Hygiene macht Schule - Innovative Sanitärversorgung in Südafrika

Hygiene macht Schule - Innovative Sanitärversorgung in Südafrika

Moritz Scharnke

27.07.2012 13:34

Täglich sterben weltweit 4000 - 5000 Kinder an Durchfallerkrankungen, diese sind somit die zweithäufigste Todesursache. Die meisten Durchfallerkrankungen könnten durch angemessene sanitäre Versorgung vermieden werden.
Im Chris Hani District in der Provinz Eastern Cape in Südafrika haben nur 50% der Bevölkerung Zugang zu Latrinen oder Toiletten. Besonders in den ländlichen Regionen ist die sanitäre Grundversorgung nur ungenügend gewährleistet.

Um die Sanitärversorgung in einer Schule mit 800 Schülern sicherzustellen, wird diese mit Trockentrenntoiletten ausgestattet. Dies ist eine hygienische Sanitärtechnik, die ohne Wasserspülung auskommt. Mit Hilfe unserer Partnerorganisation Children's Resource Center wird das Wissen um diese Technik an die Schüler weitergegeben und soll so langfristig in ihre Familien weitergetragen werden.

ÜBERBLICK
Täglich sterben weltweit 4000 - 5000 Kinder an Durchfallerkrankungen, diese sind somit die zweithäufigste Todesursache. Die meisten Durchfallerkrankungen könnten durch angemessene sanitäre Versorgung vermieden werden.
Im Chris Hani District in der Provinz Eastern Cape in Südafrika haben nur 50% der Bevölkerung Zugang zu Latrinen oder Toiletten. Besonders in den ländlichen Regionen ist die sanitäre Grundversorgung nur ungenügend gewährleistet.
Um die hygienische Situation in dieser Region zu verbessern, ist geplant, in Zusammenarbeit mit dem südafrikanischen Children’s Resource Center (CRC), das Konzept der Trockentrenntoiletten (UDDT) in dieser Region einzuführen.
In einem ersten Schritt wird durch den Bau von Trockentrenntoiletten die sanitäre Grundversorgung für die ca. 800 Schüler einer Schule im Eastern Cape sichergestellt. Mit den Strukturen des CRCs sollen in der Schule AGs gegründet werden, die einerseits den Betrieb der Toiletten und die Rückführung der Nährstoffe sichern. Andererseits wird so das Wissen um Hygiene und Sanitärversorgung in der Schule und in die Familien der Schüler weitergetragen. Eine Einbettung des Projektes in ein Landwirtschaftsprojekt des CRCs und der lokalen Universität, mit dem Ziel Fäkalien gewinnbringend als Dünger zu verwerten, ist ebenfalls geplant. Mit diesem Projekt wollen wir langfristig das wassersparende und hygienische Konzept der Trockentrenntoilette über die Schule hinaus in die Dörfer tragen.

AUSGANGSLAGE
Die Dörfer Kubengu und McBride liegen im Chris Hani District im Eastern Cape, wo die Bevölkerung noch immer mit den Spätfolgen der Homeland-Politik des Apartheidregimes zu kämpfen hat. Dazu gehören:
• deutlich schlechtere Infrastruktur (technisch & sozial) als andere Regionen des Landes
• mangelnde Sanitärversorgung, nur etwa die Hälfte der Bevölkerung hat Zugang zu Latrinen
• Verunreinigung des Grundwassers durch versickernde Fäkalien
• gesundheitsschädigende Folgen für die Bevölkerung
• fehlende Hygieneaufklärung

Die Sibuyele Schule in McBride hat mit 800 Schülern gerade mal drei Latrinen zur Verfügung, die sich in sehr schlechtem Zustand befinden. Mangelnde Hygiene und fehlende Sanitäranlagen führen zu einer schnellen Verbreitung von Durchfallerkrankungen, die bei Kindern zum Tod führen können.

