Reise nach Bertoua

Reise nach Bertoua

2.11.2016

Früh morgens machen wir uns nach einem wieder sehr guten Frühstück auf den Weg zur Bushaltestelle. Ungefähr zwischen 8 und 10 Uhr soll der Bus losfahren. Wir besetzen vier Plätze der letzten Reihe und der Bus fährt um 9 Uhr los. Die Reisezeit wird mit 5 bis 6 Stunden angegeben. Es scheint, als wäre Yaoundé ein Nadelöhr, es geht nur schleppend vorwärts. Nach ca. einer Stunde sind wir endlich auf dem Land, der Bus nimmt Fahrt auf um direkt bei der ersten Polizeikontrolle wieder stehen zu bleiben. Alle raus, Passkontrolle. Theresa und Erik werden freundlich begrüßt, Franklin darf passieren, Jacques wird zur Seite gestellt. Mit seinen Papieren sei etwas nicht in Ordnung. Jacques und Franklin gehen zur Kontrollhütte, wo ihnen erklärt wird, dass mit 2500 Francs die Sache in Ordnung sei. Dummerweise ist mit den Papieren alles in Ordnung. Nach einer kurzen Diskussion darf Jacques ohne zu zahlen passieren. Der Bus wartet bereits 300 Meter Straßenaufwärts auf uns. An der Eingangstür scherzt ein Fahrgast, er möchte nicht mehr mit uns reisen, weil wir nur Ärger bedeuten. Naja. Wir dürfen trotzdem wieder unsere Plätze einnehmen. Kaum nimmt der Bus wieder Fahrt auf, werden die Fenster von den Fahrgästen geschlossen. Die Wohlfühltemperatur der Kameruner liegt geschätzt bei ca. 35 °C . Der erste fliegende „Doktor“ fängt an, pflanzliche Wundermittel zu verkaufen. Das Mittel hilft sogar auch bei Errektionsstörungen, dafür muss Mann zwei Wochen abstinent bleiben und täglich zwei Mal eine Dosis dieses Mittels zu sich nehmen. Führt dies nicht zum gewünschten Erfolg, so empfiehlt sich eine Verlängerung der Abstinenz. Die Rede dauert 45 Minuten, bei brütender Hitze, die Masse tobt. Es gelingt dem Doktor seine Mittel zu verkaufen.

Kaum ist Ruhe eingekehrt, darf der zweite „Doktor“ uns seine Kassette in unser Ohr drücken. Wieder pflanzliche Heilmittel. Wir bekommen eine Kostprobe des ätherischen Öls. Es riecht sehr gut. Wir entscheiden uns jedoch gegen den Kauf. Andere Fahrgäste schlagen bei dieser Gelegenheit zu. Ein Medikament hieß „German Powder“.

Die letzten beiden Polizeikontrollen sind ohne weitere Vorkommnisse. Bei  jedem Stopp kaufen wir ein paar Snacks. Das Highlight sind die frittierten, saftigen Maden. Tastes like chicken!

Wir erreichen nach genau 6 Stunden Bertoua. Dort werden wir vom ALKA Vorsitzenden und dem Schulleiter des Institut le Levant begrüßt. Wir warten vor dem Gelände der Busgesellschaft auf Estelle, die unsere Gastmutter für die nächsten zehn Tage sein wird.

Während der Fahrt macht Bertoua einen wesentlich entspannteren Eindruck auf uns, als Yaoundé. Die Uhren ticken hier ein wenig langsamer. Dafür war die Fahrt zu unserem neuen zu Hause sehr kurz. Der Herr des Hauses Herr Bengodo erklärt uns, dass das Haus von Deutschen erbaut wurde vor ca. 50 Jahren.

In einer gemütlichen Runde nehmen wir Getränke zu uns und wir bekommen auch hier ein fürstliches Mahl mit Fisch, Kochbananen, Hackfleisch und Reis. Nach dem Essen singt ein Teil des Deutschclubs uns ein selbstkomponiert und geschriebenes Ständchen. Wir freuen uns sehr.

Da der Bürgermeister morgen nicht in Bertoua ist, bittet er uns, ihn heute Abend noch bei sich privat zu treffen, auch wenn uns zuerst der Gouverneur die Ehre erweisen sollte. Wir gehen seinem Wunsch nach und fahren mit unserer siebenköpfigen Delegation bestehend aus Estelle, Theresa, Erik, Jacques, Franklin, le Président de ALKA und Monsieur le Principal zu Monsieur le Maire. Dort werden wir herzlich von einer ganzen Reihe von weiteren hohen Vertretern des Magistrats empfangen. Wir besprechen mit dem Bürgermeister unsere Absichten. Er begrüßt unser Vorhaben und wünscht uns viel Erfolg und ihn auf dem Laufenden zu halten. Wir verabreden uns für Morgen mit dem Secretair Général zur Überreichung einiger Unterlagen bezüglich der Wasserversorgung der Stadt.

Zum Abschied erhalten wir ein Präsent der Stadt Bertoua: Ein sehr schönes Stöffsche. Fabriqué en Bertoua! Wir freuen uns sehr und können kaum erwarten, den Stoff in ein original kamerunisches Outfit verwandeln zu lassen. La femme du Président de ALKA ist Schneiderin…

Wir fahren wieder nach Hause, waschen uns und fallen ins Bett.