Solarprojekt in Varanasi
Schüler beim Unterricht im Innenhof
Die heilige Stadt Varanasi im Nordosten des Landes liegt am Ufer des Ganges und gehört zu den ältesten Städten Indiens. In einem jener typischen, leicht vernachlässigten Altstadthäuser betreibt der gemeinnützige Verein "Learn for Life - Another world is possible e.V." eine kleine Schule für Kinder zwischen fünf und neun Jahren. Ihre Familien sind so arm, daß sie sich die Kosten für Bildung nicht leisten können. Neben Fächern wie Mathematik und Hindi werden Musik- und Jogastunden in der Schule angeboten. "Learn for Life" kümmert sich außerdem darum, den Kindern eine Mahlzeit zuzubereiten.
Das Schulgebäude ist an das öffentliche Stromnetz angebunden, doch ist es keine Ausnahme sondern eher die Regel, dass der Strom ausfällt und die Bewohner Varanasis den halben Tag auf Elektrizität verzichten müssen. Um nun den Kindern ein angenehmeres Lernen auch in den Sommermonaten zu gewährleisten und um auch als Vorbild in nachhaltigem Umgang mit der Natur und ihren Ressourcen zu dienen, hatte Michael Schmid (Projektleitung in Indien) die Idee, eine Solarstromanlage zur Versorgung der Klassenräume und des Büros zu installieren. Diese Fotovoltaikanlage wäre die erste in der Millionenstadt und könnte als wichtiger Richtungsweiser fungieren, weg von den immer teurer werdenden fossilen Brennstoffen hin zu erneuerbaren Energien.
Aus "Project Paper: Learn For Life Charity Event in Wien" von Regina Potocnik, learn for life e.V.:
Learn For Life – Another World is Possible – wurde im Juni 2005 in Varanasi, Nordindien gegründet und unterhält seit Beginn 2008 den Status einer staatlich anerkannten, registrierten Non-Profit Organisation. In Deutschland wurde 2006 ein gemeinnütziger Verein zur Unterstützung von Learn For Life gegründet. In Österreich soll demnächst ein ebensolcher Verein gegründet werden. Eine österreichische Homepage existiert bereits: www.learn-for-life.at.
Learn For Life – die Schule
Learn For Life steht vorrangig für eine Schule für derzeit 65 Kinder aus ärmsten Verhältnissen, deren Eltern sich eine staatliche Schule mit Schulgeld und Lehrmittel, wie Bücher, Hefte, Stifte etc. nicht leisten könnten. Wir bieten unseren Kindern eine Ausbildung sowie einen ruhigen, sicheren Ort fernab der Straße.
In der Learn For Life School erhalten unsere Kinder täglich Unterricht in den wichtigsten Fächern Englisch, Mathematik, Hindi und Allgemeinunterricht. Sie bekommen 2mal täglich Essen und zusätzlich können sie an Yogastunden, Mal- und Zeichenunterricht, Tanzen, Tabla- und Sitarspielen, Handarbeits- oder Schauspielunterricht, den so genannten drama classes, teilnehmen.
Unsere Kinder verkaufen nachmittags, abends oder sonntags Postkarten oder kleine Öllämpchen an den Ghats, den Stiegen, die zum Ganges führen. Durch unsere Ausbildung werden sie jedoch sicherer, selbstbewusster. Sie lernen schreiben, Englisch zu sprechen, zu rechnen. Das ist für viele keine Selbstverständlichkeit, gerade für Mädchen nicht, die oft heute noch daheim bleiben müssen und den Haushalt führen.
Unsere Ausbildung ermöglicht damit zumindest theoretisch ein Leben in Unabhängigkeit – unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Religion, Geschlecht, Kaste oder Klasse.
Unsere Kinder könnten sich später eigene Boote kaufen, um damit Touristen am Ganges entlang zu fahren, anstatt Schmiergelder an die Mafia zu zahlen. Sie könnten eine eigene kleine Nähwerkstatt haben, sie könnten vielleicht sogar in einem der vielen kleinen Geschäfte in Varanasi eine Anstellung erhalten.
