Brauchwasserversorgung für ein Studentinnenwohnheim in Mtwara/Tansania
Regionalgruppe Münsterland
24.05.2013
Aktueller Projektstand
Das Projekt konnte erfolgreich durchgeführt und termingerecht zum Abschluss gebracht werden. Alle Rechnungen sind bezahlt und auch der Durchführungsbericht wurde bereits erstellt. Es wird weiterhin Kontakt zu dem Projektpartner vor Ort gehalten, um ggf. bei Problemen beratend zur Seite zu stehen. Bis jetzt gab es jedoch keine weiteren Schwierigkeiten und die Studentinnen können problemlos mit Brauchwasser versorgt werden.
Die Ausgangssituation:
Das Wohnheim wird von den Missions-Benediktinerinnen von Tutzing -dem Projektpartner vor Ort- gebaut und betrieben. Mit der Eröffnung der Universität Mtwara in 2009 sind dringend neue Unterkunftsmöglichkeiten für die Studentinnen erforderlich geworden. Durch die öffentliche Versorgung ist jedoch keine konstante Wasserversorgung gewährleistet. Zudem kommt es nachweislich sogar in der Regenzeit von Dezember bis Mai zu Wasserengpässen, daher ist hier dringend Handlungsbedarf gefordert, um die hygienische Lebensgrundlage der Studentinnen zu gewährleisten.
Projektidee:
Das über die Dächer des Wohnheimes (vier baugleiche Gebäude) gesammelte Regenwasser und das Stadtwasser werden in die Zisterne geleitet. Von dort wird es in Tanks auf den Dächern gepumpt und kann als Brauchwasser für die Duschen, Toilettenspülungen und Waschbecken des Wohnheimes genutzt werden. In der sechsmonatigen Trockenzeit kann öffentliches Wasser zwischengespeichert werden. Die 45m³ große Zisterne ist so dimensioniert, dass sie wenn sie einmal gefüllt ist, einen Zeitraum von einer Woche überbrücken kann, in der weder Stadt- noch Regenwasser zur Verfügung stehen.
Die Technik:
Zur Nutzung der natürlichen Ressourcen wird das Regenwasser von den Dächern der vier baugleichen Häuser über Regenrohre in zwei Filterschächte geleitet die jeweils links und rechts neben der Zisterne angeordnet sind. In jedem Fallrohr befindet sich ein „First-Flush“. Dieser leitet während der gesamten Trockenzeit und dem ersten Regen zu Beginn der Regenzeit das Wasser (Tauwasser und erster Regen) in einen Ablauf, sodass Verschmutzungen auf den Dächern nicht in die Zisterne gelangen. Nach dem ersten Regen wird der „First-Flush“ umgesteckt und das Wasser in die Filterschächte geleitet. Hier fließt es durch ein Sieb in die Zisterne. Zudem wird das Stadtwasser direkt in die Zisterne geleitet. Das Zulaufrohr wird am Einlauf mit einem Schwimmerventil versehen das die Zufuhr des Stadtwassers an einer Zielmarke stoppt. Das Verteilungsmanagement ist so optimiert, dass kein teures Stadtwasser verschwendet und eine maximale Wassermenge immer vorgehalten wird.
Jeweils zwei Häuser werden durch eine Pumpe mit Brauchwasser versorgt. Zwei elektrische Pumpen befördern das Wasser in die Tanks auf Haus 2 und 3. Die beiden Tanks von Haus 1 und 2 als auch die Tanks von Haus 3 und 4 sind jeweils mit einer kommunizierenden Röhre verbunden, sodass immer beide Tanks gleich gefüllt werden. Somit wird nur ein Schwimmer-Schalter jeweils in den Tanks 2 und 3 installiert. Die Tanks sind über den sanitären Einrichtungen angeordnet, sodass das Wasser mit Hilfe der Schwerkraft in die Toiletten, Duschen und Waschbecken gelangt. Das Abwasser wird in Septictanks gespeichert, die regelmäßig geleert werden. Die Entwässerung war Schematische Darstellung des Brauchwasser-Versorgungssystems (die Solaranlage war anfangs im Gespräch, konnte jedoch aufgrund der Fehlenden finanziellen Mittel leider nicht realisiert werden) jedoch nicht Bestandteil des Projekts.
Maßnahmen zu Nachhaltigkeit und Betrieb:
Im Hinblick auf einen funktionierenden Betrieb des Systems wird eine Schwester für das Studentinnenwohnheim und die Zisterne verantwortlich sein. Sie wurde während der Bauarbeiten regelmäßig mit auf die Baustelle genommen, und von den Ingenieuren vor Ort in die Technik und Wartung des Wasserversorgungssystems eingewiesen. Sie wird das „First-Flush“-System und die Schalter der Pumpen bedienen.
Darüber hinaus stellt das ausgeführte Brauchwasserversorgungssystem eine Gesamtlösung dar, in der sowohl die natürlichen Ressourcen (Regenwasser) als auch die kommunale Wasserversorgung mit einem optimierten Verteilungsmanagement zentral mit einer Zisterne als Kernstück betrieben wird. Hieraus ergeben sich sowohl nachhaltig Kosten- und Energieeinsparungen als auch eine zuverlässige Wasserversorgung. Das Projekt wurde sowohl mit ortsüblich angepassten Baumethoden und Materialien durchgeführt. Dadurch, dass örtliche Arbeitskräfte angeworben wurden, war ihr Verdienst zumindest für diesen Zeitraum gegeben.
Wir danken allen Förderern, die dieses Projekt möglich gemacht haben und freuen uns auf das nächste Projekt in Mtwara! (siehe Wasserdesinfektion für Tansania)