Interview mit Kenneth Kasobya – „Trocken­trenntoiletten sind ein Gamechanger für unsere Schulen“

Interview mit Kenneth Kasobya – „Trocken­trenntoiletten sind ein Gamechanger für unsere Schulen“

Kenneth in Hallway

Im Rahmen unserer Zusammenarbeit mit lokalen Partnern in Uganda spielt die enge Kooperation mit Fachkräften vor Ort eine zentrale Rolle. Einer dieser Partner ist Kenneth Kasobya, Gründer und Direktor des Bauunternehmens Curve Construction. Seit mehreren Jahren arbeitet Curve als lokaler Baupartner mit Ingenieure ohne Grenzen Deutschland zusammen – unter anderem bei Projekten wie dem Bau von Trockentrenntoiletten und Handwaschstationen an Schulen. Im folgenden Interview gibt Kenneth Einblicke in seine persönliche Geschichte, seine Motivation und seine Sicht auf die Zukunft der Sanitärversorgung in Uganda.

Kenneth, vielen Dank, dass du dir heute Zeit für dieses Interview nimmst. Möchtest du dich kurz vorstellen?

Mein Name ist Kenneth Kasobya, ich bin 29 Jahre alt und wurde 1995 im Burikwe-Distrikt in Zentral-Uganda geboren. Ich habe eine Familie – meine Frau und ich haben eine dreijährige Tochter.

Geht deine Tochter schon zur Schule?

Ja, sie besucht bereits die Schule.

Wo bist du selbst zur Schule gegangen und was hast du studiert?

Ich habe meine Schulzeit in meinem Heimatdorf Burikwe begonnen und bin dort zur Kisoga Primary School gegangen. Fünf Jahre später bin ich mit meiner Mutter nach Kampala gezogen und habe dort die KCC Primary School besucht. Meine weiterführende Schule war in Mukono. Danach habe ich Kurse im Bereich General Building bei Uganda Lawyers gemacht und anschließend ein Diplom im Bauingenieurwesen abgeschlossen.

Für welches Unternehmen arbeitest du heute?

Ich arbeite aktuell bei Curve Construction, einem Bauunternehmen, das ich selbst vor vier Jahren mitgegründet habe. Ich bin dort Direktor und leite die allgemeinen Bauarbeiten – ich bin oft selbst vor Ort, um die Arbeiten zu überwachen, da wir noch ein junges Unternehmen sind.

Wie bist du zu dieser Arbeit gekommen?

Ich habe meine berufliche Laufbahn bei Excel Construction in Uganda begonnen, dort habe ich als Bauarbeiter gearbeitet. Danach war ich bei Smart Havens als Polier tätig. Irgendwann hatte ich dann die Idee, eine eigene Firma zu gründen. Gemeinsam mit ein paar Kollegen haben wir Curve Construction aufgebaut.

Was motiviert dich und dein Team, nachhaltige Projekte für Schulen und öffentliche Einrichtungen umzusetzen?

Ich bin überzeugt, dass sich unsere Gemeinschaft nur verändern und weiterentwickeln kann, wenn wir nachhaltige Projekte umsetzen. Es inspiriert mich sehr, zu sehen, welche positiven Auswirkungen Handwaschstationen und Trockentoiletten (UDDTs) haben können.

Was gefällt dir besonders an der Region, in der du arbeitest?

Ich komme selbst aus der Region, spreche die Sprache, teile die Kultur und die Bräuche mit den Menschen. Es macht mich glücklich, für meine Brüder und Schwestern in dieser Region Veränderungen zu schaffen.

Wie würdest du die sanitäre Situation in Uganda beschreiben?

Sie ist leider sehr schlecht – sowohl im privaten als auch im öffentlichen Bereich. Viele Haushalte haben keine Badezimmer, und öffentliche Einrichtungen verfügen meist nicht über geeignete sanitäre Anlagen. Auch viele Schulen hier haben keine nachhaltige Sanitärversorgung.

Welche Bedeutung hat das Thema Sanitärtechnik für dich als Bauingenieur?

Sanitärtechnik ist für mich extrem wichtig, weil sie umfassende Veränderungen in der Gemeinschaft bewirken kann. Gute sanitäre Anlagen haben einen großen Nutzen für die Menschen vor Ort.

