Agua para Bolívar - nachhaltige Wasserversorgung in Bolivien
Stefan Wilhelm
14.12.2011 01:56
Weniger als 7,5 Liter Wasser am Tag - nur so viel steht vielen der 120 Bewohner der Dörfer Condorhuacha und Kochipata zur Vergügung. Dieses birgt ein hohes Gesundheitsrisiko für die Menschen. Mit Hilfe des Projektes Agua para Bolívar - Nachhaltige Wasserversorgung in Bolivien soll die verfügbare Wassermenge nachhaltig auf bis zu 50 Liter pro Person und Tag erhöht werden.
Gemeinsam mit den Bewohnern zweier bolivianischer Bergdörfern bauen Ingenieure Ohne Grenzen e. V. eine zuverlässige, nachhaltige Wasserversorgung auf. Mit einfachsten Mitteln wird so die Grundlage für Hygiene und mehr Lebensqualität geschaffen.
Ausgangslage
In einer Erkundung in 2011 wurde in Zusammenarbeit mit den Bewohnern festgestellt, dass der dringendste Bedarf vor Ort eine funktionierende Wasserversorgung ist. Derzeit leben viele der Bewohner mit unter 7,5 Liter Wasser pro Person und Tag. Damit ist die von der Weltgesundheitsorganisation gesetzte Grenze für ein Überleben ohne ernsthafte gesundheitliche Beeinträchtigungen unterschritten. Zum Vergleich: In Deutschland verbraucht jede Person durchschnittlich ca. 120 Liter pro Tag.
Zurzeit entnehmen die Bewohner von Condorhuacha ihr Wasser aus einem kleinen, verschmutzten Rinnsal (s. Bild unten) an einem versandeten Staudamm oberhalb des Dorfes. Zuvor genutzte Quellen sind versiegt. Die Bewohner müssen einen beschwerlichen Fußweg über steinige und abschüssige Pfade bis zur Wasserstelle bewältigen.
Konzept
Erhöhung der Wassermenge Baulicher Schwerpunkt ist die Umgestaltung und Ausbesserung eines bestehenden Damms. Das Material für die Wasserfiltration am Damm soll aus dem umgebenden Flussbett gewonnen werden. Zusätzlich soll mit Brunnenbohrungen bislang unerschlossenes Grundwasser gefördert werden. Wasser einer guten Qualität wird somit dorfnah gewonnen. Eine anschließende Verwendung von Brauchwasser in der Landwirtschaft erhöht die Nachhaltigkeit des Gesamtkonzepts.
Zugänglichkeit zu Wasser
Dort wo keine Gravitationsleitungen möglich sind, wird Wasser mittels regenerativer Energien gefördert. Die Bewohner der Projektdörfer, welche das Wasser bislang zu Fuß über unwegsames Gelände transportieren, werden entlastet. Während der Erkundung wurde ein Prototyp einer einfachen Windkraftanlage zur Wasserförderung in Kochipata errichtet. Die gewonnen Erfahrungen werden für die weiteren Planungen genutzt.
Wasserqualität
Bislang offene Wasserentnahmestellen werden umgestaltet, sodass eine Kontamination des Wassernetzes durch die Wasserentnahme vermieden wird.