Phase 1 – Erkundung und Machbarkeitsstudie, 02/2010-01/2011
In der ersten Projektphase (02/2010-01/2011) wurde von der TU Berlin in Zusammenarbeit mit Ingenieure ohne Grenzen e.V. eine Machbarkeitsstudie durchgeführt, die von der Heidehof Stiftung gefördert wurde.
Ziel der durchgeführten Erkundungsreise nach Kagera waren Gespräche mit Mitarbeitern und Mitgliedern der Partnerorganisation MAVUNO Project über die Projektidee, konkrete Probleme, Bedürfnisse und Prioritäten sowie die weitere Zusammenarbeit, die Aufnahme der landwirtschaftlichen Praxis sowie der Hauptprobleme der dort wirtschaftenden und lebenden Kleinbäuerinnen und - bauern und eine ausführliche Materialrecherche als Grundlage für die folgende Technikentwicklung.
Aufbauend auf den Erkenntnissen der Reise wurde anschließend eine mögliche Umsetzung der HTC-Technik auf LowTech-Ebene theoretisch geprüft und eine technische Realisierungsmöglichkeit in Kombination mit einer Kleinst-Biogasanlage identifiziert. In praktischen Tests konnte festgestellt werden, dass es unter den lokal gegebenen Bedingungen im Hinblick auf Materialien und Fertigungstechniken möglich ist, einen Druckbehälter mit einer Dichtungseigenschaft bis min. 4 bar Überdruck zu fertigen. Darauf aufbauend wurden an der TU Berlin Versuche zur Prozessanpassung der HTC in den Niedertemperatur‐Bereich (d.h. 140°C und resp. 3,6 bar unter Sattdampfbedingungen) mit einem Laborautoklaven durchgeführt und die entstandenen Produkte analysiert. Auf Grund der konkreten Prozessbedingungen (>130°C, >30 Minuten, Gegenwart von Druck) führt die thermische Behandlung zu einer Hygienisierung der Substrate.
Ergebnis der Machbarkeitsstudie ist eine Anpassung der Priorität der Zielsetzung der Technikentwicklung von einem „Verkohlungs‐“ zu einem „Hygienisierungsverfahren“. Es wurde ein Konzept entwickelt, das einen neuen Ansatz nachhaltiger Sanitärversorgung beschreibt und die Carbonisierung als Hygienisierung integriert: Carbonization as Sanitation "CaSa“.
Projekte im Bereich „Ecological Sanitation“ (EcoSan) verfolgen das Ziel, Stoffkreisläufe durch nachhaltiges Stoffstrommanagement zu schließen und Abfälle als Wertstoffe zu betrachten. Gleiche Denkansätze dürften die Inkas in Südamerika konsequent umgesetzt haben, was zur Entstehung der Terra Preta Böden führte. Eine Hygienisierung ist jedoch notwendig, um bei der landwirtschaftlichen Düngung auf die in den menschlichen Ausscheidungen enthaltenen Wertstoffe zurückgreifen und gleichzeitig beim Ausbringen die potentielle Verbreitung von Krankheitserregern vermeiden zu können.
Fotos von Catherina Clausnitzer, Ariane Krause, Natalie Rzehak und Adam Bitakwate