Neuer Weg zum sauberen Bali - der Mensch im Mittelpunkt

Neuer Weg zum sauberen Bali - der Mensch im Mittelpunkt

Seit Dezember 2011 ist Steffen, der Initiator des Abfallverringerungsprojektes der Berliner Ingenieure ohne Grenzen auf der indonesischen Insel Bali. Er ist vor Ort, um einen fundierten Überblick über die technischen, ökologischen und sozialen Umstände zu erlangen, sowie um Kontakte und Vertrauen zu den Bewohnern und balinesischen Umweltschutzorganisationen aufzubauen. Um den Menschen und seine Umwelt geht es in diesem Projekt und darauf wollen wir uns nun in den nächsten Schritten konzentrieren.

Im Moment verfasst unser Team den Abschlussbericht der Erkundung. Darin wollen wir die momentane Situation aus fachlicher und organisatorischer Perspektive festhalten. Auch die vor Ort gewonnenen Erkenntnisse der technischen und vor allem sozialen Erhebungen sollen in den Bericht einfließen. Diese sind in ihrer Bedeutung für den Erfolg des Projekts nicht zu unterschätzen, denn in ihnen spiegeln sich die Motive und Möglichkeiten der Menschen innerhalb und außerhalb unserer Partnerorganisationen vor Ort wider.

Obwohl wir hin und wieder mit politischen Schwierigkeiten konfrontiert wurden – wie dem abgelehnten Visumsantrag von George Teke Forbid – beeindruckte uns das Engagement vieler Balinesen immer wieder. So hat die Regierung des Bezirkes Buleleng Ende 2011 eine Kompostierungsmaschine gespendet, an den Gymnasien besitzen die Schüler bereits sehr viel Grundwissen im Bereich des Umweltschutzes und in der Kleinstadt Tejakula lassen sich sowohl der Bürgermeister als auch der Abfallmanager nicht vom Geldmangel unterkriegen und verbessern ihre Abfallsysteme ständig. Dies zeigt, dass bestimmte Teile der Bevölkerung eine Lösung des immensen Abfallproblems herbeisehnen und entsprechenden Maßnahmen gegenüber aufgeschlossen sind. Zur Zeit fallen, laut offizieller Angaben, täglich 10000 Kubikmeter Abfall auf Bali an. Davon llanden 4300 Kubikmeter am Straßenrand, in Flüssen oder auf illegalen Deponien. Täglich! Somit steht unserer Partnerorganisation und uns eine große Ressource für zukünftige Umweltschutzprojekte zur Verfügung.

Dennoch bleiben Fragen: Steffen stellte im Zuge eines Besuchs im Bürgeramt von Bondalem fest, dass die oben erwähnte neue Kompostmaschine seit 8 Monaten auf ihren Einsatz wartet. Könnte unserer Zusammenarbeit ähnliches zustoßen ?

Die Festlegung auf einen konkreten technischen Ansatz bereitet uns aufgrund der gewonnenden Erkenntnisse einige Schwierigkeiten.

Was bleibt als Erkenntnis? Steffens Erkundungsreise war wichtig, denn sie war nicht nur Ausgangspunkt für zahlreiche Workshops zur Sensibilisierung von Schülern, Lehrern und Eltern für (nicht nur) abfallbezogene Umweltfragen, sondern verdeutlichte auch den Handlungsbedarf und bestärkte uns darin, die richtigen Fragen zu stellen und entsprechende Antworten zu finden. Und diese liegen zu Beginn weniger im rein ingenieurwissenschaftlichen Bereich – Indonesien ist ein vergleichsweise fortschrittliches Land mit einem immensen technischen und organisatorischen Potenzial – sondern darin, die bereits vorhandenen Möglichkeiten in die tägliche Praxis umzusetzten.

Wir kamen einheitlich auf den Punkt, dass die Ursache der massiven Abfallprobleme auf Bali neben einer chronischen Unterfinanzierung vor allem in den Gewohnheiten der Bevölkerung verwurzelt ist. Der Ansatz, den unsere Partnerorganisationen "Yayasan Gaia-Oasis Tejakula" und "Yayasan Bondalem Bersih" und "Ingenieure ohne Grenzen" bereits von Anfang an verfolgen, ist also der richtige – Workshops und Sensibilisierung. Zusätzliche technische Unterstützung ist dabei hilfreich. Solange vielen Menschen die Brisanz des Problems nicht bewusst ist bzw. sie davon nicht unmittelbar (wirtschaftlich) profitieren, würden wir mit einer technischen Lösung scheitern. Unsere Priorität liegt daher nach Fertigstellung des Abschlussberichts auf der Konzipierung einer Strategie, wie wir möglichst viele Leute in Tejakula und Bondalem erreichen sowie in der Ausarbeitung von Inhalten. Diese werden im nächsten Schritt mit vor Ort reproduzierbaren technischen Begleitmaßnahmen verbunden sein.

Wir kamen einheitlich auf den Punkt, dass die Ursache der massiven Abfallprobleme auf Bali neben einer chronischen Unterfinanzierung vor allem in den Gewohnheiten der Bevölkerung verwurzelt ist. Der Ansatz, den unsere Partnerorganisationen "Yayasan Gaia-Oasis Tejakula" und "Yayasan Bondalem Bersih" und "Ingenieure ohne Grenzen" bereits von Anfang an verfolgen, ist also der richtige – Workshops und Sensibilisierung. Zusätzliche technische Unterstützung ist dabei hilfreich. Solange vielen Menschen die Brisanz des Problems nicht bewusst ist bzw. sie davon nicht unmittelbar (wirtschaftlich) profitieren, würden wir mit einer technischen Lösung scheitern. Unsere Priorität liegt daher nach Fertigstellung des Abschlussberichts auf der Konzipierung einer Strategie, wie wir möglichst viele Leute in Tejakula und Bondalem erreichen sowie in der Ausarbeitung von Inhalten. Diese werden im nächsten Schritt mit vor Ort reproduzierbaren technischen Begleitmaßnahmen verbunden sein.

Im Grunde ist das also keine neue Richtung, wir starten nur ein Stück tiefer. Neue fachkundige Mitstreiter/innen sind uns hierbei sehr gerne willkommen.

PS: Kurz nachdem Steffen die ungenutzte Kompostierungsmaschine im Bürgeramt fotografieren durfte, gab es gute Nachrichten: Ein Bewohner von Bondalem und die Verwaltung stellen 35 Millionen Rupiah (ca. 3200 Euro) zur Verfügung, damit die Maschine Regenzeitsicher aufgestellt und genutzt werden kann.

18.07.2012 23:30

Helmut Wolman