Aktuelles aus dem Indonesien-Projekt und Auswirkungen aufgrund der Corona-Krise

Sumba ist eine aufregende Insel. Die ursprüngliche Kultur ist noch sehr stark spürbar. Offiziell sind die meisten Bewohner Christen, viele Leute zelebrieren aber auch noch die lokale Marapu Religion. Wasserbüffel sind der größte Besitz und spielen eine große Rolle bei Hochzeiten und Beerdigungen. Männer tragen Machete und manche reiten auch heute noch auf Pferden. Die Häuser sind aus Bambus gebaut und die Dächer ragen hoch in den Himmel.

Neben dem abenteuerlichen Charakter ist Sumba aber auch eine der ärmsten Inseln. Es ist relativ trocken, oft müssen Dorfbewohner weit laufen um Wasser zu holen und fast die Hälfte der Leute hat noch keine Stromversorgung. Eine Pastorin hat unserem Projektpartner Daniel, von der UKRIM und von Christliche Fachkräfte International (CFI), erzählt, wie das Leben oft aus-sieht: „Hier gibt es noch keinen Strom und auch nicht genug Wasser. Wenn um sechs Uhr die Sonne untergeht, dann Essen die Leute zusammen beim Schein einer Öllampe. Um Öl zu sparen, welches nicht ganz billig ist, wird aber nach dem Essen die Öllampe gelöscht und die Leute schlafen.“ Kinder können ohne Licht abends nicht mehr für die Schule lernen, um ihr Handy zu laden, müssen sie in das nächste Dorf laufen und umgerechnet 30ct für das Aufladen zahlen. Ein Gesundheitszentrum kann nicht entstehen, wenn es kein fließend Wasser und keinen Stromzugang gibt, dann wird kein Arzt dorthin versetzt. Wenn elektrische Systeme vorhanden sind, funktionieren oft nicht lange, weil niemand in Wartung oder fachgerechter Benutzung dieser geschult ist. Das alles sind Probleme, mit denen die Bewohner auf den abgelegenen Inseln Indonesiens tagtäglich zu kämpfen haben.

Deswegen haben wir schon letztes Jahr entschlossen, zusammen mit der UKRIM und Daniel Pianka von CFI, den Leuten konkret zu helfen und, nach der UKRIM, auch auf Sumba ein Trainingscentrum für ländliche erneuerbare Energien aufzubauen. Dieses soll in Zusammenarbeit zwischen der UKRIM, lokal ansässigen Kirchen, der lokalen Regierung und uns von Ingenieure ohne Grenzen entstehen.

Bereits heute hält Daniel und die UKRIM mit den Involvierten vor Ort regelmäßig Kontakt und baut deren Vertrauen in die Systeme auf. Erste Erfolge der Zusammenarbeit waren bereits diesen März zu sehen: Rio, ein ehemaliger UKRIM Student aus Sumba, Daniel und Yuan von der UKRIM bauten zusammen PV-Systeme in Kirchen auf. Diese sind Anlaufstelle für alle Gemeindemitglieder einer Region und versorgen das Gemeindezentrum mit Licht und Dorfbewohner können dort ihre Handys laden. Yuan hatte auch eine „Troubleshooting“-Anleitung für die Dorfbewohner entwickelt, damit sie einfache Fehler selber beheben können, falls das Licht nicht angeht.

Allerdings kam uns jetzt, wo die erste Implementierung an der UKRIM im Juni 2020 angedacht war, die Corona-Pandemie in die Quere. Es ist Stand heute nicht sicher, ob wir unsere Ausreise antreten können. Erste Anzeichen der Pandemie waren bereits auf der Reise unserer Partner zu sehen: Gesundheitszentren, die nicht regelmäßig Strom haben und ÜBERHAUPT keine Schutzausrüstung. Die Menschen versuchen sich selbst zu helfen, so werden Regenjacken und Gummistiefel getragen, die abwaschbar sind, anstelle von Schutzkitteln und Masken. Zur Desinfektion im Gesundheitszentrum ist ebenfalls wenig bis nichts vorhanden. Das Personal behilft sich hier mit einer selbstgebauten Waschstation.

Dieses Beispiel und unsere Erfahrungen aus der Erkundungsreise nach Sumba und Papua haben uns wieder gezeigt, wie essentiell ein stetig funktionierender Strom- und Wasserzugang für ein Gesundheitssystem ist. Weiter Projekte zur Grundversorgung mit Elektrizität und Wasser sind daher unerlässlich.

Wir sind sehr stolz darauf, mit so engagierten Partnern vor Ort zusammen zu arbeiten, die auch in dieser Zeit alles daran setzt, dass unser Vorhaben sich wie geplant weiter entwickelt. Wir sind in stetigem Kontakt mit unseren Partnern und auch weiterrhin, soweit möglich, unser Projekt und die Workshops wie geplant umzusetzen. Wir hoffen sehr, dass Indonesien die Krise unter diesen Umständen trotzdem gut übersteht.