Erkundung - Wochenbericht #3

Erkundung - Wochenbericht #3

(vom 24.10.2016 bis 30.10.2016 (KW 43))

Zusammenfassung der wichtigsten Entwicklungen der vergangenen Woche

In der letzten Erkundungswoche mussten wir spontan die Planung anpassen, da neue Fragestellungen aufgekommen sind. Bisher konnten wir diese Effekte erfolgreich abpuffern. So haben wir unser Erkundungsteam am Ende der Woche in zwei Teams geteilt. Zu den neuen Fragestellungen gehörte u.a. die Markterkundung für Bauteile und Aggregate um vor Ort Low-Tech-Maschinen herzustellen, für Kunststoffrecycling und die Produktion von einfachen Gegenständen. Des Weiteren sind wir auf neue NGOs aufmerksam geworden, deren Kontakt wir ebenfalls aufnehmen wollten. Hierzu gehört die Welthungerhilfe für Mikrokredite und UNICEF. Zusätzlich können seitens NOYACE Transporte nicht so kurzfristig organisiert werden, wie wir ursprünglich gedacht haben. Wegen des großen Informationsangebots haben wir hier aber spontan neue Aufgaben generieren können

Chronologischer Bericht (bitte tagtägliche Aktualisierung)

Montag, der 24.10.2016

Environment Africa:

Wir haben zusammen mit unserem Projektpartner NOYACE die NGO Environment Africa (EA) besucht. Seitens EA waren Barnabas Mawire (CEO) und Sandra Gobvu (PR) vertreten. Ziel dieses Treffen war es abzutasten, ob eine Zusammenarbeit sinnvoll sein könnte. EA ist auch in der Öffentlichkeitsarbeit aktiv und hat zahlreiche Präsentationen zum Thema Abfall an Schulen, Kirchen, Gemeinden und Industrie gehalten. Des Weiteren animieren sie scheinbar erfolgreich Institutionen wie Kirchen und Schulen dazu, Clean-ups zu organisieren. Ggf. könnte EA bei der Öffentlichkeitsarbeit unterstützen. Regis steht einer Zusammenarbeit mit EA zwar aufgeschlossen aber auch skeptisch gegenüber. Das Wirken dieser NGO ist seiner Meinung nach bei ihm und anderen Projekten noch nicht in Erscheinung getreten. Wir haben vereinbart die Option der Zusammenarbeit offen zu halten. Als nächstes ist ein Informationsaustausch angedacht, um zu sehen, ob die ansprechende Präsentation Seitens EA auch in der Praxis Substanz hat.

PLA-Methoden und Besprechung mit Regis Musarurwa:

Am Nachmittag haben wir zusammen mit Regis Musarurwa (NOYACE) PLA-Methoden angewendet. Dabei haben wir interessante Informationen über den Arbeitsablauf erhalten (Bild #1). Wichtige Erkenntnisse konnten zur Verteilung der Arbeitszeiten und den damit verbundenen Belastungen gesammelt werden. Die langen Wege sind hierbei besonders zeitintensiv, was auch an der exponierten Lage der Lagerfläche liegt, die Dreh- und Angelpunkt aller Aktivitäten bei NOYACE ist. Außerdem haben wir neue Informationen über die Hierarchie bei NOYACE und die Bezahlung erhalten. Wir haben den Bedarf zur Anwendung weiterer PLA-Methoden erkannt, die wir am folgenden Tag nutzen werden.

Dienstag, 25.10.2016

PLA-Methoden und Besprechung mit Regis Musarurwa:

Der Vormittag wurde genutzt, um zusammen mit Regis Musarurwa (Chairman unserer Partnerorganisation NOAYCE) PLA-Methoden anzuwenden. Hierbei haben wir den Ablauf bei der PET-Sammlung rekonstruiert und wertvolle Informationen erhalten. So bedarf es beispielsweise einen Tag um den Füllgrad der Gitterboxen zu sichten, einen Tag um die Sammlung zu organisieren und das PET in Transportsäcke umzuschichten und einen weiteren Tag um die gefüllten Transportsäcke abzuholen und zum Wertstofflagerplatz zu bringen. Auch hier sind die langen Wege zwischen Sammelpunkten und Lager sehr zeitaufwendig. Abgeholt wird das gesammelte PET an einem weiteren Tag von z.B. PetrecoZim. Hierfür muss mindestens eine Gewichtstonne gesammelt werden, da eine Abholung des PET bei geringeren Massen nicht darstellbar ist.
Weiterhin wurde mittels PLA-Methode ein Saisonal-Calender erstellt (Bild #2). Hierbei wurden Witterungseinflüsse und Aufkommen der verschiedenen Wertstoffe berücksichtigt.
Zusätzlich wurden zwei Ideen für mögliche Projektansätze besprochen. Der Erste beinhaltet ein Mikrokreditprogramm. Bewohner können sich bewerben und einen Mikrokredit für einen Handlastkarren bekommen. Die Wertstoffe könnten dann bei NOYACE angeliefert werden. Die Sammler würden dort nach Gewicht und Art der gesammelten Wertstoffe bezahlt werden. Die Sammler und NOYACE könnten so mehrere US-Dollar am Tag verdienen, was gegenüber der bisherigen Arbeitslosigkeit und einer durchschnittlichen Verfügbarkeit von einem Dollar pro Person und Tag eine enorme Verbesserung wäre. Dieser Ansatz steht und fällt mit der Situation der Makroökonomie, die in Zimbabwe sehr fraglich ist.
Der andere Ansatz sieht vor, dass mit einfachen Mitteln Produktionslinien für einfache Gebrauchsgegenstände wie Eimer und Schüsseln aufgebaut werden. Der regionale Bedarf scheint zu bestehen und preciousplastic.com hat bereits frei verfügbare Vorlagen für die einzelnen Aggregate erarbeitet.
Eine Marktrecherche für die Einzelteile ist am Freitag geplant.

