Ankunft in Port-au-Prince und Besuch in Hinche
Regionalgruppe Freiburg, 19.03.2015 11:48
Unser Ausreiseteam ist gut in Haiti angekommen und wir wurden direkt am Flughafen von unseren Projektpartnern von der haitianischen Hilfsorganisation HPE aufgelesen. So konnten wir zuallererst den dichten Verkehr von Port-au-Prince kennenlernen. Gefühlt war die ganze Stadt auf den Beinen, vielleicht um uns in Empfang zu nehmen, und überall wurden die verschiedensten Dinge auf der Straße zum Verkauf angeboten, von Autoersatzteilen bis alten englischen Zahnmedizinfolianten.
Am nächsten Tag stand für uns der Besuch der deutschen Botschaft an, um dort von unserem Vorhaben zu berichten und Tips zu Land, Leuten und der Sicherheitslage zu bekommen. Anschließend lernten wir bereits die ersten Menschen aus Tête L’Étang kennen, die mit dem Bus in Port-au-Prince angekommen waren. Gemeinsam machten wir uns auf den Weg in die Provinzstadt Hinche im Plateau Central, zwei Stunden nördlich von Port-au-Prince gelegen. Hier wollten wir zwei verschiedene Projekte besuchen, die von lokalen Initiativen ins Leben gerufen worden sind. Dies sollte sowohl und als auch den Têtianern zur Anschauung dienen, wie man den Herausforderungen begegnen kann, die sich in Haiti in den meisten Gegenden aufgrund der enormen Armut, der fortschreitenden Erosion und der Unterversorgung an Wasser ergeben. Die Fahrt- und Übernachtungskosten für die Leute aus Tête L’Étang wurde dabei mit Projektgeld von Ingenieure ohne Grenzen bezahlt. Für HPE und uns war es sehr wichtig, diesen Menschen eine positive Perspektive aufzuzeigen und ihre Motivation und ihre Eigeninitiative zu steigern.
Zunächst besuchten wir ein Agroökologie-Projekt der Organisation „GARAL“, bei der mit passenden Anbaumethoden und Fruchtfolgen 750 Familien die Möglichkeit gegeben wurde, nachhaltige Landwirtschaft zu betreiben. Zudem wird auf Wiederaufforstung und Erosionsprävention gesetzt. Die Felder werden dabei nicht bewässert, es wird nur der Regen genutzt. Mit diesem ganzheitlichen Konzept konnte erreicht werden, dass die Nahrungsversorgung in der ganzen Gemeinde wesentlich verbessert werden konnte – laut Aussage des lokalen Agronomen gibt es dort keinen Hunger mehr.
Nach einer gemeinsamen Nacht in einer Art Nonnenkloster mit angeschlossenem Gästetrakt konnten wir am nächsten Morgen ein Wasserprojekt besichtigen. Auf Initiative eines „Frère Armand“ wurden in einer eigentlich sehr trockenen Gegend in den vergangenen 10 Jahren mehrere saisonale Flussläufe mit Querdämmen versehen. Bei Regen sammelt sich das Wasser und es entstehen Seen, die so groß sind, dass sie das ganze Jahr über zur Bewässerung genutzt werden können. Nun können beträchtliche Flächen zum Ackerbau verwendet werden und in der Gegend wurden weitere Einrichtungen wie Schulen und Waisenhäuser geschaffen. Dies alles funktioniert nur durch die enge Zusammenarbeit der Menschen in diesem Projekt. Jeder im Dorf hat das Recht, Wasser aus den Seen zu bekommen, Probleme werden gemeinsam angegangen und gelöst. Wir alle, auch die Leute aus Tête L’Étang, waren vom Projekt und den Transformationen, die es in Hinche ausgelöst hat, sehr beeindruckt.