Heimisch werden

Heimisch werden

05.04.2013 22:18

Jakob Rauch

Der zweite Tag in Ladakh begann für uns, zusammen mit den Novizen, bereits um 7:30 Uhr. Allerdings aßen wir nicht mit ihnen zusammen, sondern bekamen das Frühstück im Nachbarraum serviert. So hatten wir, wie bereits am Vortag, die Möglichkeit uns in Ruhe mit dem Stellvertretenden Leiter des Campus, Bhante Nagasena, und seinem Bruder Chenananda auszutauschen. Auch in der nächsten Zeit, soviel sei an dieser Stelle einmal voraus genommen, sind es vor allem die Mahlzeiten, in denen wir sehr fruchtbare Gespräche mit den Verantwortlichen führen können.

Im Anschluss an das Frühstück setzten wir zunächst unseren Rundgang fort. Diesmal nahmen wir vor allem den oberen Teil des Campus unter die Lupe. Allen voran das Meditationszentrum und der dort platzierte Hochbehälter waren von besonderem Interesse. Dieser Behälter versorgt alle Gebäude mit Wasser und wird außerdem für einen großen Teil der Bewässerung verwendet. Auf dem Rückweg zu unserem Quartier wollten wir uns eigentlichen nur kurz den Morgenappell in der Schule anschauen.

Die Leiterin der Schule hatte anscheinend bereits von unserer Anwesenheit und dem damit verbundenen Vorhaben erfahren. So wurden wir im Laufe der Zeremonie begrüßt und der gesamten Schule vorgestellt. Es stellte sich außerdem heraus, dass beispielsweise das Thema Waste-Management bereits in den Lehrplan integriert wurde. Die Problematik ist also bekannt und man versucht Lösungen zu entwickeln. In einem anschließenden Gespräch konnten wir noch etwas weiter ins Detail gehen. Schließlich können wir uns vorstellen, die Schule bei der Arbeit zu diesen Themen zu unterstützen. Anscheinend mangelt es derzeit vor allem an Lehrkräften, die sich genauer mit der Problematik auskennen und Interesse daran haben sie den Kindern näher zu bringen. In den nächsten Tagen werden wir uns nochmal zusammen setzten, um genaueres zu besprechen.

Den Nachmittag nutzen wir für einen Ausflug ins nahe gelegene Leh. Leider waren viele der Läden geschlossen, da die Saison für Touristen noch nicht richtig angefangen hatte. Dennoch gab es einiges zu entdecken. Im Sammeltaxi zurück begegneten wir noch drei Ladakhis, die sich die ganze Fahrt über wie Kinder ärgerten und dabei einen riesigen Spaß hatten. Etwa auf halber Strecke wurden wir von einem leichten Sandsturm überrascht, der das Indus-Tal in eine Staubwolke hüllte. Den letzten Kilometer zum Campus mussten wir zu Fuß durch den Sandsturm zurück legen. Zum Glück kam der Wind von hinten, sodass wir wenigstens noch ein bisschen was sehen konnten. Dennoch knirschte es am Ende zwischen den Zähnen und alles war mit einer leichten Staubschicht bedeckt.

Die nächsten Tag werden wir damit verbringen weitere Informationen zu sammeln und diese vor allem in Karten darzustellen. Das wichtigste ist zunächst die Kartierung sämtlicher Wasserleitungen, da sie eine wichtige Grundlage für den geplanten Wassermanagementplan liefern. Ebenfalls von großer Bedeutung ist das Aufnehmen der Brunnen und Wassertanks sowie der verschiedenen Wasserverbraucher, z. B. Grünanlagen, Küchen oder sanitäre Einrichtungen.