Vorbereitungen für Prototypen
Eine Woche der Turbulenzen liegt hinter uns. Eine Woche in der wir uns schon haben Scheitern sehen. Im Rückblick jedoch war es eine typische Projektwoche mit Höhen und Tiefen.
Sie begann, wie unsere Wochen üblicherweise beginnen, mit dem Unterrichtsblock in der Schule. Auf dem Programm stand einige Bestandteile des Ofens zu fertigen und Vorbereitungen für den in der Folgewoche anstehenden Prototypenbau (an der Schule, der innerhalb des Kurses geplant ist) zu treffen. Zunächst sollte die Theorie zur Materialauswahl durchgesprochen werden, dann in einem Zirkel Mauern geübt, die Beton-Kochplatte gegossen und Mörtel aus Lehm angerührt werden, der für die thermisch beanspruchten Teile der Kochstelle benutzt wird. Außerdem sollten eigentlich noch Schornsteine und Roste gefertigt werden.
Der Tag lief jedoch nicht gut. Wir hatten sehr viel Programm geplant und kamen nicht so schnell voran, wie wir das gehofft hatten. Die Schüler haben bisher wenige Erfahrungen damit, selbstständig zu arbeiten und brauchten zu diesem Zeitpunkt noch viel mehr Unterstützung als gedacht. Wir brauchten fünf Stunden für Aktivitäten, für die wir zwei Stunden eingerechnet hatten. Danach hatten wir noch nicht einmal die Komponenten geschweißt.
Wir hatten nach diesem Tag erhebliche Zweifel, ob ein Dorfbesuch mit den SchülerInnenn möglich sei. Während dieses Dorfbesuchs sollten die SchülerInnen zusammen mit den Bewohnern 20 Kochstellen bauen. Dazu war sehr viel Selbstständigkeit und Eigeninitiative von den Schülern gefragt. Auch sind Logistik und Entfernungen eine große Herausforderung. Wir sorgten uns.
Um sicherzugehen, dass der Dorfbesuch erfolgreich durchgeführt werden konnte, mussten wir noch einmal an unserem Konzept arbeiten. Wir verbrachten also die restliche Woche damit, einerseits Alternativszenarien zu entwickeln und Detailinformationen heranzutragen und andererseits unseren alten Plan zu optimieren. Am folgenden Montag würde der Prototypenbau sein. Dieser Tag würde ausschlaggebend dafür sein, welches Szenario wir am Ende bevorzugen. Doch eines war uns klar: Wir müssen die Kochstellen in dem Dorf am Ende in jedem Fall bauen. Das sind wir den Dorfbewohnern, die ja bereits Ziegel hergestellt hatten und SODIS, die sehr gut mit uns zusammengearbeitet haben, moralisch und vertraglich schuldig.
Auch wurde uns erst in dieser Woche wirklich klar, wie wichtig neben Inhalt und Methodik des Unterrichts auch die Didaktik ist. Ohne diese ist eine Motivation nur durch massiven Notendruck möglich, während wir uns natürlich eine Motivation aus Interesse und Freude an der Arbeit wünschen. Maßgeblichen Input bekamen wir von Rosi, einer deutschen Pädagogin, die hier zwei Mal im Jahr LehrerInnen weiterbildet. Vielen Dank an dieser Stelle. Wir bereiteten also den kommenden Unterricht noch akribischer vor, arbeiteten noch enger mit Omar (dem Lehrer der Klasse) zusammen, informierten aber auch alle Partner über die problematische Situation, um im Falle eines Scheiterns keine zu große Überraschung zu erzeugen.
Der Druck war also groß. Wir waren vor dem Unterricht alle sehr angespannt. Die Besonderheit dieses Projekts liegt schließlich genau darin, dass wir eben nicht einfach nur einen Techniker anstellen, der eine Lösung implementiert, sondern SchülerInnenn eine besondere Erfahrung vermitteln, sie sowohl allgemein im Entwickeln von Projekten schulen, als auch im Speziellen mit der Technologie einer effizienten Kochstelle vertraut machen.
Wir steckten dementsprechend noch einmal besonders viel Energie in die Aufgabe, das Interesse der Schüler zu wecken und sie zum Mitmachen zu motivieren. Als wir merkten, dass die Unterrichtseinheit schließlich viel besser verlief, fiel uns kein Stein vom Herzen, sondern eher sowas wie der komplette Sajama (mit 6542m der höchste Berg Boliviens). Nicht zuletzt war dies ein Verdienst von Christoph, der für den Bildungsteil des Projekts verantwortlich ist.
Es war also eine typische Projektwoche, weil es sicherlich keine Seltenheit ist, dass die Dinge nicht immer laufen wie gedacht und dann kurz vor Schluss doch alles irgendwie klappt. Manchmal muss man das ein oder andere intensive Gespräch führen und verzweifelt hier und da, doch am Ende ist meistens alles gut. Auch wir haben trotz aller Vorbereitungen und Anstrengungen noch viel zu lernen.
Und jetzt geht es erst richtig los. Jetzt laufen die Vorbereitungen für die Woche im Dorf an, was ja das eigentliche Experiment ist. Wir werden also weiterhin hart arbeiten müssen, damit der Bau der Öfen ein voller Erfolg wird und die Bewohner am Ende tatsächlich eine wesentliche Verbesserung ihrer Lebensqualität erwarten können. Wir sehen einer spannenden Woche entgegen.