Interview mit Edith aus Wanga

Und hier ist Edith

Interview mit Edith aus Wanga

Wie funktioniert gemeinsame Projektplanung zwischen Deutschland und Kenia? Genauso wie seit Corona überall auf der Welt: über Videokonferenzen.

Auch zwischen Leipzig und Wanga gibt es einen fast wöchentlichen Austausch. Darüber haben sich unser Leipziger Vereinsmitglied Lucy und Edith kennengelernt. Heute möchten wir Euch gerne Edith vorstellen und im Rahmen eines Interviews mit Lucy, außerdem ihre Rolle im Projekt, die Besonderheiten in Wanga und über das Zusammenleben mit den Ausreisenden berichten An dieser Stelle schon mal ein großes Dankeschön an Edith für Ihre tatkräftige Unterstützung!

Edith und Lucy im online-Interviewgespräch

Lucy

Schön Dich zu sehen Edith! Magst Du mit einer Vorstellung von Dir beginnen und erklären, was Deine Rolle bei dem Projekt mit Ingenieure ohne Grenzen ist?

Edith

Danke für Eure Anfrage zum Interview! Ich bin Edith Atieno Okello und komme aus dem Dorf Wanga in Kenia. Ich bin die Sekretärin der NGO „Watema Village Empowerment Project“ (WVEP), die zusammen mit Ingenieure ohne Grenzen an dem Projekt arbeitet und die Gemeinde in unterschiedlichen Situationen unterstützt.

Lucy

In Deinen eigenen Worten: Was ist der Inhalt und das Ziel des Projekts, an dem ihr gerade arbeitet?

Edith

Wir arbeiten an so vielen Dingen. Aber im Moment geht es bei dem Projekt um den Neubau der Early Bird Grundschule. Dabei ist das Ziel, das Bildungssystem für die Kinder der Gemeinde zu verbessern und ihnen eine bessere Ausbildung zu ermöglichen. Damit besteht die Chance auf eine gleichgestellte Bildung gegenüber den Menschen in städtischen Regionen, in denen die Schulen gut funktionieren und die Kinder bereits gute Bildungschancen erhalten. Deshalb war es unsere Intention, die Infrastruktur zu verbessern, um den Kindern ein förderliches Lernumfeld zu bieten. Wir hoffen, dass sie dort gut lernen können.

Lucy

Du arbeitest also selbst nicht im Bildungswesen als Lehrerin? Wie bist du also zu der Arbeit mit Ingenieure ohne Grenzen gekommen?

Edith

Ich bin die Sekretärin der Organisation, die sich mit Ingenieure ohne Grenzen zusammengetan hat, um die Bauarbeiten hier durchzuführen. Das WVEP ist eine NGO, die wir aus gutem Willen als Familie gegründet haben, weil wir den Lebensstandard der Gemeindemitglieder verbessern wollten. Einige Menschen waren nicht so gesegnet, sodass wir angefangen haben ihnen zu helfen. So ist damals das WVEP entstanden und jetzt sind wir Projektpartner von Ingenieure ohne Grenzen.

Lucy

Wie sieht Deine Unterstützung genau aus?

Edith

Daniel, René und Felix sind in den Bauarbeiten direkt involviert. Mit meiner Familie beteilige ich mich an deren Verpflegung und Unterbringung. Ich helfe ihnen bei den alltäglichen Aufgaben und versuche sie zu unterstützen, wo ich kann, weil sie ihre Energie und gute Laune auf der Baustelle brauchen. Ich versuche wirklich mein Bestes, damit sie sich wohlfühlen, solange sie hier sind.

Mittagessen in Wanga, Pause von der Baustellenarbeit

Lucy

Danke, Edith! Du hast gerade schon angesprochen, dass dieses ganze Projekt natürlich nicht nur der reine Bau ist, sondern auch eine interkulturelle Erfahrung, bei der Du eine Menge Arbeit leistest. Kannst Du uns über deine Erfahrung mit den drei Ausreisenden mehr erzählen?

Edith

Ehrlich gesagt habe ich mir große Sorgen gemacht, als sie zu Beginn hier angekommen sind. Ich habe mich gefragt: 'Was denken sie über uns? Werden sie sich wohlfühlen? Werden sie wertschätzen, was ich ihnen gebe?' Es gab viele gemischte Reaktionen und Gefühle. Aber nach anfänglichen Bedenken ist es jetzt großartig sie hier zu haben und ich hoffe, dass sie nicht so bald zurückfliegen. Auch wenn ich natürlich weiß, dass sie zurück müssen sobald sie hier fertig sind. Wir fühlen uns wirklich wohl mit ihnen und arbeiten gerne zusammen. Sie sind großartig!

Lucy

Ich bin froh, das zu hören! Ich höre von Ihnen auch nur Gutes über Euch. Ähnlich dem, was Du beschreibst.  Was ist eigentlich das Lustigste, das Dir mit ihnen passiert ist, seitdem sie da sind?

Edith

Das Lustigste? Fast jeder Tag ist ein lustiger Tag für mich, weil wir so viele verschiedene Dinge tun. Sie helfen mit im Haushalt – z. B. beim Abwasch. Sie machen fast alles. Ich genieße also alles mit ihnen. Alles ist lustig. Jeder Tag ist ein lustiger Tag.

Lucy

Das freut mich! Gibt es irgendetwas, von dem Du hoffst, dass sie es aus Kenia mit nach Hause nehmen? Irgendetwas, dass sie gelernt haben oder gesehen haben? Etwas, dass sie mit uns und ihrem Umfeld in Leipzig teilen möchten?

Edith

Ja, ich denke es gibt eine Menge! Sie haben viel lernen können und gute Erfahrungen im Dorf gemacht. Ich kann nicht genau sagen, was sie mit Euch teilen werden, aber gelernt haben sie mit Sicherheit eine Menge.

Lucy
Vielen Dank! Gibt es etwas, dass Du zum Abschluss noch sagen oder mit der Gruppe teilen möchtest?

Edith

Als wir die Organisation gegründet haben, hatten wir vier große Ziele: die Verbesserung der Lebensbedingungen, der Bildung, der sanitären Einrichtungen und der Unterkünfte. Als 2019 das Ausreiseteam mit Sarah, Diana und Maik auf Ihrer Erkundungstour hier waren und beschlossen haben, uns zu helfen, waren wir so glücklich und dankbar. Mein Wunsch an Euch ist also weiterzumachen und nicht aufzuhören. Wir wollen unsere Ziele erreichen und den Menschen langfristig helfen.

Unser Erkundungsteam mit den Projektpartnern letztes Jahr in Wanga

20.02.2022 Edith, Lucy, Diana, Katja