Erkundung - Wochenbericht #2
(vom 17.10.2016 bis 23.10.2016 (KW 42))
Zusammenfassung der wichtigsten Entwicklungen der vergangenen Woche
Die Erkundung schreitet gut voran. Wir haben einige Treffen in der vergangenen Woche gehabt, die v.a. dem Austausch und Netzwerken dienten. Ansonsten kristallisieren sich unter anderem zwei Ideen heraus, die wir nun in der kommenden Woche weiter betrachten und zusammen mit unserem Projektpartner evaluieren wollen: Zum einen die Wertstoffsammlung nach dem Bottom-Up-Ansatz, bei dem Wertstoffsammler mit z.B. Mikrokrediten die Anschaffung von Handlastkarren ermöglicht wird. Diese können die Wertstoffe dann sammeln und bei NOYACE gegen einen kleinen Lohn abgeben, wobei NOYACE die weitere Sortierung und den weiteren Verkauf organisiert. Hier besteht eine gewisse Abhängigkeit von der wirtschaftlichen Situation, die gerade in Simbabwe nicht so gut aussieht und entsprechend ein Risiko darstellen könnte. Ansonsten steht noch die Idee im Raum, mit einfachen Maschinen direkt eine Wertschöpfung aus recycelbaren Kunststoffen zu erzeugen. Hier könnten Produkte vor Ort erzeugt werden. Manko hierbei können die Verfügbarkeit von Bauteilen sein, sowie die Gefahr, dass die Produkte keine Abnehmer finden.
U.a. diese Fragen müssen in der kommenden Woche geklärt sowie die Augen für weitere Lösungsansätze offen gehalten werden.
Verzögerungen/ Hemmnisse gibt es gerade eher nicht. Die knappe Terminfindung stellt teilweise eine Herausforderung dar. Dem aus unserer Sicht gefühlten leichten Chaos im Leben in Simbabwe steht aber eine enorme Spontanität der Leute entgegen.
Chronologischer Bericht
17.10. (Besprechungstermine und Besichtigungen in Harare)
Es stehen vier Termine auf der Agenda: deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ), Environmental Management Agency (EMA, Umweltamt Simbabwe), National Waste Collections (NWC, Papier-Zwischenhändler), PetrecoZim (Kunststoff-Zwischenhändler).
Bei der GIZ treffen wir Hailey Lowe, die ursprünglich auch den Kontakt zu NOYACE hergestellt hat. Mit ihr sprechen wir u.a. über Erfahrungen mit Projekte in Norton Town und die unterschiedlichen Stakeholder. Wie diese mit einander in Verbindung stehen, analysieren wir mit einem Chapati-Diagramm und erstellen ein Ranking in Bezug auf den Einfluss auf die Bevölkerung – siehe Bild #1. Hierbei kristallisiert sich heraus, dass die Stadtverwaltung ihr Vertrauen bei den Anwohnern verspielt zu haben scheint, was auch unser Projektpartner bestätigt. Der Service der Norton Town Council ist durch die angespannte Situation sehr schlecht. Die Angestellt haben über mehrere Monate hinweg kein Gehalt bekommen.
Die Kirchen scheinen die wesentlich wichtigeren Ansprechpartner zu sein, wenn es darum geht, die Bevölkerung für das Thema Müll zu sensibilisieren. Durch eine deutlich hierarchischere Familienstruktur in Simbabwe, müssen wir bei Bildungs- und Infoveranstaltungen in erster Linie die Erwachsenen und Eltern ansprechen.
Frau Magwaza von EMA gibt uns einen generellen Überblick über die aktuelle Situation in Simbabwe sowie Herausforderungen. Gerade laufen z.B. ein paar Projekte zu Urban Gardening. Weiterhin soll bald ein Pilotprojekt mit einem Zweitonnensystem starten (nasse und trockene Tonne). Allgemein fehlt es jedoch an Bewusstsein in der Bevölkerung. Hier haben sich scheinbar Zusammenkünfte der Gemeinschaften als am wirkungsvollsten erwiesen. Hier sind die Stadtverwaltungen sowie deren Vorsitzende die wichtigsten Beteiligten. Uns wurde empfohlen, auf diese zuzugehen und deren Bereitschaft abzuklopfen. Dabei sollten weitere wichtigen Stakeholder mit an den Tisch geholt werden, um gemeinsam eine Strategie zu erarbeiten (auch ein Zwischenfazit beim Treffen mit der GIZ).
