Regen
Mittwoch 16-02-2011
Verena:
Die letzten beiden Nächte hatte es geregnet und gewittert. An sich nicht weiter schlimm, eher noch positiv für unseren Beton, gäbe es nicht ein paar Unannehmlichkeiten.
Erstens: Durch das Gewitter wurden einige Stromleitungen beschädigt, also gab es keinen Strom. Das sind wir generell eigentlich gewohnt. Der Kühlschrank wird einfach mit möglichst haltbaren Lebensmitteln gefüllt, gekocht wird mit Gas, Akkus sollten möglichst immer voll sein und abends benutzen wir Kerzen. Doch wenn beinahe zwei Tage der Strom wegbleibt und einige Badbenutzer mit Magen-Darm-Problemen zu kämpfen haben, geht irgendwann das Wasser aus. Der Wassertank wird nämlich durch eine elektrische Pumpe befüllt. Blöd. Zunächst halfen wir uns mit gesammeltem Regenwasser aus.
Zweitens bringt der Regen Insekten mit sich. Besonders Mücken und Termiten. Teilweise etwas unangenehm, aber auch interessant.
Und wer hoffte, der Regen bringt etwas Erfrischung. Naja, ein paar Grad kühler wird es schon, aber dafür ungleich schwüler.
Auf der Baustelle ging es derweil gut voran. Am Mädchenkomplex gewannen die Mauern etwas an Höhe und am Jungenkomplex wurden die Stützen und Treppenbegrenzungen komplettiert. Den restlichen Tag wurde zur Kalkulation der Schalung verwendet und für Materialbestellungen. Diese macht man eigentlich immer vor Ort mit Vorauszahlung. Dadurch dauert sowas deutlich länger.
Abends entschlossen Angela und ich aufgrund mangelnder Duschmöglichkeit bei Christina zu übernachten. Wir kauften noch frischen Fisch und genossen ein schönes Abendessen.
Stefan:
Früh in den Morgenstunden erreichte Stefan die verregnete und kalte Hauptstadt Kenyas und checkte in das Hotel ein, in dem Verena und Stefan bereits bei der Erkundung residierten. Nach ein, zwei Stunden gutem Schlaf machte er sich auf, um zunächst die Lieferung von Kentainers zu organisieren. Angekommen nach Verirrfahrt und Traffic Jam wurde Stefan nett empfangen. Aber Stefan war alles andere als freundlich und tobte herum. Ende der Geschichte war, dass man ihm einen Fahrer besorgte. Dieser würde das Material zum Busdienst bringen, wo das Material dann nach Ukunda transportiert würde. Noch am selben Abend würde die Ladung seinen Weg nach Ukunda finden, auf die wir nun 3 Wochen lang gewartet hatten.
Die Zeit reichte noch aus, um dem "Maji House" einen Besuch abzustatten. Dort findet sich das Ministry of Water and Irrigation und das Ecosan Büro der GIZ, welches von Patrick Onyango geleitet wird. Herzlich war der Empfang und diesmal erwiderte Stefan gerne. Im Büro hing gleich 2mal ein Bild von unserem letzten Besuch im April 2010. Patrick konnte es kaum erwarten Neuigkeiten von den Entwicklungen an der Küste zu erfahren und wollte wissen, wie es mit meiner Bachelorarbeit lief. Er hatte mich in der Bearbeitungszeit tatkräftig mit Material versorgt.
Ich berichtete ihm von unseren Problemen mit "NEMA" (der Umweltbehörde) und dem Bericht, den wir vorlegen müssen. Patrick erzählte, dass derartiges mit dieser Behörde nichts Neues wäre und dass das Projekt der spanischen Ingenieure ohne Grenzen deswegen auf der Kippe stand.
Schnell wusste er Rat. Er würde einen Freund kontaktieren, welcher unabhängiger Umweltberater in Mombasa ist. Dieser habe für Patrick bereits einen Umweltbericht zu den Trenntoiletten geschrieben. Eine Kopie gab mir Patrick mit und empfahl mir diesen in wenigen Punkten zu ändern und seinen Freund in Mombasa zu konsultieren.
Zufällig war an diesem Tag Hagen von Bloth im Ecosan Büro. Er hat bereits viel Erfahrung in der Entwicklungszusammenarbeit mit der GIZ, insbesondere im Biogasanlagenbau. Mit ihm und Patrick diskutierten wir über die Entwicklung in der Sanitärproblematik in Kenia und ich ersuchte Rat für das am nächsten Tag festgelegte Treffen mit Daniel Kuria. Stefans Besuch im Ecosan Büro endete mit der Durchsicht der Pläne. Hagen sprach sein Lob aus und empfahl Ingenieure ohne Grenzen aufbauend auf diesem Projekt in Ukunda weitere Projekte derselben Art zu starten und beratend tätig zu sein.