Im Westen können wir uns es kaum vorstellen, wie wichtig es in Indien ist, Englisch sprechen zu können: es gibt zu erkennen, wer Du bist, woher Du kommst und was Du kannst. Das Kastenwesen ist zwar offiziell abgeschafft, aber Indien besteht – wie der Westen ja auch – aus einer Klassengesellschaft. Wenn jemand Englisch spricht, gehört er automatisch einer höheren, gebildeten Klasse zu und hat daher weitaus bessere Chancen. Learn For Life bedeutet für uns und unsere Kinder tatsächlich Lernen für ein besseres Leben.
Die Lehrer
Learn For Life unterstützt aber auch die Lehrer, die die Kinder unterrichten: sie selbst erhalten Englisch- und Computerunterricht. Das ist gerade für Frauen in Indien auch keine Selbstverständlichkeit.
Derzeit sind 5 Lehrer fix angestellt, daneben bezahlt Learn For Life eine Schneiderin, die den Kindern das Nähen beibringt und einen professionellen Tabla- und Sitarspieler, in dessen Stunden sich die Kinder austoben können.
Gesundheit und Ernährung
Einmal pro Monat untersucht und behandelt unser Arzt, der gleichzeitig Vizepräsident der Society ist, unsere Kinder und nötigenfalls auch deren Angehörige. Er hat eine hervorragende medizinische Ausbildung, jedoch keine Anstellung gefunden, da er stottert. Learn For Life hilft ihm durch einen Kredit, eine eigene Praxis aufzubauen. Bisher hat er etwa EUR 300,- erhalten, weitere EUR 500,- soll er noch bekommen. Das ermöglicht ihm, sich selbstständig zu machen und unseren Kindern regelmäßige kostenlose medizinische Kontrollen und Behandlungen.
Die Ernährung ist ausgewogen und setzt sich aus großteils biologisch angebauten Zutaten wie Reis, Getreide, Linsen, Kartoffel, Obst und Gemüse zusammen. Obst und Gemüse stammen derzeit zwar noch nicht aus biologischem Anbau, aber wir wollen es sobald wie möglich auf eigenem Land selbst anbauen. Siehe dazu auch gleich unten.
ARTI – a women empowerment project
Learn For Life beschäftigt außerdem Frauen, die biologisch angebauten Reis und anderes Getreide per Hand sortieren und bearbeiten. Dieses Projekt läuft unter dem Namen ARTI – a women empowerment project. Ihre Produkte, wie z.B. Marmelade und Cerealien werden in der Brown-Bread-Bakery verarbeitet, den Gästen im Restaurant oder im Gassenlokal zum Kauf angeboten. Die Frauen haben damit ein eigenes, kleines Einkommen.
Die Brown-Bread-Bakery
Die Brown-Bread-Bakery wird im Lonely Planet India, der Bibel unter den Indien Reisenden, als „laid-back café with home-baked bread, cakes and pasteries, Tibetan, Chinese and Indian dishes that supports a couple of local charities, including the nearby Learn For Life school for children” angepriesen. Unter diesen charities wird alles, was unter Learn For Life läuft, verstanden. Diese Popularität hilft den Kindern: der Erlös der Bäckerei fließt wiederum zu 20% in Learn For Life.