Der Papier-Zwischenhändler National Waste Company macht einen ziemlich soliden und technisch gut aufgestellten Eindruck. Sie holen Papier/Kartonagen ab einer Menge von einem Mg bei Sammelstellen in und um Harare ab, und pressen Ballen, die sie je nach Stoffgruppe zu anderen Recyclingbetrieben in der Region oder im Falle von Kartonagen nach Südafrika weiter transportiert. Wesentliche Herausforderung stellt gerade die kränkelnde Wirtschaft und die damit verbunden erschwerten Bedingungen für Banktransfers dar.
Die drei wesentlichen Herausforderungen in der Abfallwirtschaft in Simbabwe sind Polyethylen, Polystyrol und Windeln. Dies erfahren wir bei PetrecoZim, einem Kunststoffzwischenhändler, der ankauft, sortiert, die Kunststoffe reinigt und zu Flakes weiterverarbeitet. Wegen der niedrigen Weltmarktpreise arbeitet das Unternehmen aktuell nicht kostendeckend, wird aber von großen Firmen wie Coca Cola und Delta Beverages finanziert – wahrscheinlich als PR/CSR-Maßnahmen. Dadurch können den Wertstoffsammlern höhere Preise für die Kunststoffe gezahlt werden, als es der Markt eigentlich zulässt. Auch hier werden die Kunststoffe bei Wertstoffsammlern in und um Harare abgeholt, um Schwierigkeiten beim Transport zu umgehen. Dies wussten wir z.B. nicht, bzw. hat uns unser Projektpartner verschwiegen. Er möchte am liebsten ein eigenes Transportmittel, das somit aber obsolet werden würde, da die beiden wichtigsten Zwischenhändler (Papier und Kunststoffe) Transporte anbieten. Auch PetrecoZim machte technisch einen sehr soliden Eindruck, was die Maschinen anbelangt. Jedoch war das Lager voll und die Maschinen liefen nicht.
In Bild #2 können Stefan und Johannes mit unserem Projektpartner Regis gesehen werden, wie sie PET-Flaschen abliefern. Diese hatten wir in den vergangenen Tagen durch unseren Wasserverbrauch konsumiert.
18.10. (Kartonagen-Abholung bei NOYACE und weitere Datenaufnahme beim Lagerplatz)
Wesentliches Ereignis des Tages ist die Abholung von Kartonagen bei der Lagerfläche von NOYACE. Wir sind etwas früher da und nutzen die Zeit, um Geländedaten, wie Abmessung und Bodenbeschaffenheit aufzunehmen. Weiterhin werden die vom AWM (Abfallwirtschaftsbetrieb München) gespendete Arbeitskleidung an die Helfer ausgeteilt.
Für das Beladen eines 7t-LKWs benötigen 6 Personen eine halbe Stunde. Da die Kartonagen in mehr oder weniger lose Pakete (ca. 5 kg) verschnürt sind, lösen sich die meisten beim Beladen auf und werden so in den LKW gestopft – siehe Bild #3. Nach 30 Minuten ist der LKW mit ca. 2 Mg voll beladen. Hierbei stellt sich heraus, dass unser Projektpartner Schwierigkeiten beim Abschätzen der Mengen hat. Dreiviertel der auf der Lagerfläche vorhandenen Kartonagen müssen zurückbleiben.
