Abschluss der Erkundung
Liebe Unterstützer_Innen,
Ich schreibe diese Mail zum größten Teil in der "Ich-Form", aber ohne die ununterbrochene Unterstützung der Projektgruppe hätte ich wohl aufgegeben, da die gesamte Problematik vielschichtiger als erwartet ist. Hier nun die Neuigkeiten aus der Sicht der "Ingenieure ohne Grenzen":
Die Erkundung für ein zukünftiges Projekt (2013) ist abgeschlossen. Seit 5 Stunden bin ich wieder zurück in Potsdam und genieße die Kühle. Ich freue mich bereits auf das Herbsttreffen unserer Projektgruppe "SoWaR" (Solid-Waste-Reduction) nächste Woche an der TU Berlin. Dort werden wir über ein Pilotprojekt beraten, welches die Organisation Yayasan-Gaia-Oasis aus Tejakula (Bali) in Kooperation mit "Ingenieure ohne Grenzen" durchführen möchte. Neue, kompetente Mitstreiter_innen sind herzlich willkommen (bitte weitersagen oder mich kontaktieren).
Hier eine Zusammenfassung der Ereignisse:
Zuerst die negativen Erlebnisse:
- die ursprüngliche Partnerorganisation hat aus regionalpolitischen Gründen ihr Interesse an einer Zusammenarbeit auf Eis gelegt.
- unser Experte George Teke hatte aufgrund seiner Nationalität keine Einreisegenehmigung für die Erkundung bekommen.
- auf Bali (und auch auf Lombok) konnte ich fast überall Kanäle und Flüsse voll mit Abfällen beobachten.
Die positiven Erfahrungen überwiegen:
- vor Ort habe ich viele Balinesen_innen und Zugereiste und Touristen_innen kennen gelernt, welche ihre Erlebnisse und praktischen Erfahrungen mit mir teilten.
- ich erhielt viel moralische und fachliche Unterstützung aus der BRD, Australien und den USA
- viele Balinesen sind sich der Gesundheits- und Umweltschäden bewusst und suchen und fragen nach Lösungen.
- für viele Wertstoffe (Plasteflaschen, Karton, Glas, Metall) gibt es überall auf der Insel Sammelstrukturen, da diese Dinge verkauft werden können.
- die "Yayasan Gaia-Oasis" ist eine professionelle Partnerorganisation und sehr motiviert.
Meine persönliche Erkenntnis ist, dass ein Umdenken (Re-think, Re-use, Re-duce, Re-cycling) in den Haushalten mehr zur Abfallreduzierung beitragen könnte, als jede noch so pfiffige technische Lösung. Aber die meisten Menschen auf Bali denken nicht anders als die meisten Menschen in der BRD. Der einzelne Mensch möchte oft persönliche Kosten und Mühen vermeiden sowie den Komfort des Elektronik- und Plastikzeitalters genießen. Ich habe in indonesischen Schulen festgestellt, dass ein großen Wissen über Umweltschutz und Recycling besteht. Leider wird dieses Wissen kaum praktisch angewendet, da es leichter ist, den gemischten Müll in den Fluss (respektive Meer) zu werfen oder zu verschwelen. Als Argument dafür wurde mir immer wieder gesagt, dass es keine andere Möglichkeit gäbe. Die Möglichkeiten existieren jedoch, wie ich immer wieder beobachten und selbst anwenden konnte.
Ich berichte nächste Woche der Projektgruppe in Berlin und wir werden das weitere Vorgehen diskutieren. Wir hoffen, bald einen Projektantrag stellen zu können und 2013 in Nord Bali ein Pilotprojekt durchzuführen. Dieses soll nicht rein technischer Natur sein, sondern auch die Wissensressourcen der Bevölkerung nutzen und Methoden der täglichen, praktischen Anwendung finden.
Damit bin ich auch schon beim letzten Punkt angelangt, den Finanzen:
Während der letzten 11 Monate in Bali und Australien war ich auch privat unterwegs. Um keine Vermischung mit Spendengeldern zu verursachen, habe ich sämtliche Ausgaben privat erbracht. Während der Kernerkundungszeit Anfang Mai 2012, durfte ich Gast bei der Partnerorganisation sein und hatte keine zusätzlichen Ausgaben. Somit sind alle Spendengelder (681 Euro) weiterhin auf dem Konto der Ingenieure ohne Grenzen. Hiervon wird Geld für etwaige Kosten für die vorgeschriebene Tropen-Nachuntersuchung und eventuelle Kosten während der Projektplanung verwendet. Die Abschlussrechnung wird von der Projektgruppe auf unserer Internetseite veröffentlicht: http://www.ingenieure-ohne-grenzen.org/sowar
An dieser Stelle möchte ich allen Unterstützer_innen (aus moralischer, fachlicher, politischer und finanzieller Sichtweise) in meinem Namen und dem der gesamten "SoWaR"-Projektgruppe der "Ingenieure ohne Grenzen" danken. Für das Pilotprojekt haben wir also schon ein kleines Startkapital, aber die großen Kosten kommen noch. Eine der Ideen der Partnerorganisation und mir ist, zum Beispiel für eine_n balinesische_n Umweltschutz-Ausbilder_in eine Arbeitsstelle zu schaffen, um das Wissen der Schüler_innen der "Senior High School" von Tejakula" anzuwenden, zu erweitern und die Umsetzung in die Familien zu tragen.
Ein spannendes Jahr geht zu Ende. Die engagierten und ehrenamtlichen Mitglieder der "SoWaR" Gruppe wünschen den Menschen auf Bali und allen Unterstützer_innen und des Projektes ein erholsames Weihnachtsfest und ein erfolgreiches neues Jahr. Wir befinden uns bereits mitten in der Vorbereitung des Antrages für das Pilotprojekt. Am 16.1. findet um 17 Uhr das nächste Gruppentreffen statt. Zu diesem Meeting können auch gerne neue Mitstreiter_innen kommen. Wer Interesse hat meldet sich einfach bei steffen.moerbitz(et) ingenieure-ohne-grenzen.org oder bei steffen.peters(et) ingenieure-ohne-grenzen.org . Bei diesen Steffens kann man auch den Abschlussbericht der Erkundung auf Englisch oder Deutsch anfragen. Dieser Bericht beinhaltet einige Fotos, Analysen und viele organisations-technische Details (welche späteren Ingenieure-ohne-Grenzen Projekten dienlich sein sollen).
Also dann - recycelt Abfälle anstatt neue Weihnachtsgeschenke zu kaufen.
Mit solidarischen Grüßen
Stef.fen
PS:
Hier noch mal der Link zum positiv formulierten Video, welches der australische Dokumentarfilmer John Bye erstellt hat:
http://www.youtube.com/watch?v=4D4NlPI-T6c
Die eigentliche Arbeit geht jetzt aber erst los, denn nur ein Fluss sieht manchmal so sauber aus wie der im Video. Oft türmen sich die Abfälle zu meterhohen Bergen. In einem Monat geht die Regenzeit los. Alles was bis dahin nicht schon verbrannt ist, landet im Meer.
30.10.2012 23:24, Helmut Wolman