Unsere Ankunft in Sierra Leone

Die langersehnte Ausreise nach Sierra Leone konnte endlich stattfinden. Nach einer holprigen Anreise samt verschobenem Flug sind wir inzwischen gut in Sierra Leone angekommen. Die ersten Tage haben wir in der Hauptstadt Freetown verbracht. Das Leben hier ist anders als in Deutschland. Lebhaft und chaotisch beschreibt es wohl am besten. Und das Klima ist definitiv auch anders als im 4°C kalten Aachen. Der Begriff „Trockenzeit“ ist relativ irreführend, wenn man sich uns anschaut. Aber da gewöhnen wir uns schon noch dran.
Unsere erste Besorgung führte uns zum Geldautomaten. Hier an Geld zu gelangen, ist allerdings gar nicht so leicht, denn die Automaten sind häufig leer. Nach zwei Stunden und acht Automaten hatten wir genug Bargeld für die ersten beiden Tage. Später haben wir einen kurzen Abstecher zum Strand gemacht. Die Fahrt dorthin im Keke (Autorikscha/ Tuk Tuk) war für uns abenteuerlich. Der vom Präsidenten verursachte Stau machte uns dann aber auch nicht mehr viel aus.

Weiter ging die Reise nach Makeni zu unserer Partnerorganisation MADAM. Die dreistündige Fahrt mit unserem Gepäck auf dem Fahrzeugdach haben wir dank asphaltierter Straße gut hinter uns gebracht. Nur ein Paket mit Wassertüten hat den Transport auf dem Dach nicht überstanden. Makeni ist weniger groß als Freetown, aber im Zentrum trotzdem noch sehr lebendig. Langsam aber sicher haben wir uns akklimatisiert und konnten bei MADAM im sonnengeschützten Außenbereich mit den Vorbereitungen für unsere Arbeiten beginnen.

Die nächste Woche startete mit einem Meeting mit MADAM und einem Austausch über die Pläne für das Bauvorhaben. Das Gespräch verlief sehr gut, wurde jedoch durch ein brennendes Feld auf dem Nachbargrundstück und der daraus resultierenden Besorgnis um die Pflanzen von MADAM begleitet. Durch die hohe Trockenheit in der Region ist die Gefahr für solche Brände nicht unerheblich.
Die Zeit zwischen den Meetings sowie ihrer Vor- und Nachbereitung nutzten wir zum Twisterspielen, Besorgungen machen und Wäsche in der Waschschüssel waschen. Hierbei mussten wir uns erst daran gewöhnen, dass es nicht immer Wasser gibt. Auch die Stromversorgung ist nicht so konstant, wie man es aus der Heimat gewohnt ist. In Sierra Leone sind lediglich größere Städte an das staatliche Stromnetz angeschlossen, doch auch hier kommt es zu Ausfällen. Im ländlichen Makali, wo es nächste Woche hingeht, werden wir ohnehin auf die Klimaanlage, die uns momentan dabei hilft, die tropischen Temperaturen besser zu vertragen, verzichten müssen. In ländlichen Regionen verfügen fast keine Haushalte oder Einrichtungen über Strom, nur wenige können sich über einen Dieselgenerator zeitweise mit Elektrizität versorgen.

Der spannendste Ausflug in dieser Woche fand am Mittwoch statt. Wir haben alle wichtigen Beteiligten unseres Projekts getroffen. Wir wurden sehr herzlich willkommen geheißen und teilweise wurde auch für uns und unser Projekt gebetet. Eine wichtige Station unseres Ausflugs war der Besuch der Schule in Makali, an der wir im Jahr 2018 zusammen mit MADAM Trockentrenntoiletten gebaut haben. Als wir im Jeep auf das Grundstück der Schule gefahren sind, war die Freude groß. Unzählige Schüler*innen jubelten und begrüßten Henrik, Henning und Laetitia. Dass die beiden letztgenannten dieses Mal zwar nicht Teil des Ausreise-Teams sind, tat der Sache keinen Abbruch. Wir haben uns sehr gefreut, dass unser Besuch an der Schule offenbar positive Erinnerungen wachgerufen hat.

Als wir uns vom guten Zustand der Toiletten überzeugt hatten, startete ein enthusiastischer Kinderchor mit einem Lied zu den 11 Steps. Das Lied wurde damals als Teil eines Bildungsworkshops mit den Kindern eingeübt, damit sie sich die elf wichtigen Schritte rund um das Thema Toilette und Hygiene besser merken können. Die Kinder kannten den Liedtext in- und auswendig - wer so gut über die 11 Steps zur Benutzung der Toiletten singen kann, setzt sie sicherlich ebenso gewissenhaft in die Tat um.
Weiter ging es nach Makenthi, dem Dorf, in dem unser jetziges Projekt implementiert wird. Wir besprachen alles Wichtige, besichtigten den Ort und leiteten die nächsten Schritte ein. Der Weg zum Dorf glich allerdings einem schmalen Feldweg, wodurch wir uns besorgt fragten, wie der Laster mit den Baumaterialien dort durchkommen soll. Uns wurde aber zuversichtlich versichert, dass es „no problem“ sein würde - Wir sind gespannt, ob es klappen wird.
Als wir am Abend beim bereits erwähnten Twister saßen, huschte ein Tier an uns vorbei. Wir sind uns noch uneinig, ob es sich eher um eine Ratte oder einen Tiger handelte, aber gefährlich war es auf jeden Fall, sonst wären wir wohl kaum so hektisch aufgesprungen.
Den Rest der Woche verbrachten wir hauptsächlich mit Gesprächen über Verträge, Baumaterialien und Co., denn wie bei uns in Deutschland gibt es auch in Sierra Leone Vorschriften und bürokratische Vorgehen, die es einzuhalten gilt.