Welthungerhilfe:

Am Nachmittag haben wir uns mit der Welthungerhilfe (WHH) getroffen. Gesprächspartner war der Deputy Country Director Mark Harper. Ziel war es mehr über Mikrokredite zu erfahren. Wie sich herausgestellt hat, ist die WHH darin allerdings nicht sehr erfahren. Uns wurde jedoch angeboten, dass sie für uns recherchieren, welche Finanzinstitute dafür in Frage kommen könnten. Des Weiteren ist es denkbar, dass sie NOYACE im Bereich „Waste Management“ schulen können. Die WHH ist auch in Norton aktiv und dort in den Bereichen Abwasser und Öffentliche Toiletten vertreten. Das Engagement wird aber wahrscheinlich im Juni 2017 Enden, da die Mittel hierfür nicht verlängert werden. Auch hier wurde betont, dass die Bedingungen der Norton Town Council sehr schwierig sind. Gründe hierfür sind eine hohe Verschuldung und der starke Zuzug einer meist einkommensschwachen Bevölkerung.

Mittwoch, den 26.10.2016

Wir haben zusammen mit Regis Musarurwa, die Sammelpunkte im Gebiet der Gemeinde Norton dokumentiert. Dabei wurden Fotos gemacht sowie die Namen und GPS-Koordinaten aufgenommen. Insgesamt gibt es vier Sammelkäfige für braunes PET, einen seperaten Sammelpunkt für braunes PET in einer Sportbar und einen neben einem Geschäft. Der fünfte Käfig wurde wegen Vandalismus abgebaut. Das braune PET stammt ausschließlich vom Chibuku-Konsum. Chibuku ist ein lokales Bierprodukt auf Maisbasis. Die meisten Sammelkäfige weisen deutliche Verunreinigungen mit Fehlwürfen auf. Die Sammelstelle in der Sportbar ist hingegen recht rein. Hier haben sich bereits schätzungsweise sechs Kubikmeter angesammelt. Des Weiteren gibt es etwa sieben Sammelstellen für LDPE. Diese befinden sich in kleineren Geschäften, die ihre Verpackungsmaterialien in haushaltsüblichen 60 Liter Müllbeuteln sammeln. Die Besitzer*innen dieser Geschäfte konnte Herr Musarurwa überzeugen, mitzumachen. Die LDPE-Fraktionen sind hierbei mit einer Ausnahme sehr rein. Aktuell beträgt die gesammelte LDPE-Masse wenige Kilogramm pro Woche. In einem TM Supermarkt und einer Kaugummifabrik der Firma Dandy wird Pappe gesammelt. Während Dandy einen Truck zum Transport der Pappe bereit stellt, muss Herr Musarurwa für den Supermarkt einen Traktor mit Anhänger von der Norton Town Council organisieren. Dandy kann 400 bis 800 kg Pappe pro Woche liefern. Aktuell ist aber ehr mit 400 kg zu rechnen, da das Geschäft wirtschaftsbedingt besser laufen könnte. Durch Herrn Musarurwas Aufenthalt in Deutschland, haben die meisten Sammelpunkte einen deutlichen Leerungsrückstand.