LÖSUNG
In Zusammenarbeit mit dem südafrikanischen Children‘s Resource Centre (CRC) wollen wir die Technik der Trockentrenntoiletten (UDDT) einführen.
Die Technik der UDDT ist ein in Vergessenheit geratener Umgang mit menschlichen Fäkalien. Die Trennung und separate Lagerung der Fäzes und des Urins ermöglicht Nährstoffe aus den Ausscheidungen in den natürlichen Nahrungsmittelkreislauf rückzuführen, ohne Krankheiten zu verbreiten. Die UDDT bietet nicht nur eine gute Alternative zu herkömmlichen Spültoiletten, sondern ist ein intelligentes und ressourcenschonendes System, welches auch in Europa bei umweltbewussten Menschen wieder vermehrt Anklang findet.
Die UDDT verfügt über eine Vorrichtung in der Toilettenschüssel zur Trennung von Urin und Fäzes auf zwei Kammern. Der Urin ist nach einer Lagerung von einem halbem Jahr als Pflanzendünger verwendbar. Es enthält große Mengen an Phosphor, Stickstoff und Kalium. Dies sind Stoffe, die heutzutage teuer für Düngzwecke hergestellt werden. Die Fäzes werden durch eine halb- bis zweijährige Trocknung (abhängig von der Klimaregion) und anschließender Kompostierung hygienisiert und in Humus umgewandelt. Nach jedem Stuhlgang werden statt des Spülens bei herkömmlichen Toiletten die Fäzes mit einer Schaufel Asche, trockener Erde oder Sägespäne abgedeckt. Dies dient der schnelleren Trocknung. Der entstandene Humus bietet eine nährstoffreiche Bodenergänzung, die positive Auswirkungen auf Pflanzenwachstum und Ertrag hat.
Die von uns geplanten UDDT sind geruchsneutral. Dadurch werden keine Fliegen angelockt, die Krankheitserreger verbreiten, und die Toiletten können in oder direkt an die Häuser gebaut werden.
Da die UDDT kein Wasser verbraucht, kann sie fernab von Wasser- und Abwassersystemen gebaut werden und verbraucht keine Energie. Sie ist somit ressourcenschonend und schützt die Gesundheit, da durch sie keine Schadstoffe in Grundwasser oder Oberflächengewässer gelangen.

KONZEPT
Der Verein Ingenieure ohne Grenzen möchte Menschen in ihrer Entwicklung begleiten, mit dem Ziel, dass sie ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit erlangen.

Bei unserem Projekt legen wir daher besonderen Wert auf
• Akzeptanz von Trockentrenntoiletten
• Bewusstseinsbildung für Hygiene und Grundwasserreinhaltung
• Training der Nutzer in Handhabung und Wartung der Trockentrenntoiletten
• Wissenstransfer in die Familien
• Verwendung der Wertstoffe in Gartenbauprogramm

Dies wird durch eine Einbettung von Workshops in das Gesundheitsprogramm des CRC und den Schulunterricht realisiert. Die betreuenden Lehrer werden während der Projektimplementierung gezielt geschult.
Gemeinsam mit den Schülern wird für Gleichaltrige nachvollziehbares Anschauungsmaterial zur Nutzung der Toiletten, Körperhygiene und zum Verständnis der Einflüsse von menschlichen Fäkalien auf die Umwelt erstellt.
Die Erfahrungen über Bau von Trockentrenntoiletten, sowie Nutzung und Verwendung der Wertstoffe können über die Schüler in die Familien weitergetragen werden. Idealerweise verbreitet sich so der Trockentrenntoilettenbau auch im privaten Sektor weiter.

PROJEKTABLAUF
Um die Grundlage für nutzerfreundliche und vor allem nachhaltige Projekte zu legen, folgt jedes Projekt bei Ingenieure ohne Grenzen einem bewährten Ablauf aus Erkundung, Projektdurchführung und Evaluation.

