Durchführungsreise für Quelle Projekt
Erna Schneider
05.08.2014 22:29
Seit 2011 beschäftigt sich die Regionalgruppe Mannheim nun mit der Verbesserung Wasserversorgung im ruandischen Dorf Kirinda. Vor kurzem waren drei Mitglieder der Regionalgruppe vor Ort, um sich den Stand der Arbeiten anzusehen und die laufende Projektphase aktiv mitzugestalten. Im Oktober 2011 war ein Team bereits in Kirinda, um sich vor Ort einen Einblick in die dortige Situation zu schaffen. Das Jahr 2012 wurde intensiv in Mannheim genutzt um das Projekt zu planen und die benötigten Geldspenden zu finden. Für die Umsetzung des Projektes wurde dieses in 3 Phasen aufgeteilt:
1. Phase: Anbringen von Regenrinnen und Aufstellen eines Regentanks
2. Phase: Erneuern der vorhanden Quellfassungen
3. Phase: Erschließen von weiteren Quellen.
Die erste Phase wurde Mitte 2013 von den Bewohnern eigenständig in Fernanleitung der Mannheimer umgesetzt. Um die Umsetzung der zweiten Phase anzuleiten, plante die Projektgruppe Anfang 2014 vor Ort in Kirinda zu sein. Ende Januar 2014 war es dann soweit, drei Mitglieder der Regionalgruppe reisten nach Kirinda.
Als erstes besichtigten die Drei die bereits durchgeführten Arbeiten. Sie stellten fest, dass kleine Ausbesserungsarbeiten nötig sind, die dann nach Absprache mit dem örtlichen Vorarbeiter umgesetzt wurden. Für die Durchführungsreise in Ruanda gab es vier wesentliche Aufgabenblöcke, welche die Gruppenmitglieder ausgearbeitet haben. Als erstes die direkten Arbeiten für die Instandsetzung der Quellen. Die Kommunikation mit den Verantwortlichen bzw. betroffenen Personen vor Ort. Als drittes war die Frage zu klären, wie das Gesamtprojekt umgesetzt werden kann, dass die Nachhaltigkeit gewährleistet ist und als letztes die Planung für die dritte Phase. Die vorhandenen Quellfassungen mussten erneuert werden, da viele Rohre bereits undicht und verstopft sind und keine ausreichende Menge an Wasser liefern. Beide Quellen werden in einen Sammelschacht geleitet und dann über mehrere Wartungsschächte weiter in die Zisterne an der Grundschule geführt. Als die Mitglieder anreisten waren bereits die Leitungen freigelegt worden und teilweise die Rohre entfernt. Die Fläche oberhalb der Quellen wurde gerodet und zukünftig wird ein Rasen gepflanzt. Ebenso wurde oberhalb der Rodungsfläche ein Entwässerungsgraben für das Regenwasser gezogen. Für die Sanierung wurden beide Quellbereiche in 3 Sektoren (linker, mittlerer und rechter) aufgeteilt und nach dem Freilegen und Entfernen der alten Leitungen wurde die wasserführende Schicht der Quelle mit einer Lehmschicht ausgekleidet.
Danach wurde das Drainagerohr verlegt. Dieses Rohr wurde dann mit gewaschenem Kies bedeckt und mit einer Folie überzogen. Die Folie wurde ebenfalls mit Lehm beschichtet und an der Seitenwand befestigt. Zwischen den äußeren und dem mittlerem Sektor wurde jeweils eine Staumauer errichtet, durch die das Drainagerohr führt. Zum Schluss wurde die Baugrube wieder mit Erdreich aufgefüllt. Während der Arbeiten wurde eine der Quellen an einer Seite verlängert, um mehr Wasser zu fassen .Die verwendeten Rohre bestehen aus PVC die mit einem heißen Stab von den Arbeitern selbst mit Drainagelöchern versehen und an den Enden geschlossen wurden. Allgemeine Arbeiten wie der Transport von Wasser, Kies und Lehm von der Abladestelle zur Baustelle, Waschen von Kies und Anrühren von Lehm wurde teilweise über einen Freiwilligendienst (Umuganda) der Schüler und Bewohner umgesetzt.
Eine weitere Aufgabe umfasste die Erneuerung der Ablaufkammern der Quellfassungen. Hierfür wurde der alte und brüchige Putz entfernt und erneuert. Um die zukünftige Wartung zu erleichtern, wurden Aluminiumstangen angebracht die als Trittstufen dienen. Auch die Leitungen die zum Sammelschacht führen wurden aufgegraben und erneuert, da sie mit Wurzeln durchwachsen, Erdreich reingewaschen und sie somit verstopft waren. Um die Nachhaltigkeitsidee umzusetzen, haben sich die drei Mitglieder Gedanken zur Wasserbeprobung gemacht. Bereits bei der Erkundung wurden Proben genommen und keine bedenklichen Verunreinigungen festgestellt.
