Analyse der Situation vor Ort

Analyse der Situation vor Ort

Es sind zwei Wochen seit unserem letzten Eintrag vergangen und es haben sich inzwischen so viele Geschichten angesammelt, dass es für acht Einträge reichen würde. Denn nachdem wir in den ersten zwei Wochen in Kamerun den Grundstein für unsere Arbeit legten, wurde in den letzten beiden Wochen jeder Tag intensiv genutzt um alle Informationen zu erhalten, die wir für eine Projektentscheidung benötigen. 

Woche drei begann mit der mikrobiellen Analyse der von uns vorselektierten Quellen, was wieder viel Zeit in Anspruch nahm, da wir jeden Ortsteil zu Fuß erschließen mussten. Zusätzlich zu dieser Analyse nahmen wir die genauen Maße der Quellen auf und bestimmten das Gefälle der angrenzenden Hänge. 

Desweiteren besuchten wir in dieser Woche mehrere Quellfassungen in der Gegend, sowie zwei Experten im Bereich Brunnenbau: ein schweizer non-profi Bauunternehmen names „Eau c’est la vie“ und ein kamerunisches Unternehmen, welches von der Diözöse Edea geführt wird. 

Woche vier widmeten wir weniger den technischen Aspekten als der gesellschaftlichen Dimension unserer Erkundung, welche beispielsweise Problemempfinden, Einkommen und Arbeitsbelastung im Jahresverlauf beinhaltet. Da uns die Meinung aller Gruppen im Dorf interessiert und wir uns vorallem Input für unser potentiell gemeinsames Projekt erhofften, trafen wir uns abwechselnd abends mit dem Frauenkomitee, dem Wasserkomitee und der Jugendvertretung. Den Einstieg in unsere Gespräche erleicherten uns verschiedene Methoden des PRA (Participatory Rural Appraisal), welche wir in einem Workshop in Deutschland erlernt haben. Wir erfuhren, dass nicht nur die Qualität des Wassers sondern auch die weiten Wege zu den Wasserstellen und die während der Regenzeit schwer befahrbaren Straßen als extrem belastend wahrgenommen werden. Außerdem konnten wir erstmals miterleben, wie die einzelnen Komitees gemeinsame Entscheidungen treffen. Nach ausführlicher Diskussion wird entweder im Konsens oder per Abstimmung entschieden.

Eine unserer letzen Aktivitäten in Nkoumissé-Sud war die Durchführung eines kleinen Workshops für die örtliche Grundschule. Dabei wurde gezeigt, wie man mit vor Ort verfügbaren Materialien innerhalb von kürzester Zeit ein Tippy Tap, eine Konstruktion zum Hände waschen, baut. In diesem Rahmen klärten wir die Kinder über die Notwendigkeit auf, sich täglich die Hände zu waschen. Wir glauben, dass es den Kindern Spaß gemacht hat und hoffen, dass man das Tippy Tap in Zukunft des öfteren in Nkoumissé-Sud antreffen kann.

Zu unseren persönlichen Highlights der Woche zählen auf jeden Fall die Dorfgeschichten, die man sich hier abends erzählt, und an denen wir dank Dolmetscher nun auch teilhaben dürfen. Vorallem wenn es um Geschichten aus dem Eheleben geht müssen wir immer sehr mitlachen. Wir konnten feststellen, dass es Dinge gibt mit denen man sich überall auf der Welt auf die gleiche Art und Weise herumschlagen muss.