Ausreisebericht Teil 2 - Von der Bestandsaufnahme zur gemeinsamen Zukunftsvision

Ausreisebericht Teil 2 - Von der Bestandsaufnahme zur gemeinsamen Zukunftsvision

Logbuch-Eintrag 6 - Projektlogbuch Olasiti

Von der Bestandsaufnahme zur gemeinsamen Zukunftsvision

Nach einer intensiven ersten Woche mit zahlreichen Gesprächen, Workshops und ersten technischen Untersuchungen stand die zweite Woche der Ausreise ganz im Zeichen der Vertiefung. Neben weiteren Analysen der bestehenden Infrastruktur rückte zunehmend die Frage in den Mittelpunkt, wie die zukünftige Schule gemeinsam mit der Community gestaltet werden kann.

Mitglieder von Ingenieure ohne Grenzen tauschen sich gemeinsam mit Lehrkräften und Vertretern der Maasai-Community in einem Klassenraum aus. Der Besuch diente der Analyse von Bildungsinfrastruktur und schulischen Rahmenbedingungen in der Region.

Gespräche mit Lehrkräften, Community-Vertretern und lokalen Entscheidungsträgern während eines Schulbesuchs im Kajiado County. 

 

Lernen von bestehenden Schulen und Bauprojekten

Um die Situation in Olasiti besser einordnen zu können, besuchte das Team mehrere Schulen in unterschiedlichen Regionen des Kajiado County. Gespräche mit Lehrkräften, Schulleitungen und lokalen Behörden ermöglichten wertvolle Einblicke in den Schulalltag sowie die Herausforderungen, mit denen Bildungseinrichtungen in der Region konfrontiert sind.

Besonders hilfreich waren die Besuche verschiedener Schulstandorte, die als Vergleichsobjekte für die zukünftige Entwicklung der Olasiti Community School dienten. Die gewonnenen Eindrücke halfen dabei, Anforderungen an Klassenräume, Infrastruktur und Schulorganisation besser zu verstehen.

Darüber hinaus wurden verschiedene lokale Bauweisen untersucht. Besuche von sogenannten Eco-Manyattas zeigten, wie traditionelle Maasai-Architektur mit modernen Baumaterialien kombiniert werden kann. Die Beispiele verdeutlichten sowohl die Chancen nachhaltiger lokaler Bauweisen als auch die Herausforderungen hinsichtlich Wartung, Witterungsschutz und langfristiger Haltbarkeit.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Untersuchung regional verfügbarer Baumaterialien. Besuche von Baustoffhändlern und einem Kalksteinbruch lieferten wichtige Informationen zu Materialverfügbarkeit, Kosten und möglichen Einsatzbereichen für die zukünftige Planung.

Ein Mitglied von Ingenieure ohne Grenzen entnimmt Wasserproben an einer Wasserentnahmestelle in Olasiti. Die Untersuchung dient der Analyse der Wasserqualität und der bestehenden Wasserversorgung im Rahmen der Projektarbeit.

Wasserqualitätsanalyse an einer Entnahmestelle in Olasiti als Grundlage für die weitere Projektplanung.

 

Infrastruktur verstehen

Parallel zu den Schul- und Baustellenbesuchen setzte das Team die technische Bestandsaufnahme in Olasiti fort.

Ein besonderer Fokus lag auf der Wasserversorgung. Gemeinsam mit den Verantwortlichen vor Ort wurden die Wassersysteme in Olasiti 1 und Olasiti 2 untersucht. Die Analysen bestätigten erhebliche Herausforderungen im Bereich Wasserverteilung, Wartung und Hygieneinfrastruktur. Gleichzeitig wurde deutlich, dass auch äußere Einflüsse – insbesondere Schäden durch Elefanten – die langfristige Funktionsfähigkeit der Anlagen beeinträchtigen.

Darüber hinaus wurden die bestehenden Schulgebäude, Sanitäranlagen und weitere Infrastruktureinrichtungen detailliert vermessen, fotografisch dokumentiert und mittels 3D-Scan erfasst. Die Untersuchungen bestätigten, dass die vorhandenen Gebäude erhebliche bauliche Mängel aufweisen und eine nachhaltige Sanierung wirtschaftlich und technisch nicht sinnvoll erscheint.

Auch die bestehende Photovoltaikanlage wurde eingehend untersucht. Durch kleinere Reparatur- und Instandsetzungsmaßnahmen konnte die Funktionsfähigkeit der Anlage wiederhergestellt werden. Gleichzeitig wurden verschiedene Sicherheitsmängel identifiziert und behoben, wodurch die Nutzung der Anlage deutlich sicherer gestaltet werden konnte.