Könntest du dir vorstellen, noch mehr Projekte im Bereich Sanitärtechnik umzusetzen, z. B. mit Trockentoiletten und Kompostern wie bei unserem Projekt?

Ja, ich finde diese Technologie der Trockentoiletten wirklich beeindruckend. Sie sind echte Gamechanger – nicht nur für Schulen, sondern für die ganze Gemeinschaft. Ich wünschte, wir könnten noch viel mehr davon bauen.

Welche Herausforderungen siehst du in diesem Bereich?

Die größte Hürde ist die Finanzierung. Viele Schulen und öffentliche Einrichtungen haben nicht genug Mittel, um solche Sanitäranlagen bauen zu lassen. Das ist ein großes Problem.

Wie arbeitet Curve Construction mit Ingenieure ohne Grenzen Deutschland zusammen?

Curve hat das Privileg, als Auftragnehmer mit Ingenieure ohne Grenzen zusammenzuarbeiten. Wir freuen uns sehr über diese Möglichkeit. In den letzten drei bis vier Jahren haben wir gemeinsam fast fünf Projekte umgesetzt.

Wie nimmst du die Zusammenarbeit wahr? Gab es Herausforderungen? Was lief besonders gut?

Die Zusammenarbeit ist sehr gut. Wir haben viel gelernt – von den Freiwilligen vor Ort und durch den Austausch über digitale Meetings und Dokumente. Die Herausforderungen waren eher klein – manchmal gibt es Kommunikationsprobleme, sei es wegen der Sprache oder der räumlichen Distanz. Auch technische Erweiterungen können herausfordernd sein. Aber wir haben immer gute Lösungen gefunden.

Auch wir haben in der Zeit viel von dir gelernt. Wie siehst du die Zukunft der Sanitärtechnik?

Die Zukunft ist vielversprechend, aber die Regierung und Fachleute geben dem Thema bislang nicht genug Priorität. Viele Menschen halten an traditionellen Techniken wie Latrinen fest, die nicht nachhaltig sind. Ich hoffe, dass wir bald neue Technologien stärker nutzen, um nachhaltige Sanitärversorgung zu etablieren.

Abgesehen von der Sanitärversorgung – gibt es andere Themen im Bauwesen, die deiner Meinung nach mehr Aufmerksamkeit verdienen?

Ja, der Hochbau. Viele Gebäude in Uganda werden noch mit Lehmziegeln errichtet. Das trägt stark zur Abholzung bei. Das führt zu Umweltzerstörung. Wir müssen umdenken und andere Materialien verwenden.

Welche Prozesse in der Baubranche könnten effizienter und nachhaltiger gestaltet werden?

Die Planungsphase. Architekt:innen und Bauingenieur:innen müssen enger zusammenarbeiten, damit die Pläne realistischer und umsetzbarer werden. Durch neue Technologien entstehen oft sehr schöne Zeichnungen – aber die lassen sich auf der Baustelle nicht so einfach realisieren.

Siehst du eine Verbindung zwischen ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Aspekten in der Baubranche?

Ja, auf jeden Fall. Die Bauindustrie ist stark von diesen Aspekten abhängig – und leidet auch darunter. Besonders im Umweltbereich wird dem Bausektor oft vorgeworfen, zur Zerstörung beizutragen. Zwar schreibt das Gesetz Umweltverträglichkeitsprüfungen vor, aber sie werden selten umgesetzt. Und wirtschaftlich betrachtet gilt nachhaltiges Bauen oft als zu teuer – daher wird an der Qualität gespart.

Möchtest du zum Schluss noch etwas sagen?

Ich möchte mich ganz herzlich bei Kevin, Lina, Lara und dem gesamten Team aus Deutschland bedanken – für eure Unterstützung der Schulen in Uganda. Ich schätze das wirklich sehr.

Vielen Dank für deine Zeit und das Interview. Auch wir danken dir für die gute Zusammenarbeit!

 

Ein starkes Netzwerk für nachhaltige Veränderungen

Kenneths Engagement zeigt, wie wichtig lokale Partner für den langfristigen Erfolg unserer Projekte sind. Gemeinsam mit ihm und seinem Team konnten bereits zahlreiche Maßnahmen im Bereich der Sanitärversorgung umgesetzt werden – immer mit dem Ziel, die Lebensqualität in den Gemeinden dauerhaft zu verbessern. Wir freuen uns auf viele weitere Projekte mit Curve Construction!