20.03.2013 Strom ohne Steckdose
Stephan Sprengel, Gerrit-Imme Seehase
20.03.2013 18:58
Elektrisches Licht ist in weiten Teilen Westafrikas immer noch ein Luxusgut – rund 60% der Menschen leben gänzlich ohne Elektrizität – so wurde es zum Plan, eine Photovoltaik-Lampe zu entwickeln. Die Vorgabe dabei war, dass die Materialien vor Ort günstig und einfach erhältlich sein müssen, um die Herstellung gewährleisten zu können. Auf Grundlage von Befragungen in Afrika wurde eine elektrische Lampe konstruiert, die als Leuchtmittel eine lokal erhältliche Energiesparlampe und als Energiespeicher einen gängigen Motorrad-Bleiakku verwendet.
Etwa 600 Millionen Menschen in Afrika besitzen keinen Zugang zu Elektrizität und somit zu elektrischem Licht. Ein öffentliches sowie flächendeckendes Stromnetz gibt es meist nicht, Generatoren sind selten und oft unzuverlässig, selbst in Großstädten fällt der Strom regelmäßig aus. In ländlichen Regionen, in denen kein Stromnetz vorhanden ist, aber auch in Städten, sind Kerosinlampen ein weit verbreitetes Leuchtmittel. Das ist nicht nur eine andauernde finanzielle Belastung, sondern verursacht oft auch gesundheitsschädliche Dämpfe.
Um diese Situation nachhaltig zu verbessern, initiiert und unterstützt die Münchner Regionalgruppe der Ingenieure ohne Grenzen (IOG) die Ausbildung von Fachkräften für netzunabhängigen Solarstrom, sogenannten Inselsystemen, an technisch orientierten Schulen in Afrika. Die zusätzliche Qualifikation der Schüler verbessert langfristig nicht nur die Strom- und Lichtversorgung im Land, sie erhöht auch die Berufschancen der Schüler in einer Region mit sehr hoher Arbeitslosigkeit.
Dabei ist es das Ziel, eine Photovoltaik-Lampe zu entwickeln, welche die Menschen selbst aus Materialien, die günstig und vor Ort erhältlich sind, nachbauen können. Weitere Bauteile können auch aus dem Elektroschrott alter Autos gewonnen werden.
Das Lampensystem verfügt auch über eine Ladeelektronik, so dass ein Mobiltelefon zum Akkuladen angeschlossen werden könnte. Um die Lampe an die örtlichen Gegebenheiten des Landes möglichst gut anpassen zu können, ist eine technische Anforderungsliste erstellt worden, die neben Präferenzen hinsichtlich der Funktion auch Designaspekte enthält. So startete das Lampenprojekt zunächst mit der Entwicklung und dem Bau der Photovoltaik-Lampe.
Die Regionalgruppe München nahm es sich zu Herzen, ein Augenmerk auf den Wissenstransfer und die Übermittlung der technischen Hintergründe der Photovoltaik-Lampe zu legen. Schließlich sollen die Schüler in Westafrika nicht nur wissen wie die Lampe nachgebaut wird, sondern auch wie sie funktioniert und bei Defekt zu reparieren ist.
Daraufhin sind sowohl Schulungsunterlagen als auch Anleitungen und Hintergrundinformationen von der Regionalgruppe ausgearbeitet worden. Der Wissenstransfer erfolgt durch Mitarbeiter des Projektes in Form von Schulungen, Workshops und Praktika vor Ort, in denen ein im Alltag nützliches Kleinenergiesystem gemeinsam gebaut wird.
Im weiteren Verlauf des Projekts sollen weitere Themenpunkte in die Workshops vor Ort eingebunden werden wie zum Beispiel der Aufbau eines eigenen Unternehmens. Die Schüler sollen so auf eine Selbstständigkeit vorbereitet werden, indem der Bau der Kleinenergiesysteme, Wartung und Verleihen als Geschäftsmodelle dienen könnten. Dazu erarbeiteten BWL-Studenten der IOG Regionalgruppe Schulungsunterlagen, die unternehmerische Grundlagen wie einfache Kostenrechnung oder Umlegung der entstandenen Kosten auf die fertige Lampe vermitteln, um das erlernte technische Wissen auch gewinnbringend einsetzen zu können.
Das Projekt wird in der Don Bosco Berufsschule in Ashaiman in Ghana verwirklicht. Das Don Bosco Berufsbildungszentrum in Ashaiman unterrichtet rund 500 Auszubildende in den Bereichen Elektronik, Elektrik, Sekretariat, Computer-Hardware und Computer-Software.
Die Pilotschulung der Schüler in Ghana im März 2014 war ein großer Erfolg. Die Schüler waren sehr motiviert, begeistert und interessiert. Der nächste Schritt des Lampenprojekts ist die Schulung der ghanaischen Lehrer in der Don Bosco Berufsschule im Herbst 2014. Somit soll der Wissenstransfer in Zukunft direkt über die Lehrer an künftige Schüler der Don Bosco erfolgen. Von großer Bedeutung wird dabei die Einbindung der ortsansässigen Händler sein, damit die Schüler bereits Kontakte zu möglichen zukünftigen Arbeitsgebern herstellen können. In Zukunft soll das Projekt auch auf weitere Schulen ausgeweitet werden.
Übrigens konnten bereits Schüler der 9. Klassen der Realschule Heilig Blut in Erding von dem Projekt profitieren, indem sie drei Monate einen Einblick in die Thematik des Lampenprojektes erhielten und Fragestellungen dazu bearbeiteten. Den Schülern und Lehrern hat das Projekt so gut gefallen, dass sie es sogar mit einer Spende unterstützt haben.
Ansprechpartner
Bei weiteren Fragen wenden Sie sich bitte an Stephan.Sprengel [at] ingenieure-ohne-grenzen.org (Stephan Sprengel) Stephan.Sprengel [at] ingenieure-ohne-grenzen.org ( )