Die Erkundung…
…ist Voraussetzung, um die individuellen Bedürfnisse der späteren Nutzer herauszufinden und die Dorfstrukturen sowie kulturell geprägte Gewohnheiten zu verstehen. Gemeinsam mit den Nutzern soll eine angepasste Technik erarbeitet werden, um so die Akzeptanz in der Öffentlichkeit zu sichern.
In diesem Projekt werden bei der Erkundung sowohl die Partnerorganisation CRC sowie der Schulleiter der zukünftigen Projektschule von Anfang an in das Projekt eingebunden. Es findet auch eine Kontaktaufnahme mit lokalen Krankenhäusern und Entscheidungsträgern statt, um ein umfassendes Bild der momentanen gesundheitlichen und sanitären Situation und der bereits laufenden Projekte im Chris Hani District zu gewinnen.
Zudem werden in Südafrika wichtige Daten erhoben, um die Trockentrenntoiletten ideal an die örtlichen Bedingungen anpassen zu können.
Des Weiteren werden Projekte in Südafrika besucht, in welchen bereits erfolgreich Trockentrenntoiletten eingeführt wurden.

Bei der Projektdurchfühührung…
…wird die gewählte Technik in Zusammenarbeit mit den zukünftigen Nutzern gebaut. Die zukünftigen Nutzer, in diesem Projekt die Schüler und Lehrer, werden von Anfang an am Bau der Trockentrenntoiletten beteiligt. Dies dient zum einen der Ausbildung in Umgang und Wartung der Toiletten und zum anderen ihrer Identifizierung mit dem Projekt und dessen Wertschätzung.

Die Evaluation…
…kommt in der Entwicklungszusammenarbeit leider oft zu kurz. Sie ist jedoch äußerst wichtig, um zu überprüfen, inwieweit das Projekt den Begünstigten tatsächlich langfristig zu gute kommt.
Bei Projekten von Ingenieure ohne Grenzen findet die Evaluation in der Regel 1 - 2 Jahre nach der Projektdurchführung statt und erst danach zählt das Projekt als abgeschlossen.

WISSENSTRANSFER
Der Wissenstransfer wird durch eine Einbettung von Workshops in das Gesundheitsprogramm des Children’s Resource Center und den Schulunterricht realisiert. Beim Ausbildungsprogramm des CRCs werden ältere Schüler vom CRC geschult und geben das Wissen weiter an die jüngeren Schülergenerationen. Die verantwortlichen Lehrer werden während der Projektimplementierung gezielt geschult, um den Wissens-transfer betreuen zu können.
Gemeinsam mit den Schülern wird für Gleichaltrige nachvollziehbares Anschauungsmaterial zur Nutzung der Toiletten, Körperhygiene und zum Verständnis der Einflüsse von menschlichen Fäkalien auf die Umwelt erstellt.
Langfristig soll ein Wissenstransfer in die Familien der Schüler stattfinden. Hier haben die Schüler die Rolle des Mittlers für ältere Generationen. Die Erfahrungen über Bau von Trockentrenntoiletten sowie Nutzung und Verwendung der Wertstoffe können über die Schüler in die Familien weitergetragen werden. Idealerweise verbreitet sich so der Trockentrenntoilettenbau auch im privaten Sektor weiter. Um dies zu unterstützen ist eine Ausbildungsstruktur zu Toilettenbauern durchdas CRC oder Universitäten geplant. Weiterhin ist die Einbettung des Projektes in ein Landwirtschaftsprojekt der Universität angedacht, um Urin und Fäzes gewinnbringend zu verwerten.

DIE PARTNERORGANISATION
Das Children‘s Resource Centre ist eine anerkannte Nichtregierungsorganisation mit Hauptsitz in Kapstadt.
Es verwaltet das Children‘s Movement, dessen Ziel es ist den landesweit rund 5000 Mitgliedern grundlegende Alltagsfähigkeiten zu vermitteln. Diese Aufgabe kommt in der Schulbildung leider zu kurz.
Das CRC arbeitet mit dem südafrikanischen Department of Health zusammen und leistet unter anderem Aufklärungsarbeit in Sachen Körperhygiene und  Umweltbewusstsein. Unter dem Slogan „respect yourself, respect others, respect the environment“, wird den Schülern beigebracht, wie sie ihre Gesundheit mit einfachen Maßnahmen schützen können.

CRC Kapstadt
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