Reise nach Taca Copa

Reise nach Taca Copa

Während des vergangen Jahrs hat SODIS die Kommunikation mit der Dorfgemeinschaft übernommen. Um den Stand der Vorbereitung zu überprüfen und wichtige Daten aufzunehmen, machten Lucas und ich uns auf den Weg nach Taca Copa, wo die Schüler die Öfen errichten werden.

Wir haben also unsere Camping-Sachen, 15 Kilo Plastikplanen für die Herstellung des Lehms und alles für den Water-Boiling-Test gepackt und sind vom Büro von SODIS aus losgefahren.

Unterwegs haben wir noch etwa 100 Liter Kanister betankt, weil Benzin auf dem Land wesentlich teurer ist als hier in Cochabamba. Das stellte sich allerdings als schwierig heraus, weil es hier eigentlich verboten ist, größere Mengen in Kanister zu tanken: Man benutzt Benzin auch zum Auswaschen von Kokain aus Kokablättern. Wir sind also zu mehreren Tankstellen gefahren und haben jeweils kleinere Mengen getankt. Aus demselben Grund landeten die Kanister dann auch nicht wie angekündigt auf dem Dach, sondern im Kofferraum.

Kaum 2 Stunden nach dem Start mussten wir dann jedoch wieder umkehren, weil der Jeep Probleme mit der Schaltung hatte, beluden einen anderen und bestiegen schließlich das neue Gefährt, um endlich aufzubrechen.

Die Fahrt dauerte nicht wie geplant fünf Stunden sondern acht oder neun. Dabei stellte es sich als sehr unschön heraus, dass das Benzin im Kofferraum war. Die meisten Kanister waren nämlich undicht, sodass das Auto nach kurzer Zeit voller Benzindämpfe war. Ich musste die letzten zwei Stunden der Fahrt meinen Kopf in die eisige Nachtluft halten, um mich nicht zu übergeben.

In San Pedro sind wir dann in dem heruntergekommenen und überteuerten Hostel (das einzige in San Pedro) abgestiegen und haben uns etwas zu essen gesucht, was um halb 9 „en la noche“ nicht ganz so leicht war. Am Ende haben wir Salchi-Papa gegessen, frittierte Würstchen mit Pommes. Wenige Stunden danach bereuten wir diese Entscheidung, als wir beide wegen Übelkeit und dem Aufstoßen von faulen Eiern aufwachten. Außerdem schnarchte unser Zimmergenosse wie ein Sägewerk, was die Nacht auch nicht gerade erholsamer machte.

Als es endlich hell wurde, sind wir mit Vicky, der Mitarbeiterin von SODIS und dem Fahrer nach San Pedro aufgebrochen. Besonderes Augenmerk habe ich der Qualität des Weges geschenkt, weil wir da ja in drei Wochen mit dem Bus lang fahren wollen. 

Im Dorf selbst wurde zunächst eine Dorfversammlung einberufen, bei der etwa zehn Männer und zwei Frauen anwesend waren, Repräsentanten von ca. 12 Familien also. Wir wurden begrüßt und Vicky und Walter haben die Dorfbewohner auf Quechua über die neusten Ergebnisse im Projekt informiert.

Die anwesenden Dorfbewohner schienen motiviert und boten an, dass die Schüler aufgeteilt in den Hütten der Dorfbewohner übernachten könnten.

Anschließend sind wir in dem sehr weitläufigen Dorf von Hütte zu Hütte gelaufen, haben alle relevanten Daten erhoben und Fotos gemacht.

Es gibt ein bis zwei Hütten, bei denen eine Implementierung anspruchsvoll wird, weil sie sehr hohe Dächer haben. Bei den meisten anderen Hütten dürfte es wie geplant klappen: Die Böden sind relativ eben, die Töpfe rund und alle Dächer relativ ähnlich, was einen Durchbruch für den Kamin vereinfacht.

Die meisten der zwölf Familien haben die Adobe-Ziegel fertig und bereits Asche als Isolator für den Ofenkorpus gesammelt.

Einen Waterboilingtest haben wir aufgrund unserer Lebensmittelvergiftungen nicht mehr geschafft (dafür haben wir fast jede der von SODIS gebauten Trockentrenntoiletten ausprobiert). Wir haben uns jedoch sagen lassen, wie viel Holz pro Tag und Familie verwendet wird und waren über die große Menge erstaunt. Qualitativ gesehen liegen wir deutlich darunter.

Insgesamt waren wir sehr angetan von den sympathischen, zuverlässigen und offenen Menschen, die uns bereitwillig Einblick in ihre Privatsphäre gegeben haben. Seitens der Dorfgemeinschaft dürfte das Projekt sehr gut unterstützt werden.