Durch unsere Anwesenheit erwecken wir Interesse bei einer benachbarten Firma, die uns sogleich ihre PET-Abfälle sowie verschlissene Kunststofftüten (PS?/PPE?) anbietet. Hier könnte sich für NOYACE eine dauerhafte Partnerschaft ergeben. Wir werden gefragt, ob wir die Firma evtl. direkt unterstützen könnten. Hier verweisen wir freundlich darauf, dass sie sich an NOYACE wenden und dieser ggf. auf uns zurückgreifen könnte.
19.10. (Besprechung der Teach-the-Teacher-Unterlagen, Sichtung von Arbeitsmaschinen)
Der Auftakt des Tages beginnt mit einer Besprechung unserer Teach-the-Teacher-Unterlagen. Hierbei sitzen wir mit Regis sowie Pearson (Umwelt- und Gesundheitsbeauftragter in Norton Town) zusammen, um uns Feedback einzuholen. Als erste Zielgruppe für das Teach-the-Teacher-Programm einigen wir uns auf Pastoren der reichlich vertretenen Kirchen in Norton, um in erster Linie Erwachsene und Eltern zu erreichen (siehe Ergebnisse vom 17.10.). Ein wesentlicher Diskussionspunkt ist, wie wir die Erwachsenen erreichen, so dass sie sich betroffen fühlen. Ein Hebel könnten hier z.B. Krebs- sowie Lungenerkrankungen sein, die u.a. durch das wilde Verbrennen von Abfällen hervorgerufen werden. Solche und andere Ideen werden von Regis als auch Pearson beigesteuert.
Nach einem kurzen Besuch beim angehenden leitenden Stadtbeamten haben wir die Genehmigung mit Pearson die Arbeitsmaschinen von Norton Town zu besichtigen. Initiiert wird dies von Pearson.
Diese Besichtigung soll für uns die Frage klären, was die Herausforderungen bei der Wartung der Arbeitsmaschinen sind. Aktuell laufen nur einer von vier Traktoren, die der Stadtverwaltung ursprünglich von der GIZ zur Verfügung gestellt wurden. Wir wollen Erkenntnisse für potentielle Transportmittel für NOYACE gewinnen. Ersatzteile sind schwer zu beschaffen, es fehlt jedoch vor allem an den finanziellen Mitteln, um z.B. kaputte Räder zu ersetzten.
Als nächstes schauen wir uns die Pushcarts (Lastenkarren) von NOYACE an. Diese wurden ursprünglich von EMA [Environmental Management Agency (Umweltamt Simbabwe)] zur Verfügung gestellt, scheinen aber von minderer Qualität zu sein. Die Radaufhängungen scheinen den Belastungen nicht Stand zu halten – siehe Bild #4. Andere (regional aus Schrott hergestellte) Pushcarts machen einen deutlich robusteren Eindruck. Diese sind für etwa ca. $ 150 das Stück zu erwerben.
20.10. (Treffen mit zwei NGOs/Regis Pastor in Harare)
Die heutigen Treffen finden mit zwei simbabwischen NGOs bzw. dem Pastor von Regis statt. Wir wollen uns unabhängige Sichtweisen zu unserem Projekt einholen.
Zuerst treffen wir Vertreter von Environment Africa, expliziet deren Vorsitzenden in Simbabwe Herrn Banarbas Mawire sowie die PR-Beauftragte Sarah. Tatsächlich wird uns einiges geboten: Scheinbar haben sie bereits einige CBOs (Community Based Organisation) bei ähnlichen Projekten begleitet. Weiterhin führen sie selbst an ihrem Standort ein Pilot-Projekt bzgl. Mülltrennung durch. Wie bei einem Wertstoffhof können die Bewohner kommen und ihre sortierten Wertstoffe abliefern. Biomüll wird kompostiert und in einem eigenen Bildungs- und Zuchtgarten für den Anbau von Nutzpflanzen verwendet. In Bild #5 ist Joschko zu sehen, dessen Pfefferminz-Tee aus dem Eigenanbau stammt.
