Kochstellenbau im Dorf Taca Copa

Kochstellenbau im Dorf Taca Copa

Der Kochstellenbau im Dorf Taca Copa: Die Lösung des Rauchproblems und damit die Verbesserung der Lebensqualität der Bewohner.

Wenn es auch nicht der Grund für das Projekt ist, dann ist es dennoch das Herzstück, der Beginn der Gedanken: Wie erreicht man es, eine Technologie in einem Land zu verankern und zwar in der Art und Weise, dass sie sich von selbst immer weiter verbreitet? Man baut nicht nur Kochstellen, sondern bildet Menschen darin aus, diese zu bauen. Und wenn man nicht nur das Rauchproblem lösen möchte, sondern die grundlegenden Probleme der Ärmsten? Man bildet Menschen darin aus, Probleme zu lösen.

In der von uns entwickelten Unterrichtseinheit wurden die Schüler der Schule Sayarinapaj sechs Wochen lang theoretisch und praktisch im Problemlösen ausgebildet, um diese Kenntnisse dann im Dorf Taca Copa anzuwenden. Dort sollten die Schüler dann das Problem der Menschen, die Rauchbelastung beim Kochen, durch den Bau von Lehmkochstellen mit Kamin lösen. Das war eine neue Erfahrung für die Schüler, die gewohnt sind, repetitiv zu arbeiten.  Und es stellte eine organisatorische Herausforderung für uns und die Lehrer dar, die sonst konventionellen Unterricht geben. Die Schüler mussten Verantwortung und Eigeninitiative in einer ihnen unbekannten Umgebung zeigen und mit Menschen, die kaum Spanisch sprechen, zusammenarbeiten.

Das Dorf Taca Copa ist ca. 8 Stunden von Cochabamba entfernt. Das heißt, in der Organisation eines solchen Dorfbesuchs gibt es keine Fehlertoleranz. Wenn Materialien fehlen, können diese nicht nachträglich gekauft werden. Wenn Werkzeuge fehlen, muss improvisiert werden. Wenn Essen für die Schüler fehlt, muss der Besuch abgebrochen werden. Diese Herausforderung anzunehmen, hat allen großen Spaß gemacht. 

Der Bus fährt mit 13 Schülern, einem Lehrer und drei Mitgliedern von Ingenieure ohne Grenzen sechs Stunden durch die trockenen Berge Boliviens. 160 kg Zement, 100 m Armierungsstahl, 4 Säcke mit Schalungsholz, Proviant für eine Woche und einige weitere Materialien sind an Bord. Mitten im Nichts wartet schließlich der Geländewagen von SODIS am Wegesrand der befestigten Straße. Das ist das Zeichen zum Abbiegen. Der Bus quält sich also erst staubige Serpentinen hinunter und schließlich über ein ausgetrocknetes, steiniges Flussbett bis an den Rand eines Hanges auf dem, weiter oben, die Lehmhütten von Taca Copa verteilt sind. Zu Fuß, mit Eseln und mit dem Jeep von SODIS brauchen wir knappe 5 Stunden um alles hinauf zu bringen. Pünktlich zum Sonnenuntergang sind wir fertig. Welch ein Glück, denn ohne die wärmenden Strahlen der Sonne kühlt sich die dünne Luft sehr schnell ab. Ein Temperaturabfall von 25 auf 0 °C innerhalb einer Stunde ist möglich.

In den folgenden Tagen wachsen die Schüler über sich hinaus. Vergessen sind unsere Bedenken, ob die Schüler den hohen Anforderungen gerecht werden können. Jeder einzelne trägt Verantwortung. Das ist etwas, was diese Jugendlichen zuvor kaum erfahren haben. Jeder wächst an seiner Aufgabe. Es zeigt sich, dass der Schlüssel zum Erfolg die Zusammenarbeit mit den Dorfbewohnern ist, die fleißig bei ihrer jeweils eigenen Kochstelle helfen. Einen Tag früher als geplant sind 16 Kochstellen fertig und alle Beteiligten glücklich.

 

Aus Dank für unsere Arbeit laden uns die Dorfbewohner zu Chicha ein, vergorenem Mais- und Getreidesud. Ein „Nein, danke“ wird nicht akzeptiert. Das ist das Los des Gastes der bolivianischen Landbevölkerung, zumindest in der Zeit nach der Ernte.

Nach dem Genuss des Chichas auf etwas wackeligen Beinen tragen wir das Gepäck den Hang hinunter und schlagen unser letztes Nachtlager am Hauptstraßenrand auf.

Nach dem Trocknen der Öfen in 10 Tagen werden wir wiederkehren und die Öfen in Betrieb nehmen.

Wir sind sehr zuversichtlich, dass dies nicht der letzte Dorfbesuch einer Schulklasse war, bei dem ein schwerwiegendes Problem der Landbevölkerung gelöst wurde, dass sich das Gute weiterverbreitet. Im kommenden Jahr werden wir eine Wiederholung des Unterrichtprojektes in einem anderen Dorf vorbereiten, bei dem die Partner mehr Verantwortung übernehmen werden, damit das Projekt irgendwann ohne unser Zutun durchgeführt wird.

Es gibt erste Anzeichen, dass der Plan aufgehen könnte: SODIS interessiert sich stark für Ofentechnologie und will sie in vielen weiteren Dörfern anwenden. Eventuell werden einzelne Schüler dafür eingestellt. Einige Schüler haben angekündigt, Verwandten und Freunden solche Kochstellen zu bauen und sechs weitere Familien aus Taca Copa haben Unterstützung beim Bau eigener Öfen angefragt. Wir sind überwältigt vom Erfolg und der positiven Resonanz.

Der Samen ist gesät, jetzt muss die Pflanze wachsen. Das ist die nächste anspruchsvolle Aufgabe für uns und unsere Partner in diesem Projekt.

19.07.2015 22:17, Philipp Blanke