Erste Eindrücke aus Tête L’Étang

Erste Eindrücke aus Tête L’Étang

Regionalgruppe Freiburg, 24.03.2015 13:10

Endlich Tête L’Étang! Wir waren wahnsinnig gespannt, “unser” Dorf endlich mit eigenen Augen zu sehen. Wir haben uns nun in einem guten Jahr Projektarbeit immer wieder ausgemalt, wie Tête L’Étang wohl ist, und es ist sehr spannend, diese Vorstellungen nun mit der Wirklichkeit abzugleichen.

Unseren ersten Besuch in Tête L’Étang und dem unmittelbar daran anschließenden Nachbardorf Duverger begannen wir erst mal mit zwei Meetings: Zunächst trafen wir uns mit der Reisegruppe von Hinche, um unsere Erfahrung gemeinsam zu evaluieren. Anschließend konnten wir die Bevölkerung der beiden Dörfer bei einem öffentlichen Treffen in der örtlichen Schule nach dem Kirchgang kennenlernen.

Bei der Zusammenkunft drückten die Leute durchaus ihre Skepsis und auch ihren Verdruss aus, dass zu viele Organisationen Lösungen versprechen, ohne jemals Taten folgen zu lassen. Es gab aber auch eine große Bereitschaft, das Problem gemeinsam anzugehen.

Wir wurden im Dorf herzlich aufgenommen und wohnen jetzt in einem Haus gemeinsam mit einer Familie unter einfachsten Verhältnissen. Aus erster Hand können wir jetzt auch die Wasserknappheit miterleben: Wir haben Trinkwasser für uns mitgebracht, aber alles andere Wasser muss mit dem Motorrad von weiter weg angeschleppt werden und ist dementsprechend knapp. Für die Körperpflege steht eine Schüssel für uns drei zur Verfügung – trotzdem können wir damit jeden Tag den Schweiß und Staub des Tages abwaschen. Die letzten beiden Jahre sind in Tête L’Étang sehr trocken ausgefallen, es hat fast überhaupt nicht geregnet. Der Klimawandel und die intensive Abholzung tragen wohl ihren Teil dazu bei, dass die Gegend immer trockener wird. Momentan sind Tête L’Étang und Duverger sehr staubig und heiß und die meisten Nutzpflanzen in den Gärten sind vertrocknet.

Eine ganze Gruppe von Menschen um uns bietet uns ihre Hilfe an und wir haben meist eine Traube von Kindern um uns, die uns Kreol beizubringen versuchenm mit uns singen oder mit uns rumalbern wollen. Lukas und Robin durften auch schon bei der örtlichen Fußballmannschaften mittrainieren. Nach einem anstrengenden, vom Kampf geprägten Spiel, das auch noch unentschieden (1:1) endet, zeigen sich einige Parallelen und Unterschiede zu dem uns bekannten Ballsport.

Das Trainingsspiel wird mit großem Ernst geführt, der Co-Trainer fungiert als (miserabler) Schiedsrichter und die zahlreichen Zuschauer lachen mehr, als dass sie anfeuern. Nicht jeder Spieler hat zwei Schuhe, außerdem ist der Platz eine von Kratern durchzogene und abschüssige Staubwüste. Aber natürlich gibt es auch hier ballverliebte Dribbler und manschaftsdienliche Devensivrecken.

Lukas wurde gleich als neuer Taktiktrainer verpflichtet und wird nächste Woche ein Training begleiten, um an den Stärken und Schwächen des Teams zu arbeiten. Nach wenigen Tagen kennen uns durch den Fußball schon die meisten Leute im Dorf, was auch unsere Arbeit erleichtert. Nach einem Arbeitstag, der um sieben beginnt und sich hauptsächlich in der prallen Sonne abspielt, ist der Gedanke an ein Fußballspiel in der Nachmittagssonne um fünf Uhr allerdings weniger verlockend, als wir es uns vorgestellt hätten!

Am Folgetag fahren wir zu einer der wenigen Quellen, die auch nach dieser langen Dürreperiode noch nicht trocken gefallen ist. Die Quelle befindet sich ca. 20 km von Tête L’Étang entfernt und entspringt direkt unterhalb eines riesigen Baumes mit magischen Eigenschaften. Wie man uns erklärt, werden in Haiti viele Dinge durch die Brille der Vodou-Religion interpretiert. Wenn nicht erklärt werden kann, warum man etwas nicht machen soll, wird diese Handlung häufig mit religiösen Tabus belegt. Der Baum ist glücklicherweise durch die Magie, die von ihm ausgeht, vor Abholzung geschützt, eine besondere Form des Naturschutzes. Sollte die Quelle jedoch gefasst werden, müssten die Geister des Baumes zuvor besänftigt werden, da die Quelle sonst nicht genutzt werden könnte oder gar zerstört würde.