Es wird über Herausforderungen bei der Betreuung von Projekten wie das von NOYACE/ Regis gesprochen und welche Maßnahmen sinnvoll sind. Um hier genauer ins Detail zu gehen und auch Regis direkt Feedback geben zu können, wird ein weiteres gemeinsames Treffen für den nächsten Montag vereinbart. Außerdem wird von beiden Seiten darüber hinaus das Interesse der weiteren Zusammenarbeit bekundet. Wir vereinbaren diverse Bildungsunterlagen auszutauschen.
Am Nachmittag lernen wir Regis Pastor Shepherd Njovana kennen, der ihm ein enger Vertrauter zu sein scheint. Seiner Aussage zufolge sind sowohl die organisatorische Arbeit, als auch das richtige Treffen von Entscheidungen eine große Herausforderung für Regis – letztere sind wohl oft emotional geprägt und müssten noch einmal rational hinterfragt werden. Dem gegenüber stehen seine Stärken als Netzwerker und Redner, der es einfach schafft, die Leute von sich zu überzeugen und mitzunehmen. Als wesentlicher Punkt wird erarbeitet, dass er sein Business langsam aufbauen muss, um selber auch nicht überrollt zu werden. Der Pastor selber schlägt dabei konkrete Ideen vor. Des Weiteren ist er der Meinung, dass der Erfolg von NOYACE davon abhängt, dass Regis sich weiterbildet. Unabdingbar ist hierbei sein Studium in Umwelt und Geographie sowie BWL-Kenntnisse und Verwaltung, die so gut wie nicht vorhanden sind.
Weiterhin kommen wir bzgl. einer potentiellen Zusammenarbeit ins Gespräch. Shepherd ist auch bei der NGO (?) „Zebakwe trust“ tätig und könnte sich vorstellen, dass sich Synergien ergeben und sie einen zuverlässigen Ansprechpartner vor Ort darstellen könnten, die NOYACE begleiten und die Fortschritte überprüfen.
Vor allem sprechen wir aber über die Möglichkeit, unsere Umweltkampagne über die Kanäle der Kirche zu verbreiten, um möglichst viele Leute zu erreichen. Hier kann sich Shepherd vorstellen, dass wir einen Testlauf bei einer Kirche machen und ein Infoblatt an die Kirchenbesucher geben, um diese im Nachhinein zu fragen, um das Potential zu bewerten. Auch würde er bei der Erstellung mitwirken.
21.10. (Treffen mit GIZ, Organisatorisches)
Der wesentliche Termin heute, ist ein Treffen mit Stephan Lidsba und Hailey Lowe von der GIZ. Aufbauend auf dem Termin am Montag wollen wir noch einmal mit Stephan über die aktuelle Situation in Simbabwe und Herausforderungen in der Abfallwirtschaft sprechen. Derweil nutzen wir die Möglichkeit, erste Lösungsansätze mit ihnen zu diskutieren. Als mögliches Hemmnis für einen Bottom-Up-Ansatz bei der Müllsammlung könnte sich dabei die wirtschaftliche Lage Simbabwes herausstellen. Eventuell könnten daher regional isolierte Recycling Projekte etwas erfolgsversprechender sein, bei denen vor Ort Produkte erzeugt werden.
Da wir die bisherige Zeit der Erkundung darauf verwandt haben, in erster Line den Markt von Wertstoffen kennen zu lernen, wollen wir die weitere Zeit verstärkt dazu nutzen, das Potential von lokal erzeugten Waren zu ergründen.
Neben solchen strategischen Überlegungen nutzen wir den Nachmittag, um das Projekt „Initiative Rising Star – School buildings for Hopley, Zimbabwe“ der Regionalgruppe Stuttgart zu besuchen und Erfahrungen auszutauschen.
22.10. (Pausentag)
23.10. (Rekapitulation und Vorbereitung der kommenden Woche)
Der heutige Tag wird genutzt, um die verbleibenden Aufgaben zu sammeln und in Termine für die nächste Woche zu packen – siehe Bild #6. Ansonsten werden Berichte geschrieben und organisatorische Aufgaben erledigt.