Erkundung - Wochenbericht #1
(vom 11.10.2016 bis 16.10.2016 (KW 41))
Sicherheitslage
Die Lage ist sicher. Wir wurden gut bei unseren Gastgebern aufgenommen und erregen in der Öffentlichkeit kein übermäßiges Aufsehen. Teilweise kommen Kinder auf uns zu – eher behandeln sie uns aber mit Respekt, als dass sie zu nahe kommen. Gebettelt hat noch niemand.
Die politische Lage scheint angespannt, was vor allem an der Finanzpolitik liegt. An den Banken werden nicht mehr als $ 200 pro Tag an den Automaten ausgezahlt – teilweise nur $ 50. Seit Anfang des Jahres sollten bereits mit den sog. Bond Notes eine neue simbabwische Währung eingeführt werden, die aber bisweilen auf sich warten lässt. Der Starttermin wird immer weiter hinausgezögert. Die Leute haben v.a. Angst, dass sich eine Inflation wie vor wenigen Jahren wiederholt und bunkern all ihre Dollar. Entsprechend schlecht geht es der Wirtschaft. Dennoch merkt man auch hiervon nicht viel – es herrscht normales geschäftiges Treiben auf den Straßen. Die Leute halten sich über Wasser.
Wir fühlen uns sicher.
Zusammenfassung der wichtigsten Entwicklungen der vergangenen Woche
Wir sind noch am Ankommen, da auch erst seit zwei vollen Tagen im Land. Bisher haben wir die wichtigsten Leute in Norton Town kennengelernt und die Lage das erste Mal inspiziert. Es wurden wichtige Örtlichkeiten, wie die Lagerfläche von unserer Partnerorganisation NOYACE, die örtliche von der GIZ (deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit) errichtete Deponie und ein beispielhafter Sammelpunkt besichtigt. Aufbauend auf den ersten Eindrücken konnten nun einige wichtige Fragestellungen präzisiert und die nächste Woche zusammen mit unserem Projektpartner geplant werden.
Wir befinden uns in der Forming-Phase[1]. Die unterschiedlichen Parteien sind gerade am Abklopfen der Möglichkeiten und die Erwartungen an unser Engagement sind groß. Diese Verhalten äußern sich in Form des Bedarfs nach Sortiermaschinen, LKWs für den Transport, Kompakter für den Müll, Sanitär- sowie Bürogebäude gebraucht, etc. Gleichzeitig entsteht darüber hinaus (in-)direkt das Gefühl, dass wir die Leute versorgen müssen – z.B. indem wir Essen für Wertstoffsammler kaufen. Die Herausforderung hierbei besteht für uns darin, unsere Partner für unsere eigentlichen Aufgaben zu sensibilisieren und eine Arbeitsatmosphäre auf Augenhöhe zu schaffen, bei der jede Seite einen eigenen Beitrag beisteuern muss.
Nun bleibt abzuwarten, was die nächste Woche mit sich bringt.
[1] Bruce W. Tuckman: „Developmental Sequence in Small Groups“, Psychological Bulletin 63, 1965
Chronologischer Bericht
11.-12.10. (Anreise)
Der Flug, sowie die Einreise verlief reibungslos. Die Unterkunft ist sehr komfortabel – wir haben ein eigenes Zimmer mit normalen Betten. In Bad und Klo gibt es laufend Wasser – wenn nicht das öffentliche Netz gestört ist. Es musste bereits auf Brunnenwasser zurückgegriffen werde.
13.10. (Ankommen, Erledigungen, Besuch bei der deutschen Botschaft)
Der erste volle Tag wird in erster Linie genutzt, um Erledigungen zu machen, wie z.B. Sim-Karten für alle zu besorgen und einzurichten.
Als erster Termin steht ein Besuch bei der deutschen Botschaft an. Hier stellten wir unser Projekt vor und sprachen über landesspezifischen Eigenheiten und Verhaltensempfehlungen. Unser Kontakt war die zweite Sekretärin, Frau Taub-Evans. Wir sind so verblieben, dass wir ihr am Schluss einen Bericht zukommen lassen. Evtl. ließe sich aus dem Budget der Botschaft etwas Geld für das Projekt freimachen.
14.10. (Besuch in Norton Town)
In Norton Town wurden (in dieser Reihenfolge) das örtliche Krankenhaus, die Lagerfläche unserer Partnerorganisation, die Deponie von Norton Town (errichtet durch die GIZ) sowie einen beispielhaften Sammelpunkt für braune PET-Flaschen besichtigt.
In das örtliche Krankenhaus ist auch die städtische Verwaltung eingegliedert, die bei dieser Gelegenheit mit vorgestellt wurde. Wie in Bild 1 zu sehen, hat das Krankenhaus eine eigene Abfallentsorgungsstelle, die v.a. kontaminierten Müll beseitigen soll. Wesentlicher Bestandteil ist hier ein Ofen, in dem auch Kunststoffe verbrannt werden. Jedoch besitzt dieser keinerlei entsprechende Filteranlagen.
Die Lagerfläche von NOYACE besteht aus einer brachen, mit Drahtzaun eingegrenzten Fläche. Die Abfälle lagern weitestgehend sortiert auf unbefestigtem Erdboden. In Bild 2 sind Johannes sowie unser Projektpartner Regis zu sehen. Hinter ihnen befindet sich ein Haufen gesammelter Kartonagen, der in den kommenden Tagen abtransportiert werden soll. Wir haben besprochen, dass wir zur Beobachtung mit dabei sind.
In Bild 3 kann gesehen werden, dass sich die Müllsammler am Recycling beteiligen und teilweise Versuche durchführen. Hier sollte der Versuch einer Kompostierung gestartet werden – jedoch fehlte es dabei nachweisbar an Basiswissen.
Seit Sommer des vergangenen Jahres verfügt Norton über eine Deponie mit Kunststoffbasisabdichtung und Auffangbecken des Deponiesickerwassers. Errichten wurde diese mit Geldern der GIZ. In Bild 4 sind die Dimensionen dieser zu erkennen. In Bild 5 erfolgt eine Anlieferung von Restmüll. Es gibt nur Menschen, die versuchen „Verkaufbares“ aus dem Müll zu sortieren. Eine Positivsortierung von Wertstoffen findet nicht statt.
Aktuell fehlt es an einem Kompakter, es wird ein Raupenfahrzeug als Ersatz verwendet. Weiterhin wird ein Großteil der leichteren Abfälle (i.e.L. Tüten) vom Wind erfasst und in nahegelegene Bäume/ den Zaun geweht. Da dieser kontinuierlich von Ost/ Südost kommt, sammeln sich diese Abfälle lediglich auf einer Seite der Deponie.
Die besuchte Sammelstelle ist in Bild 6 zu sehen. Diese liegt an einem Marktplatz mit einigen Kiosken. Da vornehmlich braune PET-Flaschen anfallen, wurde sich hier auf diese Kunststoffart fokussiert. Aus diesen PET-Flaschen wird das landestypische Maisbier Chibuku getrunken.
15.10. (Rekapitulation und Vorbereitung der kommenden Woche)
Mit unserem Projektpartner wurde besprochen, dass die Wochenenden der Erholung und Rekapitulation dienen. Wir nutzen diese Zeit außerdem für Berichte und weitere Vorbereitungen.