Wie wird eigentlich ein Lastenheft erstellt?

Mitarbeiter von Engineers Without Borders USA bei der Erkundung der Gebäude in Uganda

Wie sehen die nächsten Schritte im Rahmen der Planung der Photovoltaikanlage für das Schulzentrum in Uganda aus? Um das zu erfahren hat das Öffentlichkeitsarbeits-Team der Regionalgruppe Ilmenau die Projektgruppe befragt:

Wie sehen eure Pläne aus?

Ende Februar haben wir die Erkundung erfolgreich abgeschlossen. So konnten wir im März mit der konkreten Planung der Solaranlage starten. Doch das ging nicht ohne Hindernisse voran: Angefangen bei fehlenden Informationen zur bestehenden Verkabelung, über fehlende Leistungsdaten von Verbrauchern bis hin zur finalen Bewertung der Dachstatik bestand noch erheblicher Klärungsbedarf. Hier bewährte sich der enge Kontakt zur Leiterin des Schulzentrums, Frau Lydia Mirembe. Durch ihre Hilfe fanden wir Antworten auf alle Unklarheiten.

Ist das Gebäudedach ausreichend tragfähig?

Die Antwort auf diese Frage stellte uns vor neue Probleme: Nach der Betrachtung der zusätzlichen Informationen ergab sich, dass das Gebäudedach nur bedingt zum Tragen der zusätzlichen Last durch die Solarmodule geeignet ist. So entstand ein neuer Konzeptansatz: Die Solarmodule werden nicht auf dem Gebäudedach, sondern auf einer Tragkonstruktion ebenerdig auf einer Freifläche geplant.

Welche technischen Rahmenbedingungen sind bei den Solarmodulen zu beachten?

Die Solarmodule wurden im Rahmen der Detailplanung so ausgelegt, dass sich eine maximale Leistung unter Standardbedingungen von 4,3 kWpeak ergeben wird. Bei der Auslegung des Stromspeichers gehen wir davon aus, dass priorisierte Verbraucher während der Nachtstunden durchgängig nur mit Batteriestrom versorgt werden. Dadurch ergibt sich eine erhebliche Einsparung von Stromkosten. Netzausfälle kommen in Uganda recht häufig vor, weshalb wir diese potentiellen mehrstündigen Netzausfallzeiten ebenfalls berücksichtigen. Auch die autarke Wasserversorgung ist von der Stromversorgung abhängig. Um die Brunnenpumpe auch bei einem Stromnetzausfall zu betreiben, haben wir diese in die solare Notstromversorgung eingebunden.

Wie sah das weitere Vorgehen aus?

Nach Abschluss des technischen Konzepts verfassten wir eine Ausschreibung. Diese ermöglicht Firmen vor Ort, ein Angebot für die Errichtung der Solaranlage zu erstellen. Dafür erarbeiteten wir als Projektteam bis Mitte Juni ein umfangreiches Lastenheft, basierend auf dem technischen Konzept. Neben technischen Beschreibungen spielten hierbei auch rechtliche Fragen eine wichtige Rolle, wie z. B. welche Ausführungsregeln und -vorschriften sollen zu Grunde gelegt werden (lokale aus Uganda oder deutsche)? Daneben sind Fragen zur Gewährleistung, zur Haftung, zum Gefahrenübergang oder zur Arbeitssicherheit des Personals vor Ort relevant.

Wie detailliert sollen die Vorgaben für die Anbieter sein?

Eine Frage, die sich unser Team ebenfalls stellte. Enge Vorgaben schränken die Vorschläge der Anbieter ein, offene Vorgaben erschweren die Vergleichbarkeit der Angebote und bringen eventuell andere technische Konzepte hervor. Wir entschieden uns für ein Mischform aus beiden Varianten. Im nächsten Schritt verschicken wir Ende Juni die Anfragen mit dem Lastenheft an die Firmen vor Ort.

Wir freuen uns über den Projektfortschritt und sind gespannt auf die Entwicklungszusammenarbeit bei der bald anstehenden Implementierung.