Technische Vorerkundung: Teil 1
08.10.2011 21:34
Nachdem wir in den letzten Berichten einen ausführlichen Einblick in den Schulunterricht gegeben haben möchten wir in den nächsten Beiträgen auf die technischen Inhalte der Vorerkundung eingehen.
In der Küstenregion Kenias, ca. 40 km südlich von Mombasa liegt Ukunda, wo wir derzeit zur Vorerkundung sind. Der Ort liegt direkt an der Durchgangsstraße nach Tansania und hat ca. 60.000 Einwohner.
Der Begriff „Ort“ ist natürlich mit einem deutschen Ort nicht zu vergleichen. Ukunda ist mehr oder weniger eine gigantische Ansammlung von Hütten und Häusern, die sich an der Kreuzung der Straße nach Tansania mit einer Straße zum Strand gebildet hat. Es gibt kein richtiges Ortzentrum und auch keine Straßennamen. Dafür gibt es in Ukunda inzwischen natürlich alles, was es in einem Ort dieser Größe geben muss (Post, Bank, Geschäfte, Metzger, Händler usw.). Einiges ist in ganz normalen Häusern untergebracht, die auch in Deutschland stehen könnten. Anderes ist aber auch in einfachsten Hütten oder Verschlägen untergebracht, die gleich neben den eben erwähnten Häusern stehen.
60.000 Einwohner hören sich auch nach mehr Ordnung an, als hier herrscht. Natürlich ist diese Zahl nur eine Schätzung, viele Menschen leben heute hier und morgen dort. Viele Einwohner Ukundas haben vier gemauerte Wände und ein Dach über dem Kopf. Sehr viele leben aber auch in Hütten aus Holzstäben und Palmblättern, die anderntags wieder abgerissen werden könnten.
Strom gibt es in Ukunda aus dem öffentlichen Netz, allerdings ist Strom in Kenia im Verhältnis ungeheuer teuer. Für eine Kilowattstunde Strom werden aktuell ca. 20 kenianische Schilling (KSh) fällig, was etwa dem deutschen Preis von 0,15 Euro für eine kWh entspricht. Damit kostet eine kWh in Kenia genauso viel wie in Deutschland. Allerdings verdient ein kenianischer Lehrer gerade einmal 100 Euro pro Monat. Bezogen auf die Kaufkraft würde eine einzelne kWh in Deutschland damit fast 6 Euro kosten. Strom generell und der Betrieb jedes einzelnen elektrischen Geräts wird damit hier zum Luxus, den sich nur die wenigsten leisten können. So kommt es, dass die überwältigende Mehrheit der Einwohner in Ukunda keinen Strom zu Hause hat. Ein generelles Problem in Kenia.
In diesem Umfeld bewegen wir uns mit unserem Projekt. Die Verhältnisse hier sind also grundverschieden zu denen in Deutschland. In unserem nächsten Bericht werden wir noch näher auf die Schule eingehen und beschreiben, wie die Ingenieure ohne Grenzen hier planen zu unterstützen.