Das Konzept
Jakob Rauch
01.02.2012 22:39
ProjektUm für die Bevölkerung Wasser einer besseren Qualität verfügbar zu machen. Unterstützen wir seit 2007 in Kooperation mit einer lokalen Organisation den Regenwasserzisternenbau. Die bakterielle Belastung des Zisternenwassers ist geringer als das der meisten anderen Quellen und auch das Problem mit dem erhöhten Fluoridgehalt ist dadurch gelöst.
In diesem Projekt wird eine Zisterne pro Familie angestrebt, die in direkter Nähe der Wohnung gebaut wird. Dadurch die täglichen Wege zur Quelle und wieder zurück, in der Regel mit einem 50L-Kanister, nicht mehr nötig sind.
Eine Zisterne fasst ein Volumen von 10.000 Litern Regenwasser, was von dem Dach der Wohnung in die Zisterne geleitet wird. Außer dem Tankvolumen ist auch die ausreichende Dachfläche wichtig, damit während der Regenzeit genug Wasser aufgefangen wird, um den Minimalbedarf einer Familie über ein halbes Jahr sicherzustellen.
Gebaut wird die Zisterne von lokalen trainierten Arbeitern, die dieses Wissen auch außerhalb der Projektphasen nutzen und im Auftrag anderer Personen Zisternen bauen können. Bei dem Bau werden die Arbeiter von der betroffenen Familie und Nachbarn unterstützt, wodurch die Kosten geringer ausfallen und evtl. eine höhere Identifikation mit dem Bau erreicht wird. An den Häusern sind in der Regel keine Regenrinnen oder Fallrohre vorhanden, sodass diese neben dem Filtrationsystem in diesem Projekt ebenfalls gebaut und montiert werden.
"Firstflush"
Nach einer längeren Trockenperiode ist das Dach in der Regel mit Staub und verschiedenem organischen Material bedeckt. Bei dem ersten Regenfall würde diese Schicht direkt in die Zisterne gespült und anfangen zu verrotten, was die Wasserqualität mindern würde.
Um das Wasser in dem Tank möglichst lange möglichst sauber zu halten, wird an der Zisterne ein Filter eingebaut. Dadurch werden grobe Feststoffe nicht in den Tank gelassen. Gegen die feineren Verunreinigungen wird bei diesen Zisternen ein System namens "Firstflush" verbaut. Das ist ein Rohr, parallel zum Fallrohr der Regenrinne, welches am unteren Ende mit einem Stopfen verschlossen ist. Beim ersten Regen sammelt sich das Wasser in diesem Rohr und damit auch der Staub und andere Substanzen. Ist das Rohr gefüllt, nimmt das Regenwasser den Weg zu Zisterne und ist weitgehend sauber.
Finanzierung: gemeinschaftliches Mikrofinanzsystem
Wichtig in diesem Projekt ist die Ermöglichung und Förderung der Eigeninitiative der Bevölkerung. Zum einen soll der gemeinsame Aufbau der Zisterne das Gefühl des gemeinsamen Projektes stärken. Zum anderen möchten wir einen Prozess anstoßen, der nicht mit diesem Projekt endet, sondern eigene Projekte ohne unser direktes Eingreifen entstehen lässt.
Um das zu erreichen unterstützen wir das von unserer lokalen Partnerorganisation aufgebaute Mikrofinanz-System. Von uns unterstützte Familien sind Mitglied von Selbsthilfegruppen von max. 25 Familien. Nach dem Bau zahlt die Familie den Wert der von uns vor Ort gekauften Materialien in die von der Selbsthilfegruppe eigenständig verwaltete Kasse , eine sog. „Tischbank“, zinsfrei innerhalb von ca. 4 Jahren ein. Jeweils die Frauen treffen sich regelmäßig um den Status zu kontrollieren und eventuelle Probleme zu besprechen. Jeder der Mitglieder kann sich aus dieser Tischbank nun in Form eines Mikrofinanzkredits Geld leihen - diesmal mit einem durch die Gruppe festgelegten Zinssatz (i.d.R. 5% - 10%) - und damit ein eigenes Projekt starten.
Um diese Eigeninitiative weiter zu unterstützen wird durch die lokale Organisation eine Hilfestellung zu Projekten wie der Hühnerzucht zum Fleisch- oder Eierverkauf, oder der Ofenverbesserung, angeboten.
Falls etwas unvorhersehbares - z.B. Dürren oder Geflügelkrankheiten - passieren sollte, werden die Probleme innerhalb der Selbsthilfegruppe diskutiert und gemeinschaftlich über Maßnahmen, wie Aussetzung der Rückzahlung oder Erlass, entschieden. Die regelmäßigen Treffen werden von der lokalen Organisation begleitet.