Malawi-Projekt - Implementierung - Teil 1 - Die ersten Tage in Malawi
Nachdem glücklicherweise nur der erste von drei Flügen durch eine Zugfahrt ersetzt wurde, sind wir nach über 22 Stunden Reisezeit von einem freundlich lächelnden Zollbeamten bei strahlendblauem Himmel in Lilongwe begrüßt worden. Nachdem er uns eine neue Staatsbürgerschaft gegeben hat („Dutch“ anstelle von „Deutsch“), machten wir uns auf den Weg nach Lilongwe zu unserer neuen unsere Bleibe für die nächsten drei Wochen, dem Mabuya Camp. Die lauwarmen Temperaturen sind nach dem langen Flug eine willkommene Erholung, außer für Marlon, der friert tatsächlich in Afrika (wir werden noch häufiger feststellen, dass Marlon ein anderes Temperaturempfinden hat als wir).
Angekommen im Camp, erstmal einchecken und Zimmer begutachten. Erster Eindruck, ernüchternd. Eine Quietschende Tür, vier wacklige Kisten, welche wohl als Schrank dienen sollen und zwei etwas marode wirkende Doppelstockholzbetten in einem 6m² Dormzimmer. Dafür überraschte uns ein kleiner Pool im Garten des Camps. Schnell die Sachen in die Ecke geworfen und rein in die Badesachen. Doch Halt! Wo bleibt Marlon?! Richtig…ihm war schon wieder kalt! Allen Mut zusammen genommen kämpfte er sich Zentimeter für Zentimeter ins eiskalte Nass! Tausendsassa!
Erholt von der Reise sollte es am nächsten Tag gleich nach Chikhosi zu den Chambala Schools gehen. Patrick Zakunja, unser Übersetzer, Fahrer und bester Mann holte uns im Camp ab und brachte uns nach knapp zweistündiger Fahrt nach Norden zu den Schulen. Auf dem Weg dahin begrüßten uns neben den landestypischen Händlern am Straßenrand auch die von Kindern selbstgefangenen und zubereiteten üblichen Mittagssnacks: frisch gekochte und getrocknete Mäuse und Fledermäuse am Spieß. Leider war unser Frühstück so üppig, dass wir dankend ablehnen mussten. Aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben! Weg von der Hauptstraße ging es ca. 3km über eine staubige Schotterpiste zuerst zur Secondary School. Hier wurden wir bereits von einer Delegation aus Lehrern, Group Chief Chipokolo und hunderten neugierigen Kinderaugen erwartet. Die tapfersten Kinder trauten sich auch an den Lehrern vorbei, um uns auf Englisch anzusprechen. Manche wurden wohl aber auch von den anderen Kindern nach vorn geschubst.
Das erste Gespräch fand mit dem Headteacher Johny statt, welcher sich besonders freute, als er Christian wiedersah und er ihn auch noch erkannte. Es gab herzliche Umarmungen mit allen und viele Gruppenfotos mit allen 654 Schülern. Stolz wurden uns die Erfolge der Primary School präsentiert: Schüler, die es auf die Secondary School geschafft haben. Ganz besonders stolz wurde uns eine Schülerin präsentiert, die sogar Klassen übersprungen hat und demnächst auf eine Government Secondary School gehen wird. Zum Abschluss des Gesprächs haben wir mitgebrachte Fußbälle als Gastgeschenke übergeben. Dies führte zwar für ein paar Minuten zu einem Ausnahmezustand, doch nach einem Machtwort von Johny waren alle wieder ruhig und die Schüler gingen zurück in ihre Klassen. Besonders positiv überrascht waren wir über die Führung der Primary School, welche sich im Vergleich von vor zwei Jahren deutlich verbessert hat. Mit Hilfe von Eltern, Lehrern und Dorfbewohnern wurden bereits sehr engagiert weitere Toiletten geplant, welche sich zum Großteil auch schon im Aufbau befanden. Auch die Organisation, Finanzplanung und die Einteilung der Klassen zeigte, dass man in der Schule einen hohen Wert auf eine transparente Organisation legt.
