfeld des Bergbaus arbeiten, um die Familie weiter ernähren zu können. Bei diesen Arbeiten werden häufig körperlich sehr schwere Tätigkeiten mit hohen gesundheitlichen Risiken verrichtet.

Geplante Maßnahmen und zeitlicher Ablauf

Nach einer erfolgreichen Vorerkundung in Bolivien und anschließender Planung in Deutschland wurden Maßnahmen beschlossen, die stufenweise die Lage in den drei Dörfern verbessern sollen. Dabei sind die Hauptziele eine gesicherte und ausreichende Wasserversorgung, eine bessere Ernährung, hygienische sanitäre Anlagen und alternative Einkommensquellen vor allem für Frauen. Zu den geplanten Maßnahmen gehören:

  • Quellfassung einer 8 km von Santa Ana entfernten Quelle und Bau einer Rohrleitung von dieser in das Dorf und eines Tanks zur zentralen Wasserspeicherung
  • Aufbereitung dieses Wassers in Santa Ana bei Bedarf
  • Verbesserung der bereits bestehenden Wasserversorgung in Siete Suyos und Chocaya Animas
  • Bau von Komposttoiletten mit robustem Design, welches eine Nutzung der Fäkalien als Dünger erlaubt
  • Bau von Gewächshäusern zu Demonstrationszwecken, um den Menschen den Gemüseanbau zu ermöglichen
  • Aufbau von Kleintierzuchteinheiten
  • Durchführung von Seminaren mit Erwachsenen und Kindern zu Themen wie Bau, Betrieb und Instandhaltung der einzelnen Maßnahmen, Hygiene, Gemüseanbau und Kleintierzucht.

Die Durchführung der oben dargestellten Maßnahmen erfolgt in mehreren Phasen, welche jeweils einen zwei- bis vierwöchigen Aufenthalt zweier Ingenieure ohne Grenzen aus Hamburg in Bolivien beinhalten. Während dieser Aufenthalte in Bolivien wird darauf geachtet, dass die technisch ohnehin leicht zu realisierenden Maßnahmen gemeinsam mit der Dorfbevölkerung umgesetzt werden, um diese selbst an der Entwicklung ihres Dorfes zu beteiligen und um den Menschen einen Anstoß zu geben, sodass die Arbeiten auch während der Zeit, in der kein Ingenieur vor Ort ist, durchgeführt werden können. So wird die Nachhaltigkeit und der Erfolg des Projekts gewährleistet.

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