Auch auf dieser Reise wurden Proben entnommen, z. B. an den Ablaufkammern, an der Zisterne und den verschiedenen Sammelschächten. Auch aus dem Wasser der Regenrinnen wurden Proben entnommen die untersucht werden. Ein weiterer Aspekt sieht die Einzäunung der Flächen oberhalb der Quellen vor. Dies ist notwendig, um eine Beweidung und den damit verbundenen Eintrag von Fäkalien ins Quellwasser zu verhindern. Weiterhin kümmern sich die Mitglieder darum, dass der bisherige und auch zukünftige Rohrleitungsverlauf markiert wird, vor allem wenn die Rohre durch Felder führen. In manchen Situationen ist es auch notwendig robustere Materialien einzusetzen oder die Rohre direkt tiefer zu verlegen. Die hohe Feuchtigkeit und die Regenzeit machen es notwendig, die Schächte mit einfachen und nicht rostenden Systemen zu verschließen, da bereits in der Vergangenheit viele Schlösser verrostet sind und nicht mehr zu öffnen waren. Ein bedeutender Gesichtspunkt ist die Klärung der Wartungs- und Instandhaltungsverantwortung. Hierfür ist es notwendig eine Person oder Gruppe zu finden, die verantwortlich ist für das System. Hierzu gehört aber auch der grundlegende Aufbau des Systems. Daher hat die Gruppe von Anfang nur lokale Arbeiter und einen lokalen Vorarbeiter einbezogen und das System simpel aufgebaut. Zudem wurden lokal vorhandene Materialien verwendet, die im Bedarfsfall einfach beschafft werden können. Der wichtigste Aspekt in diesem Projekt ist das Einbeziehen der lokalen Bevölkerung und in diesem Fall auch der Schüler der Grundschule und Weiterführenden Schule im Ort. Dies verbindet die beiden Aufgabenblöcke Nachhaltigkeit und Kommunikation. Ein wichtiger Bestandteil aller Projekte von Ingenieure ohne Grenzen ist die Kommunikation mit den Bewohnern und Verantwortlichen direkt vor Ort. Für dieses Projekt gilt es zu beachten, dass der Pastor eine sehr wichtige Rolle einnimmt. Die Mitglieder sind außerdem im direkten Austausch mit dem District Leader, dem Parish (rechte Hand des Pastors), sowie den Direktoren der Schulen.
Die Partnerorganisation nimmt beim Aufbau der Kommunikation eine Schlüsselrolle ein. Die Mitglieder haben geholfen den Kontakt aufzubauen und wichtige Informationen am Anfang und im Verlaufe des Projektes weiterzugeben. Eigens hierfür wurde das Water Commitee gegründet. Mitglieder sind der Pastor, Parish, District Leader, Direktoren der Schule, Lehrer, Vertreter der Partnerorganisation sowie die Projektgruppe der Regionalgruppe Mannheim. Gemeinsam mit den Mitgliedern wird ein Konzept erarbeitet, um den Schülern und auch Bewohnern des Dorfes die bedeutende Rolle von Wasser zu erläutern. Hierfür wird ein Water Awareness Training von der Projektgruppe aus Mannheim für die Lehrer angeboten, welche das Wissen an ihre Schüler weitergeben sollen. In diesem Training soll den Teilnehmern vermittelt werden, warum sauberes Wasser wichtig ist. Weiterhin erhalten die Beteiligten Informationen über das Projekt der Ingenieure ohne Grenzen. Ein weiterer Bestandteil des Trainings ist es den Lehrern zu vermitteln, dass es entscheidend ist das System zu reinigen und etwaigen Reparaturbedarf weiter zu geben. Ziel dieses Trainings ist, dass die Lehrer eine Unterrichtseinheit erstellen, um ihren Schülern dieses Wissen näher zu bringen. Während all dieser Aufgaben haben die Projektmitglieder noch die Planungsarbeiten für die dritte Phase begonnen. Die drei neuen Quellen, die gefasst werden sollen, wurden zusammen mit dem Bauleiter und Techniker begutachtet und dabei verschiedene Charakteristika aufgenommen. Zwei der Quellen weisen einen teilweise felsigen Untergrund auf und werden bereits von wenigen Personen saisonabhängig genutzt. Eine der Quellen ist bereits gefasst. Bei der Begehung wurde der mögliche Rohrleitungsverlauf abgelaufen und mit einem Video und GPS dokumentiert. Der geplante Verlauf würde durch eine Senke führen, was vermieden werden muss. Hierfür wurden bereits Lösungsansätze betrachtet. Zum einen wurde ein anderer Verlauf in Erwägung gezogen, eine Brücke zu bauen oder den Bereich aufzuschütten. Nach ihrer Rückkehr hat die Projektgruppe die weitere Entwicklung in Kirinda verfolgt. Von den Verantwortlichen vor Ort wurde die Einzäunung des Quellgebiets übernommen, aber auch die Reparatur des Dachrinnensystems aus Phase 1. Wenn das Water Awareness Training zufriedenstellend durchgeführt wurde, kann auch die endgültige Planung und Umsetzung der dritten und letzten Phase beginnen.