Deutsche und ruandische Studenten planen Fußgängerbrücke in Ruanda

Ingenieure Ohne Grenzen

Die Brückenbauingenieure bei der Arbeit.

Eine Fußgängerbrücke über den Mukungwa - das planen derzeit ruandische Studenten des Kigali Institute of Science and Technology (KIST) und deutsche Studenten der gemeinnützigen Hilfsorganisation Ingenieure Ohne Grenzen e.V. Stuttgart/Brückenbau (INGOG). Die Brücke in Vunga bei Ruhengeri im Nordwesten Ruandas soll im Oktober dieses Jahres fertig gestellt werden und es der dort lebenden Landbevölkerung ermöglichen, sich einfacher und sicherer fortzubewegen.

Durch die zerklüftete Geographie Ruandas sind die ländlichen Gegenden sehr abgelegen, die Infrastruktur dort muss noch deutlich verbessert werden. Die Landbevölkerung bewegt sich meist - auch über größere Entfernungen - zu Fuß fort. Das ist manchmal äußerst riskant, da die saisonalen Regenzeiten intensive Niederschläge mit sich bringen. Die Wasserstände der Flüsse steigen innerhalb kurzer Zeit stark an und die Furten werden zu gefährlichen Engstellen, die immer wieder Todesopfer fordern. Ruandische und deutsche Studenten hatten die Idee, gemeinsam ein modulares Brückensystem zu entwickeln, das den Menschen auf dem Land den Weg zu Märkten, Einkaufszentren, Schulen und Krankenhäusern erleichtert.
Das Brückensystem hat Joachim Schneider im Rahmen seiner Diplomarbeit an der Fachhochschule Aachen konstruiert. Unterstützt wurde er von Sandra Timmermann von der Universität Stuttgart. Den jungen Ingenieuren war wichtig, ein System zu entwerfen, mit dem die Brücken schnell, kostengünstig, mit ungelerntem Personal und mit lokal verfügbaren Baustoffen an verschiedenen Standorten gebaut werden können. Als geeigneten Baustoff ermittelten sie Bambus - ein hochwertiges Baumaterial, das auch in Ruanda verfügbar ist und sehr schnell wächst, im Durchschnitt 25 cm pro Tag. Für das Brückensystem werden Bambusstäbe über Stahlknoten, die aus alten Stahlrohren zusammengeschweißt sind, verbunden. Die Knotenpunke wurden als Stecksystem ausgebildet - so ist das System variabel, kann beliebig erweitert werden, und es können Brücken mit unterschiedlichen Spannweiten und für verschiedene Lasten gebaut werden.

Auf ruandischer Seite stellten die KIST-Studenten Pierre Claver Utabazi und Martin Musabyimana ein Team zusammen, das aus fünf weiteren Studenten besteht. Es wurden Infrastruktur- und Standortuntersuchungen durchgeführt. In Vunga haben die Ruander den ersten konkreten Standort für eine Brücke gefunden und ausführlich untersucht. Im Moment wählen sie weitere Orte aus, wo das Brückensystem benötigt wird.

KIST und INGOG haben gemeinsam bereits drei Brücken in Ruanda gebaut. Um durch die Zusammenarbeit auch einen Wissenstransfer zu gewährleisten, werden die gemeinsamen Projekte immer von einem Seminar an der Hochschule in Ruanda begleitet. Damit die Fußgängerbrücke in Vunga gebaut werden kann, sammeln die INGOG noch Spenden und freuen sich über Ihre Beteiligung (http://www.ingenieure-ohne-grenzen.org/helfen). Die Ingenieure Ohne Grenzen möchten mit dem Bau von Brücken einen nachhaltigen Beitrag zur Entwicklungshilfe leisten. Die Zusammenarbeit mit dem KIST haben sie vor Kurzem für die nächsten drei Jahre mit einer offiziellen Kooperationsvereinbarung geregelt.
Mit seinem Brückenprojekt steht das deutsch-ruandische Studententeam derzeit im Finale des Mondialogo Awards. 809 Studentengruppen haben an dem Wettbewerb teilgenommen, 30 Projektvorschläge haben es ins Finale geschafft. Der Wettbewerb wird von der Daimler AG und der UNESCO ausgelobt. Er lädt Studenten aus industrialisierten und nicht industrialisierten Ländern dazu ein, gemeinsam Ideen zu entwickeln, die der Realisierung der Millenniums Entwicklungsziele der UNESCO dienen. In internationaler Zusammenarbeit und interkulturellem Dialog soll ein hochwertiges technisches Projekt ausgearbeitet werden, das die nachhaltige Entwicklung fördert und für die Bevölkerung einen direkten praktischen Nutzen hat. Wir finden, das ist den Brückenbauern bestens gelungen und drücken ihnen auch für das Finale die Daumen!

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