Volunteering
Seit Anbeginn haben Freiwillige aus der ganzen Welt am Erfolg von Learn For Life beigetragen. Sie unterrichten nachmittags oder spielen mit den Kindern, unterstützen die Frauen zu Mittag bei der Essensausgabe, helfen bei der Computerarbeit, schreiben newsletter oder machen Bestandsaufnahmen in der Bakery. Manche bleiben nur kurzfristig, manche für Monate und wachsen den Kindern so richtig ans Herz. Es sollte hier gesagt werden, dass zahlreiche vor allem englische Volunteering Organisationen nicht zu knapp Geld verlangen, damit jemand Freiwilligenarbeit im Ausland leisten „darf“. Den höchsten Betrag habe ich im Internet recherchiert: eine englische Organisation verlangt 3.800,- Euro pro Monat, dafür dass sie einen „Arbeitsplatz“ vermittelt. Learn For Life verlangt natürlich kein Geld von den Volunteers, im Gegenteil: sie können mittags gratis essen und Wasser nachfüllen.
Die Vision
Zu den derzeit bestehenden 3 Klassen soll jedes Jahr eine weitere Klasse hinzukommen. 2010 wären das also 5 Klassen, 2015 wäre das Ziel von 10 Klassen für jede Alters- und Fähigkeitsstufe erreicht.
Nach einer 5-jährigen Wartefrist nach Schulgründung, also ebenfalls 2010 kann Learn For Life einen Antrag stellen, damit der Schule der Status einer staatlich anerkannten Ausbildungsanstalt zukommt. Die Kinder können dann an dem staatlichen Examen, das sie zu weiterer universitärer Ausbildung zulässt, teilnehmen. Die Schule hätte somit ein Öffentlichkeitsrecht und die Kinder die Möglichkeit, einen anerkannten Schulabschluss – ähnlich unserer Matura bzw. Abitur – zu erlangen.Den Geschickten und Lernwilligen soll über den täglichen Unterricht hinaus das Erlernen eines Handwerks ermöglicht werden. Dafür wird Learn For Life Lehrwerkstätten gründen. Sowohl für die größere Schule als auch die Lehrwerkstätten wird dringend Platz benötigt. Learn For Life wird daher ein Grundstück von rund einem Hektar kaufen, um darauf später Schule, Sportplatz und Erholungsraum für die Kinder zu schaffen. Das jetzige Schulgelände wird umfunktioniert und die Lehrwerkstätten darin errichtet.
Solaranlage
Die Stadt stellt für Verbraucher von Elektrizität zwei Netze zur Verfügung, die jedoch beide sehr unzuverlässig versorgen. So ist es keine Ausnahme sondern eher die Regel, dass der Strom ausfällt und die Bewohner Varanasis den halben Tag auf Elektrizität verzichten müssen. Sobald dies geschieht, fangen überall in der Stadt die alten Generatoren an zu brummen und verpesten die kleinen engen Gassen nicht nur mit ihrem Lärm, sondern auch mit ihren Abgasen.
Um nun den Kindern ein angenehmeres Lernen auch in den Sommermonaten zu gewährleisten und um auch als Vorbild in nachhaltigem Umgang mit der Natur und ihren Ressourcen zu dienen, hatte Michael Schmid (Projektleitung in Indien) die Idee, eine Solarstromanlage zur Versorgung der Klassenräume und des Büros zu installieren. Diese Fotovoltaikanlage wäre die erste in der Millionenstadt und könnte als wichtiger Richtungsweiser fungieren, weg von den immer teurer werdenden fossilen Brennstoffen hin zu erneuerbaren Energien.
Nach Anfrage bei den Ingenieuren ohne Grenzen hat sich die Regionalgruppe in Freiburg mit Kompetenz in Solartechnik bereit erklärt, die Gegebenheiten zu Begutachten. Varanasi ist mit einer durchschnittlichen Sonnenscheindauer von fast 7 Stunden täglich und einer Globalstrahlung mit nahezu 2000 kWh/m²a absolut geeignet für die Solarstromerzeugung.
Die gemeinsame Arbeit der Ingenieure ohne Grenzen mit „Learn for Life“ ist in der momentanen Planungsphase ausgesprochen fruchtbar. Allerdings ist neben Planung, Beschaffung und Bau der Anlage auch die Finanzierung eine schwierige Aufgabe, der wir hochmotiviert entgegen treten wollen.
