Wasser aus Kanistern
Regionalgruppe Freiburg, 07.04.2015 09:34
Nach der langen Zeit zu dritt hat Sarah sich heute auf den Weg Richtung Port-au-Prince und dann nach Deutschland gemacht. Lukas und Robin bleiben noch eine Woche, um unsere Untersuchungen abzuschließen und die Ergebnisse am Ende der Dorfversammlung zu präsentieren. Außerdem findet in einer Woche das Stadtfest in Aquin statt, auf das wir uns schon freuen.
Neben unseren technischen Untersuchungen durchblicken wir immer besser die komplexen sozialen Komponenten der Wasserproblematik. In Tête L’Étang kann man jeden dritten Tag beobachten, wie die Menschen mit Wasserkanistern auf Mopedtaxis herumjonglieren. Ganz am Ende des Nachbardorfs gibt es nämlich eine Wasserleitung, die jetzt in der Trockenzeit jeden dritten Tag das begehrte Nass liefert. Wer sich kein Moto leisten kann, nimmt den Esel oder geht zu Fuß. Die paar Kanister müssen dann ausreichen, bis es das nächste Mal wieder Wasser gibt. Einige bessergestellte Menschen besitzen auch eigene Wassertanks, die regelmäßig von LKWs befüllt werden.
Die Mototaxis sind auch uns gut bekannt, denn sie sind die einzige Möglichkeit, innerhalb der Gegend herumzukommen. Die Mopedfahrer haben auch meist nichts dagegen, Extragepäck oder eine ganze Familie mit vier Kindern auf ihrem Gefährt zu transportieren. Wir haben es auch schon öfter zu dritt + Fahrer auf ein Moped geschafft. Und wir haben die einzige uns bekannte Mopedtaxichauffeuse getroffen, die eine echte Motorradjacke und Rennsportschienbeinschoner besitzt.
Lukas ist mittlerweile vom Starspieler der Frauenmannschaft zum Trainerberater der Herrenmannschaft avanciert. Die Jungs machen auch sehr bereitwillig mit und freuen sich über Input und neue Übungen – Sprachprobleme sind beim Fußball plötzlich nichtexistent.
Letztlich hängen sowohl Duverger als auch Tête L’Étang direkt oder indirekt vom Wasser ab, das alle drei Tage aus der Leitung am hinteren Ende von Duverger sprudelt. Die Leitung wurde vor knapp 20 Jahren in einer privaten Initiative gebaut und wird von einem örtlichen Wasserkomitee betrieben, das Wasser kommt aus einer Quelle in den Bergen in 20 km Entfernung. Als Teil unserer Recherche haben wir die Quelle und die Leitungen in den Bergen besucht und Proben genommen. Es war beeindruckend zu sehen, welche Arbeit damals geleistet wurde. Sinnvollerweise sollte auch eine zukünftige Wasserversorgung dieses System einbeziehen.