Praktisches Ausbildungskonzept an einer Berufsschule in Bolivien
Über das Projekt „Bildung Bleibt“ vermittelt Ingenieure ohne Grenzen Schülerinnen und Schülern einer technischen Berufsschule in Bolivien Methoden zur Problemerkennung und technische Lösungen für die örtlichen Probleme der Landbevölkerung. Gemeinsam werden die Berufsschülern die technischen Lösungen in einem der umliegenden Dörfer umsetzen.
Bolivien ist eines der ärmsten Länder Lateinamerikas und geprägt von großen sozialen Unterschieden. Die Bedürfnisse der ländlichen Bevölkerung werden kaum berücksichtigt. Die Menschen im Hochland kämpfen mit Mangelernährung und Erosion von Ackerfläche und leiden unter Wassermangel. Mit einfachen Technologien kann hier bereits eine große Wirkung erzielt werden. Das Projekt „Bildung Bleibt“ der Regionalgruppe Aachen ist dabei in erster Linie ein Bildungsprojekt bei dem es gilt, technisches Know-How in eben diesem Bereich zu generieren und in schon vorhandene lokale Strukturen (in der Entwicklungszusammenarbeit) zu integrieren.
Der erste Projektpartner, die technische Berufsschule Sayarinapaj in Cochabamba im bolivianischen Hochland, hat den Wunsch, ihren SchülerInnen eine praxisorientierte Ausbildung zu geben, damit diese systematisch Probleme erkennen und lösen können. Mit Hilfe von Ingenieure ohne Grenzen sollen die SchülerInnen die technische Lösung eines Problems des Dorfs Taca Copa im bolivianischen Hochland erlernen und anschließend selbst umsetzen. Die Umsetzung soll mit möglichst niedrigem technischem Aufwand und mithilfe von Materialien, die vor Ort zu finden sind, geschehen.
Im Dorf besteht durch die Nutzung von offenen Feuerstellen in dafür vorgesehenen Kochhütten eine erhebliche Gesundheitsbelastung. Die Bewohner verbringen am Tag mehrere Stunden mit dem Zubereiten ihres Essens und atmen dabei ständig Rauch ein, der aus den Feuerstellen in die Hütten entweicht. In Diskussionen mit den Dorfbewohnern über deren alltägliches Leben und die Tagesabläufe wurde dieses Problem von den Bewohnern selbst erkannt und klar herausgestellt. Die Beteiligung der Dorfbewohner bei der Umsetzung der technischen Lösung ist hierbei nicht nur hilfreich, sondern für die Akzeptanz im Dorf auch zwingend notwendig, zumal bisherige Erfahrungen aus Projekten in Bolivien zeigen, dass die Nachhaltigkeit der Projekte eine besondere Herausforderung ist.
Aus diesem Grund ist zur Verwirklichung des Projekts die zusätzliche Einbeziehung eines erfahrenen lokalen Partners unabdingbar. Dadurch wird die Kommunikation mit den Gemeinden erleichtert und es können bereits bestehende Strukturen genutzt werden. Außerdem wird die Wartung und Nachhaltigkeit der Anlagen gewährleistet. Hierzu arbeiten wir mit der NGO Fundación SODIS Bolivia (http://www.fundacionsodis.org/2013/) zusammen.
Die Zusammenarbeit mit der Berufsschule ist ein wesentlicher Aspekt, um Nachhaltigkeit zu gewährleisten. Das Projekt hat nicht zum Ziel, dass Ingenieure ohne Grenzen ein Problem in einem bolivianischen Dorf löst. Vielmehr sollen SchülerInnen der Berufsschule dabei unterstützt werden, Probleme eigenständig zu lösen. Bei erfolgreichem Abschluss ist die Durchführung weiterer Projekte in anderen Dörfern möglich und auch geplant. Diese Projekte werden dann in Eigenverantwortung der Berufsschule mit Unterstützung von SODIS durchgeführt.