Evaluierung leicht gemacht
Es ist nun schon mehr als ein Jahr her, dass wir gemeinsam mit unserem bolivianischen Partner, der Fundación Sodis, das Projekt Micani sin Humo (Rauchfreies Micani) ins Leben gerufen haben. Nach unseren Zwischenevaluationen konnten wir mehrere Schlüsse ziehe. Nach dem Pilotprojekt im Dorf Tacacopa, konnten wir auch in Micani bereits weitere Erfolge feiern. Die Nutzung unserer dort implementierten Kochstellen, konnte weiter vergrößert und verbreitet werden. Dies konnten wir auf Basis der Ergebnisse unserer letzten Ausreise mitnehmen. Froh sind wir dabei natürlich über jede merkbare Verbesserung und jeden Fortschritt unseres Projekts, besonders im Hinblick auf die Implementierungsmaßnahmen, die lokal durchgeführt werden. Besonders am Herzen liegen uns die Kochstellen und Ihre Nutzung durch die Dorfbewohner in den Dörfern. Allerdings wissen wir auch, dass besonders unsere Zusammenarbeit mit unserem lokalen Partner Sodis eine erfolgreiche Zukunft unseres Projekts gewährleistet.
Auch wenn für beide Seiten sichtbare Fortschritte mittlerweile eine gewisse Regelmäßigkeit erreicht haben – sonst wäre das Projekt nicht da wo es heute steht – gab es immer wieder beiderseitige Impulse quantifizierbare Messgrößen zu entwickeln, um diese Fortschritte festzuhalten. Dies sollte im Weiteren nicht nur dazu dienen, unseren Erfolg nach außen zu tragen, sondern vielmehr ein System für die Archivierung des Fortschritts für unsere Implementierungsmaßnahmen zu entwickeln. Auf Basis dessen können wir dann unseren Projektstand nachverfolgen und frühzeitig erkennen, ob sich in gewissen Gemeinden gesunde und sichere Kochpraktiken besser durchgesetzt haben, als anderswo. Aus solchen Erfolgen können wir lernen. Gleichzeitig können die Monitoringdaten aber auch darauf hindeuten wo noch Bedarf für weitere Schulungen ist.
Im Rahmen der Überlegungen zur Quantifizierung des Projektstands, entwickelten wir mit Sodis schließlich einen umfassenden Evaluierungsbogen. Dieser sollte auf möglichst einfache Art und Weise eine möglichste akkurate Bestandsaufnahme ermöglichen. Wichtig war dabei, dass jeder Aspekt unserer Implementierungsarbeit berücksichtigt wird – von Kochstellen- bis zu Hygienezuständen in den einzelnen Dörfern für jede einzelne Familie. Klar war zudem, dass ein einfaches Format der Evaluierungsbögen gegeben sein musste, um das schnelle manuelle Ausfüllen der Bögen zu gewährleisten. Dies stellte sich als eine besonders fundamentale Anforderung an den Evaluierungsprozess besonders im Hinblick auf unser Konzept der Lokalexperten, auf welches im Folgenden noch einmal kurz hingewiesen sei.
Schon vorher war uns nämlich aufgefallen, wie wichtig es ist, innerhalb der Region Strukturen für die Wartung, Reparatur und Weiterverbreitung von Kochstellen zu schaffen, besonders auch für die Zeit lange nach Beendigung unserer Arbeit vor Ort. Damit lokale Akteure einen Anreiz sehen, im Kochstellenbau aktiv zu werden, müssen sich solche Strukturen selbst tragen können. Daher sahen wir die Notwendigkeit unsere theoretischen, wie auch praktischen Konzepte an die sogenannten Lokalexperten zu vermitteln. Diese sollen dabei in Zukunft nicht nur die Aufgaben von unseren Kursteilnehmern für den Bau der Kochstellen übernehmen, sondern ebendiese Evaluierung selbiger durchführen. Nicht nur der leider präsente Analphabetismus vieler, aber besonders auch die enormen Mengen an anfallenden Daten stellt dabei noch eine große Herausforderung dar, die es mit einer Comic-artigen Gestaltung des gesamten Evaluierungsprozesses zu überwinden gilt.
Um dieser Daten Herr zu werden haben wir ein Software-Tool entwickelt, mit Hilfe dessen ein einfaches Einspeisen der erhobenen Daten in eine Datenbank ermöglicht wird. Zwar kann so die mühsame Arbeit der manuellen Erhebung der Daten durch unsere Lokalexperten mittelfristig nicht umgangen werden. Allerdings kann sich so langfristig eine Archivierungskultur entwickeln, die es uns ermöglicht Schlüsse aus den historischen Daten zu ziehen und diese in zukünftige Verbesserungen einfließen zu lassen; ja womöglich auf diese Weise weitere Verbesserungsmaßnahmen zu initiieren.
In diesen Wochen erhalten wir von 21 LokalexpertInnen aus den Dörfern Micanis die Ergebnisse der ersten NutzerInnenbefragungen und technischen Inspektionen. Mit Spannung erwarten wir die Ergebnisse dieser ersten umfassenden Zwischenevaluation und hoffen viel daraus lernen zu können.
Verfasser: Tim Joussen