Nachdem die Schüler der Primary School wieder in den Unterricht zurückgeschickt wurden, begaben wir uns alle zur Secondary School, um den wohl wichtigsten Teil des Tages anzugehen. Das Treffen mit dem Komitee und dem Projekt Kick-Off-Meeting. Nach einem Gebet begann Alex Kaunga das Meeting mit einer Vorstellungsrunde des Komitees und den Erwartungen der Lehrer, Eltern und der Dorfbewohner an das Projekt. Anschließend umriss Christian das Gesamtprojekt und übergab das Wort an Stefan (Teilprojekt Wasser), Elena (Teilprojekt Wasser und Sanitär) und Marlon (Teilprojekt Elektrizität). Durch die anschließende Diskussionsrunde konnten viele Fragen des Komitees und der Projektteilnehmer beantwortet werden. Nach über drei Stunden Kick-Off Meeting folgte zum Abschluss noch eine Begehung des Gesamtgeländes. Hierbei wurden uns die von der ABC-Gesellschaft gestellten Lehrerhäuser, das Dorf, die Wasserstelle und die einzelnen Brunnen gezeigt. Auf dem Weg durch das Dorf folgten uns von Haus zu Haus immer mehr Kinder, bis wir bei der Ankunft am Auto unsere Gruppenstärke verhundertfacht hatten.
Angekommen am Auto erwartete uns noch eine knapp zweistündige Rückfahrt, wobei wir uns kurz vor unserem Basecamp dazu entschlossen gemeinsam mit Patrick essen zu gehen. Es gab landestypisch Nsima, ein Maisbrei, welcher ziemlich sehr nach Thüringer Klößen schmeckt. Dazu gab es eine Art Gulasch, leckeres Gemüse und Hähnchen. Super gut! Isst hier auch jeder jeden Tag. Nach einem langen Tag endlich im Camp angekommen, ging es nach einer kurzen Gesprächsrunde ziemlich schnell ins Bett.
Der nächste Tag begrüßte uns wieder mit strahlend blauem Himmel und milden 28°C. Doch für Marlon noch immer 10°C zu wenig, um richtig abzubrennen! Heute stand die Nachbereitung des Vortags an und ein Treffen mit der deutschen Botschaft. Stefan war schon ziemlich aufgedreht (lag vielleicht auch am Kaffee). Angekommen in der Botschaft empfing uns ein unfassbar schicker 60er Jahre Bau und ein Bild des Bundespräsidenten. Nach einem sehr netten Gespräch mit der Botschaftsmitarbeiterin und einer Einladung zur Botschaftsparty am Tag der deutschen Einheit, ging es mit neuen Kontakten für das Sanitärprojekt ab in die Stadt um Solarunternehmen vor Ort zu finden. Am Ziel angekommen erwartete uns eine typisch afrikanische Einkaufsmeile. Staubig, stressig und super laut. Also entschieden wir uns schnell in die Läden zu gehen, welche von Solarmodulen über Windeln bis hin zu Musikinstrumenten und Katzenstreu alles anboten. Nachdem wir die ersten Angebote eingeholt hatten, kam der Sonnenuntergang immer näher und wir entschlossen uns schnell noch einkaufen zu gehen. Diesmal entschieden wir selbst zu kochen. Alles eingekauft ging es ab ins Basecamp, wo uns unser erster Stromausfall erwartete. Laut Tageszeitung soll dieses Phänomen im September noch öfter auftreten. Also dann doch nichts mit kochen. Die vom Besitzer vorgeschlagene Alternative einfach über einem Lagerfeuer zu kochen, empfanden wir dann doch als zu anstrengend und entschieden uns wieder Essen zu gehen. Nsima!!!