Vorstellung der Keniareisenden der Projektphase 2012/2013

Vorstellung der Keniareisenden der Projektphase 2012/2013

24.11.2012 10:00

Antje Bäcker

Tags: Mareike , Linh , Swantje , Fotos , Anton

Die Abreise nach Kenia naht. Für alle vier wird es die erste Reise in das Projektgebiet Laikipia, nach Kenia überhaupt, sein. Sogar uns, die wir von der Ferne die Projektphase verfolgen und immer wieder berichten werden, packt ein wenig das Lampenfieber.

Wie mag es dann also Linh, Mareike, Swantje und Anton gehen?

Als Projektleiterin hatte Linh, Studentin im Bauingenieurwesen, in den vergangenen Wochen einen Großteil der Verantwortung zu schultern: Projektanträge schreiben, sich mit dem Partnerunternehmen vor Ort und der Zentrale in Berlin über den Ablauf verständigen, die Arbeit an den Manuals für die Zisternen und am Mikrofinanzsystem immer wieder vorantreiben, sich selbst und alle anderen motivieren. Irgendwie mussten die ganzen unterschiedlichen Teilbereichedes Projektes so koordiniert werden, dass sie zur Abreise fertiggestellt, druckfrisch und  einsatzbereit sind. Obwohl Linh projektbedingt oft bis um 4 Uhr morgens am Rechner saß und unter Zeitdruck arbeiten musste, ist sie jetzt, eine Woche vor dem Abflug "voller Vorfreude“. Zum Einen weil sie die Unterstützung und Motivation aller Mitglieder der Keniagruppe spürt, zum Anderen weil sie sich auf die Menschen und das Unbekannte in Kenia freut. Vor Ort wird Linh sich um die Projektkoordination kümmern, Besprechungen mit den Projektpartnern durchführen, Projektberichte schreiben sowie an der Evaluation, den Wassertests und dem Zisternenbau selbst mitwirken.

Mareike, Studentin der Umweltingenieurwissenschaften, wird sich in Kenia hauptsächlich um die Evaluation des Projektes kümmern. Sie wird engen Kontakt zu den Familien haben, um zu erfahren, wie der Zisternenbau das Leben der Bevölkerung verändert. Aus diesem Grund hat sie die letzten Monate genutzt, um sich in die Landessprache Swahili einzufinden, die, wie sie sagt „sehr melodisch klingt und Spaß macht zu lernen“. Einen Aha-Effekt, den sie dabei erlebte, war, dass der Zeichentrickfilm „König der Löwen“ sehr viele Swahili-Worte verwendet, beispielsweise Simba für Löwe, Rafiki für den Affen oder Asante Sana für Vielen Dank. Bereits vor der Reise hat sie einige email-Kontakte in Kenia gepflegt, musste sich jedoch erst an die vollkommen andere Art sich auszudrücken gewöhnen. Die Kenianer sagen zum Beispiel nicht direkt nein, sondern eher zögerlich ja, wenn sie eigentlich nein meinen. Die ersten emails bestanden nur aus Smalltalk und waren wenig faktenbasiert, dafür um einiges herzlicher und sehr darauf bedacht, dass es dem Gegenüber gut geht – mittlerweile klappt aber auch diese Kommunikation wie von selbst. Eine Woche vor Reiseantritt schwankt sie zwischen Neugierde, Vorfreude, Angst, dass man mit einigen Dingen vor Ort nicht so leicht umgehen kann, sowie Zeit- und Planungsdruck.  Besonders gespannt ist sie auf die Kultur und die Menschen und „was man von einer komplett anderen Kultur und Lebenseinstellung für sein eigenes Leben lernen kann“.

 „Ich erwarte, dass Kenia nicht so ist, wie ich es erwarte.“

 „Ich freue mich darauf, dass mein Bild von Kenia auf den Kopf gestellt wird.“

Wovon Swantje spricht, ist das Bild, das in erster Linie  von den Plakaten der Hilfsorganisationen geprägt ist. Aufnahmen hungriger Kinder, die durch Provokation Aufmerksamkeit erzielen sollen, dabei aber nicht Afrika als Ganzes widerspiegeln. „Wenn ich das nächste Mal an Afrika denke, dann will ich nicht an ein Plakat denken, was ich schon oft gesehen habe, sondern an Laikipia und die Zeit, die ich dort verbracht haben werde.“  Swantje, ebenfalls Studentin im Bauingenieurwesen, wird in Kenia den Bau der Zisternen begleiten, die bereits gebauten Zisternen begutachten und den Bauablauf genau dokumentieren. Zudem wird sie das von ihrem Team erstellte Manual an die Nutzer weitergeben, das in der Landessprache und mit Piktogrammen die Wartung, Pflege und Reparatur der Zisternen beschreibt. Gemeinsam mit den anderen drei Reisenden wird sie den Workshop anleiten, der dem Wissenstransfer zu Baumaterialien, Konstruktion und Bauablauf dient. Dass dabei nicht immer alles perfekt laufen wird und sicher ein paar Überraschungen bereitstehen, ist klar. 
Jetzt, eine Woche vor Abreise, „ist es ein bisschen wie Lampenfieber. Ich habe Angst, auf die Bühne zu kommen und meinen ganzen Text zu vergessen.“ "Aber", so sagt sie: "ich denke, dass dieses Gefühl verschwindet, sobald wir unterwegs sind und (...) dass am Ende ein Erfolg steht und wir mit ganz neuen Erfahrungen nach Hause kommen.“ 

Ein wenig mehr Ungeduld bringt Anton, Masterstudent im Maschinenbau mit, der sich darauf freut „wieder in die Welt zu kommen, mal vor Ort zu sehen, womit wir uns so lange in Deutschland beschäftigt haben“.  In Laikipia wird Anton die Materialien für die Öffentlichkeitsarbeit sammeln, Bilder machen und Berichte erstellen, Networking betreiben und Tests zur Wasserqualität durchführen. „Zu entdecken was wichtig wird, wenn man in einem Land aufwächst, wo fließendes warmes Wasser, ein gut funktionierendes Gesundheits- und Bildungssystem und die Qual der Wahl bei der eigenen Lebensplanung keine Selbstverständlichkeit sind“, ist die Hoffnung, die er mit diesem Projekt verbindet. Bisher hatte er die ganze Zeit das Gefühl, dass es noch ewig hin sei bis zur Abfahrt und jetzt – plötzlich - ist es nur noch eine Woche. Und bei jedem Teil der Ausrüstung, die eingepackt wird, fragt er sich: „Muss ich das echt mitnehmen oder bekomme ich das auch vor Ort?“, „Ist das nicht zu schwer?“. Da diese Fragen aber spätestens dann geklärt sind, wenn das Flugzeug abhebt, freut er sich vor allem auf genau diesen Moment:

Wenn alle vier im Flieger sitzen, die Vorbereitungen abgeschlossen sind und die Reise ins bisher unbekannte Kenia beginnt.