Donnerstag, der 27.10.2016

Wir haben uns mit unserem Projektpartner auf seiner Lagerfläche in Norton eingefunden, um ein Gefühl für die weit verbreiteten Handlastkarren zu bekommen (Bild #4). Diese werden regional aus Schrotteilen gefertigt und zum Transport unterschiedlichster Waren und Gegenstände genutzt. Nach Angaben des Pastors Shepherd Novjana und des Handkarrenverleihers, betragen die Kosten für einen neuen Handkarren etwa 150 US$. Die Dimensionen der Ladefläche variieren. Unser Handkarren hatte die Maße 1,5x1,0x0,5 Meter. Wir haben ihn mit plattgetretenen PET-Flaschen gefüllt. Bei voller Füllung ohne Anhäufung, haben etwa 500 PET-Flaschen Platz darin. Zwei Personen haben für die Positivsortierung aus einem Haufwerk, das Platttreten und die Beladung 30 Minuten benötigt. Der etwa 1 km lange Transport auf einem unbefestigten Feldweg mit tiefen Spurrinnen sowie positiven und negativen Gefälle, war auch bei 33°C und leichter Brise erträglich. Der beladene Handkarren mit etwa 75 kg Eigengewicht und 30 kg Ladegewicht, ließ sich nach Überwindung des Anfangswiderstandes recht einfach bewegen – für uns. Dies muss natürlich auf die Gegebenheiten und den körperlichen Zustand der potentiellen Wertstoffsammler übertragen werden. NOYACE könnte eine solche Ladung aktuell für etwa 1,5 US$ an den Wertstoffhandel verkaufen, was recht wenig ist. Allerdings ließe sich mit einem Käfigaufbau bzw. einer besseren Verdichtung mindestens die dreifache Masse sammeln. Mit einer Tour könnte man also etwa 4,5 US$ erwirtschaften. Der aktuelle Verkaufspreis für braunes PET liegt etwa bei 0,05 US$/kg.
Herr Musarurwa hat deutlich gemacht, dass sein näheres Umfeld Druck auf Ihn ausübt, etwas anderes zu machen, da sich der Wertstoffverkauf in der jetzigen Form nicht lohnt. Im Gespräch mit der Tante von Joschko Ruppersberg, die seit 30 Jahren in Simbabwe lebt, wurde deutlich, dass der Begriff „Wartung“ nicht existiert. Außerdem ist das Eigentumsverständnis in Simbabwe ganz anders als in Deutschland. Wenn etwas ausgeliehen wird, wird es in der Regel nicht zurückgefordert bzw. zurückgegeben. Dies könnte sich entsprechend auf das Mikrokreditmodell für Handlastkarren und die Herstellung und Verwendung von Produktionslinien für einfache Gegenstände auswirken.

Freitag, der 28.10.2016

Aus Zeitgründen wurden zwei Teams gebildet. Team A bestand aus Regis Musarurwa, Lloyd Musarurwa und Stefan Schmidt. Das Team B bestand aus Joschko Ruppersberg, Johannes Sommer und Jessica Chitombo (Cousine von Joschko).

Team A

Scooter:

Der von NOYACE genutzte Scooter steht aktuell zur Auktion aus. Er hat sich nicht als angemessen erwiesen, weil die Reifen zu klein sind. Der hintere Bereich wurde so verändert, dass es als Pick-Up genutzt werden kann. Das Lager des Frontrades ist kaputt. Nach einer Reparatur sollte der Scooter mit erträglichen finanziellen Verlusten zu verkaufen sein. Aktuell steht er bei ABC Auctions für 865 US$ zum erwerbt bereit. Als geeigneter könnte sich ein motorisiertes Dreirad mit Ladefläche für 500 kg herausstellen. Dieses hat größere Reifen und ist recht weit verbreitet. Daher dürften auch Ersatzteile verfügbar sein. Der Scooter indischer Bauart ist hingegen recht selten. Allerdings stellt sich hier die Frage, wie NOYACE die Wartung und Instandhalten realisieren kann. Hier ist, wie beim Scooter und der Norton Town Council zu befürchten, dass das motorisierte Dreirad mit Ladefläche wenige Wochen laufen würde und dann wegen eines einfachen Defekts nicht mehr genutzt werden kann. Selbst geringe Investitionen, wie für den Ölwechsel oder die Organisation neuer Räder, stellen unter den hiesigen Bedingungen eine Herausforderung dar.

City of Harare, Department Waste Management:

Herr D.G.K Sakupwanya, der Leiter der Abfallsammlung im Department Waste Management der City of Harare, hat uns auf dem einzigen Betriebshof der Müllabfuhr herumgeführt. Harare verfügt über 47 Kompakter-Fahrzeuge der Marke Isuzu – bsp. In Bild #5 zu sehen. Davon können aktuell 22 genutzt werden. Der Grund für die geringe Verfügbarkeit sind Brems- und Reifenschäden, sowie Probleme mit der automatischen Gearbox (Controller). Die Mechaniker müssten eigentlich eine Schulung bei Isuzu erhalten, was bisher aus unbekannten Gründen nicht erfolgt ist. Die Isuzu-Flotte wurde seit 2010 Stück für Stück aufgebaut. Des Weiteren sind noch mehrere Traktoren und ein paar anderer Sammelfahrzeuge (UD – Nissan, New Holland) in Gebrauch. Es dauert sehr lange die Schäden zu beheben, da für einfachste Ersatzteile 14 Unterschriften benötigt werden. Neben der lähmenden Bürokratie, ist auch die desolate finanzielle Lage der Stadt Harare eine Herausforderung bei der Wartung und Instandhaltung des Fuhrparks. Grundsätzlich scheint dies aber, verglichen mit der Norton Town Council, halbwegs zu funktionieren. Neben dem Fuhrpark befindet sich auch eine Krankenhausabfallverbrennungsanlage auf dem Gelände. Diese funktioniert aktuell nicht, da das Verbrennungsluftgebläse defekt ist. Wegen des Alters darf angenommen werden, dass keine passenden Ersatzteile mehr vorhanden sind. Das Beispiel der Stadt Harare zeigt, dass es selbst in der Hauptstadt Simbabwes nicht einfach ist, den Fuhrpark am Laufen zu halten. Allerdings soll es Kommunen geben, die besser funktionieren, wie Bulawayo und Kadoma (Quelle: Mark Haper, Welthungerhilfe).

Wurmkompostierung

Herr Dr. Ephrem Whingwiri hat uns in seinem Büro empfangen. Er ist Chief Executive & Founder von Zim Earthworm Farms. Herr Whingwiri betreibt zusammen mit der City of Harare eine Wurmkompostierung für Marktabfälle. Die Abfälle kommen z.B. vom Mbare, den größten Markt (Township) in Harare. Die Marktabfälle werden 24 bis 30 Tage vorgerottet. Dabei steigt die Temperatur in der Rotte bis auf 80°C. Dadurch wird die Organik hygienisiert. Keime und Saatgut sterben ab. Danach fermentieren die Würmer den Abfall etwa 30 Tage. Das Ergebnis ist ein sehr bioaktiver Humus mit leicht verfügbaren Nährstoffen für Pflanzen. Er ist somit fruchtbarer als gewöhnlicher Mietenkompost. Allerdings ist er auch arbeitsintensiv, da er alle drei bis vier Tage manuell mit Mistgabeln gewendet werden muss um die Würmer mit Sauerstoff zu versorgen. Die Marktabfälle haben kaum Porenvolumen, weshalb man quasi keine Luftzirkulation in der Miete hat.

Team B

Besuch von Recycling-Firmen und einem Maschinenbauer in Harare:

Die zweite Gruppe bestand aus Johannes, Joschko und Joschkos Cousine Jessica. Es wurden zwei vorzeigbare Kunststoff-Recycling-Betriebe und ein Maschinenbauer besucht.
Zunächst haben wir die Firma Conductus Investment vorbei besucht, die LDPE ankauft und recycelt. Im Blasextrusions-Verfahren werden Tüten unterschiedlicher Größe, unter anderem zum Bepflanzen für Baumschulen und sonstige Pflanzenzüchter, herstellt. In einem ersten Produktionsschritt wird der Kunststoff hierbei mit eigenen Maschinen zerkleinert, extrudiert und zu einem Granulat verarbeitet. Dieses Vorhaben rechnet sich zumindest insofern, als dass sie nach eigenen Worten von der Hand in den Mund leben können. Der aktuellen wirtschaftlichen Lage verschuldet, bleibt aktuell nicht viel, um zu expandieren.
Bei Platinum Plastics bot sich uns der Anblick einer improvisierten Hinterhoffabrikation, wie man sie sich in einem Entwicklungsland wie Simbabwe vorstellt (Bild #6). Hier wird sowohl LDPE als auch HDPE angekauft und zu eingefärbten Granulat weiterverarbeitet, dass zum doppelten Einkaufspreis weiterverkauft wird.
Beide Unternehmen wurden besucht, da einer der Hauptwertstoffströme unseres Partners NOYACE LDPE ist. Zum einen wollten wir so die Marktpreise noch einmal referenzieren und uns generell den Markt ansehen.
Den Abschluss des Tages stellte der Besuch bei dem Maschinenbauer Damasco Engineering dar. Hier war es das Ziel, herauszufinden inwiefern es technisch und finanziell umsetzbar ist, Maschinen für die einfache Kunststoffweiterverarbeitung zu bauen – nach dem Vorbild Precious Plastic[1]. Nach Angaben des Inhabers, sollte dies kein Problem sein. Wir verabreden uns für den nachfolgenden Montag, um einen Kostenvoranschlag für Materialkosten und Arbeitszeit zu erhalten.

Samstag, der 29.10.2016

Ruhetag

Sonntag, der 30.10.2016

Nachbereitung der Versorgungskosten und Kostenerstattung, Fertigstellung des Wochenberichts

[1]          https://preciousplastic.com/en/