Schülerinnen und Schüler sitzen in einem Klassenraum während des Unterrichts. Ein Mitglied von Ingenieure ohne Grenzen beobachtet die Lernsituation, um die Perspektiven und Bedürfnisse der Kinder besser kennenzulernen.

Gespräche und gemeinsame Aktivitäten halfen dabei, ihre Bedürfnisse, Wünsche und Herausforderungen im Schulalltag besser zu verstehen.

 

Die Perspektive der Kinder

Wie bereits in der ersten Woche spielten die Kinder auch in der zweiten Woche eine wichtige Rolle.

In Workshops an der Enkong Narok Primary School wurden die Schülerinnen und Schüler eingeladen, ihre Vorstellungen einer idealen Schule zu zeichnen und zu erläutern. Die Ergebnisse lieferten wertvolle Einblicke in die Bedürfnisse und Wünsche der Kinder.

Darüber hinaus begleitete das Team die Kinder auf ihrem täglichen Schulweg. Die teilweise langen Fußwege machten deutlich, welche Herausforderungen viele Schülerinnen und Schüler täglich bewältigen müssen, um Zugang zu Bildung zu erhalten. Besonders während der Regenzeit können diese Wege zu einer zusätzlichen Belastung werden.

Mitglieder der Maasai-Community und das Projektteam von Ingenieure ohne Grenzen nehmen an einer Versammlung im Freien teil. Gemeinsam werden die zukünftige Entwicklung der Schule und weitere Projektschritte diskutiert.

Gemeinsame Community-Versammlung zur zukünftigen Entwicklung der Olasiti Community School.

 

Gemeinsam über die Zukunft entscheiden

Den Höhepunkt der zweiten Woche bildete eine große Community-Versammlung in Olasiti.

Gemeinsam mit den Dorfleitungen von Olasiti 1 und Olasiti 2, Lehrkräften, lokalen Behörden, Vertreterinnen und Vertretern der Community sowie unserem Projektpartner Friends of Pastoralism wurde intensiv über die zukünftige Ausrichtung des Projekts diskutiert.

Ein besonderer Moment war die Vorstellung von fünf Architekturentwürfen, die von Studierenden der HTWK Leipzig entwickelt worden waren. Die Community diskutierte die verschiedenen Konzepte ausführlich und entschied sich schließlich mit großer Mehrheit für einen Entwurf, der sich an der räumlichen Struktur eines traditionellen Maasai-Dorfes orientiert.

Die Diskussionen machten deutlich, wie wichtig kulturell angepasste Lösungen für die Akzeptanz und langfristige Nutzung der zukünftigen Infrastruktur sind.

Darüber hinaus wurden zentrale Entscheidungen für die weitere Planung getroffen. Dazu gehören die Integration eines Kindergartens, die Schaffung eines Gemeinschaftsgebäudes, die Einbindung der zukünftigen Wasserversorgung sowie Maßnahmen zum Schutz der Infrastruktur vor Schäden durch Wildtiere.

Abschied

Die letzten Tage der Ausreise standen im Zeichen der Auswertung und Abstimmung. Gemeinsam mit den lokalen Partnern wurden die gewonnenen Erkenntnisse zusammengetragen, offene Fragen diskutiert und die nächsten Schritte vorbereitet.

Besonders wertvoll war dabei die enge Zusammenarbeit mit der Community, den lokalen Behörden und unserem Projektpartner Friends of Pastoralism. Die zahlreichen Gespräche und gemeinsamen Entscheidungen haben nicht nur wichtige fachliche Erkenntnisse geliefert, sondern auch das Vertrauen zwischen allen Beteiligten weiter gestärkt.

Mit der Rückreise nach Deutschland endete die Erkundungseise vor Ort. Gleichzeitig begann damit die nächste Projektphase: die Auswertung der gewonnenen Daten, die Weiterentwicklung der Planungen und die Vorbereitung der nächsten Schritte auf dem Weg zu einer zukunftsfähigen Bildungsinfrastruktur für Olasiti.

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👉 Weitere Informationen im Projektlogbuch

Ausblick

Im nächsten Projektlogbuch berichten wir darüber, welche Erkenntnisse die Erkundungsreise konkret geliefert hat, welche Herausforderungen identifiziert wurden und wie die gewonnenen Informationen die weitere Projektplanung beeinflussen werden.