Erste ernsthafte Arbeit 17.09.2010
Allem voran sollte die voreilige Großspurigkeit aus dem letzten Eintrag noch etwas relativiert werden: Nachdem wir gestern die Hügel von La Paz hauptsächlich zu Fuß bewanderten, hatten Gerold und ich abends doch mit großer Erschöpfung und Kopfschmerzen zu kämpfen. Ankommen und Loslegen ist wohl doch nicht so einfach. Aber mit viel Wasser, Tee und Schlaf ließ sich dem ganz gut beikommen. Unter dem Aspekt war uns auch ganz recht, dass wir heute - notgedrungen - hauptsächlich im Taxi unterwegs waren. Aber dazu später.
Wie die Überschrift nahelegt haben wir gestern - nach einem weniger gefüllten Tag zur Eingewöhnung - mit den ersten offiziellen Terminen und der detaillierteren Vorbereitung der Fahrt nach Zamora begonnen. Die hätten wir fast noch um einen Tag verschieben müssen. Aber auch dazu später.
Der erste Termin war in der Deutschen Botschaft, wo uns Sonja Rogoll de Lazo aus der Wirtschaftsabteilung sehr freundlich und hilfsbereit empfing. Der zweite beim Programm "PROAPAC" (Programa de Agua Potable y Alcantarillado Sanitario en Pequeñas y Medianas Ciudades) der GTZ, wo uns der Direktor des Programms, Dr. Detlef Klein und zwei seiner Kollegen mit gutem Rat zur Seite standen. Ergebnisse beider Treffen waren zum einen neue Kontakte: Erstens zu einem deutschen Hotelier, der in der Nähe von Copacabana am Titikakasee ein Projekt mit mehreren Gewächshäusern betreut. Da das Projekt sehr gut laufen und organisiert sein soll, hoffen wir, uns bei einem Treffen mit ihm über die Projektdurchführung, -organisation und die Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung ausstauschen zu können. Zweitens wurde uns von Seiten der GTZ geraten, das Projekt - so klein es auch sein mag - nicht nur bei den lokalen Behörden, sondern auch auf Ministeriumsebene anzumelden. Um die entsprechenden Kontaktpersonen zu finden, werden wir uns voraussichtlich nächsten Freitag mit einem Ruben (EIA) bekannten japanischen Architekten treffen, der Erfahrung in der Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Umwelt und Wasser hat. Drittens vermittelten uns die Leute der GTZ ein weiteres Treffen mit der GTZ, dieses Mal mit dem Programm "PROAGRO" (Programa de Desarollo Agropecuario Sustentable), das sich unter anderem auch mit dem Thema Bewässerung befasst. Dort erwarten uns sicherlich ein interessanter fachlicher Austausch und Erfahrungen direkt aus unserem geplanten Tätigkeitsbereich. Last, but not least sind wir auch bei einer weiteren Frage, die noch etwas offensteht vorangekommen: Während die Bundespolizei fast schon amüsiert auf unsere Frage reagierte, ob wir Wasserproben der Minen im Fluggepäck deklarieren müssten ("Sie meinen schon normales, klares Wasser?"), ist die Ausfuhr aus Bolivien wohl nicht ganz so klar. Zumindest gibt es laut der GTZ einige Organisationen, die von Problemen dabei berichteten. Aus diesem Grund werden wir uns in den nächsten Tagen mit einem Labor in Oruro wenden, das schon weitreichende Erfahrungen mit dem Thema hat.
Für Roxana, eine Studentin der Universidad Mayor de San Andres, die ihre Abschlussarbeit in Umweltchemie über die mögliche Reinigung des Wassers aus der "schlechten" Mine schreibt, war der Termin bei der GTZ leider nicht so erfreulich. Man ließ uns wissen, dass eine Reinigung von Brauchwasser von Schwermetallen zwar ein akademisch interessantes Problem sei, aber in der Anwendung höchstwahrscheinlich zu teuer. In Anbetracht dennoch möglicher günstiger Lösungen und auch Anwendungen an anderen Orten wird sich Roxana allerdings hoffentlich nichts ihres Elans nehmen lassen.
So, nun endlich zu den Turbulenzen des heutigen Tages und dem (fast-)Umbruch des Terminplanes: Wir durften heute hautnah erfahren, wie wichtig es ist, im letzten Moment umdisponieren zu können und wie gefährlich es ist, sich hundertprozentig auf Annahmen zu verlassen. Für die Probennahme in Zamora benötigten wir noch Salpetersäure, um die Wasserproben zu konservieren und einen Probenbohrer, um den Boden als möglichen Baugrund beurteilen zu können. Für beides dachten wir, sichere Quellen zu haben. Nachdem der Tag (Freitag!) allerdings später und später wurde und beides noch nicht im Büro der EIA war, begannen wir, sämtliche uns bekannten Möglichkeiten abzusuchen. Nachdem wir nach hektischer Taxifahrt zur außerhalb gelegenen Uni den Direktor des uns bekannten Labors für Umweltqualität nur noch auf dem Heimweg begegneten, zogen wir schon in Betracht, die Fahrt auf Montag zu verschieben. Zwei Institute später wurden wir jedoch glücklicherweise mit einem Probenbohrer fündig, und auch Roxana konnte noch günstig Salpetersäure besorgen. Der Terminplan bleibt also bestehen.
Wenn morgen früh das Essen (und hauptsächlich Wasser) für die Zeit in Zamora eingekauft ist, steht der Fahrt am Sonntag also nichts mehr im Wege!