Prototypenbau, die Erste
Endlich haben wir es geschafft: mit vielen fleißigen Händen haben wir am vergangenen Wochenende unser lange geplantes Ofenkonstrukt in die Tat umgesetzt, und das bei Temperaturen um 2°C.
Nach zuvor gezeichneten Plänen wurde der Ofen Lage für Lage aus gespendeten Kalksandsteinen und säckeweise Lehmputz gemauert. Je zwei bis drei Ingenieure ohne Grenzen waren dabei für je eine Lage verantwortlich. Der Ofen ist also ein echtes Gemeinschaftsprojekt. Die dadurch entstandene unterschiedliche Dicke der Lehmfugen wurde mit Humor genommen und in Zusammenarbeit und unter Aufsicht der anderen Schichten fachmännisch ausgeglichen.
Ein Problem stellte zuvor die Beschaffung der zu verwendenden Materialien dar. Da es nicht möglich ist, die Materialien zu verwenden mit denen wir es vor Ort in Bolivien zu tun haben werden, müssen wir auf alternative Produkte mit möglichst ähnlichen Eigenschaften zurückgreifen. Die wichtigsten Materialien Ziegel und Mörtel werden in Taca Copa nämlich von den Dorfbewohnern auf Lehmbasis selbst hergestellt und sind daher spezifisch für diese Region. Doch Gespräche mit Materialwissenschaftlern der RWTH Aachen und Mitarbeitern verschiedener Baustoffhandel haben uns geholfen, Materialien zu finden, um den Gegebenheiten vor Ort möglichst nahe zu kommen.
Auch wenn die Materialien noch nicht exakt die Gleichen wie in Bolivien sind, kann mit dem gebauten Ofen zumindest die Funktionsweise unserer Konstruktion ausprobiert werden. Das erste Anfeuern wurde aber nach langen Diskussionen ins neue Jahr verlegt, da uns das hiesige feuchte und kalte Wetter an einer schnellen Trocknung zweifeln lässt. Und der Ofen soll ja nicht gleich beim ersten Gebrauch kaputt gehen. Das Teewasser zum Aufwärmen muss also noch ein Weilchen auf dem Elektroherd in der Küche erhitzt werde.
Für Anfang April, wenn es hoffentlich wieder etwas wärmer ist, ist dann ein weiterer Prototyp geplant. Da wir unseren ersten Ofen bis dahin öfter anfeuern werden, werden wir hoffentlich wissen, ob unsere erdachte Funktionsweise auch entsprechend funktioniert. Für den nächsten Prototypen werden auf der Analyse des ersten Ofens und den Erfahrungen, die wir beim Bauen gemacht haben, die einzelnen Bauteile optimiert. Beispielsweise können die Kochplatten und somit auch der Ofen an sich kleiner ausfallen, da sich der verwendete armierte Beton als so massiv und robust zeigt, dass hier weniger Material verwendet werden kann.
18.12.2014 13:58, Jennifer Cockx