Nepal: Lichtblicke im Himalaya

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Nepal: Lichtblicke im Himalaya

Nachhaltige Nutzung von Wasserkraft im Solukhumbu Distrikt, Nepal

Partnerorganisation:
Classrooms In The Clouds
Projektphase:
  • Planungsphase
  • Umsetzungsphase
  • Abgeschlossen
Planungs­phase
Umsetzungs­phase
Abge­schlossen
Gesamtbudget:
ca. 60.000,00 Euro
Standort:
Nepal
Projektzeitraum:
bis
Themen:
Erneuerbare Energien
Nachhaltigkeitsziele:
(SDGs der UN)
Projektleitung:
Benjamin Hohlmann

Ausgangssituation

Ein großer Teil der heranwachsenden Landbevölkerung Nepals hat nach seiner Schulausbildung die Wahl zwischen mühsamer Subsistenzwirtschaft, Landflucht in die Hauptstadt Kathmandu oder Arbeitsmigration in die Golfstaaten. Die Chancen für junge Menschen auf ein ausreichendes und geregeltes Einkommen in ihrer Heimatregion sind gering.

In den abgelegenen Regionen des Himalayas ist kein öffentliches Stromnetz vorhanden. Kleine Wasserkraftwerke sind häufig die einzige gemeinsame Stromquelle für Dorfgemeinschaften. Jedoch kommt es aufgrund von Konstruktionsmängeln und fehlender Wartung immer wieder zu Störungen und Ausfällen.

Die Ursachen hierfür liegen zum einen in der Ausbildung der Kraftwerksoperatoren, denen das nötige Fachwissen zur Instandhaltung fehlt, zum anderen in den bestehenden mangelhaften Zuständen der Kraftwerke und Stromnetze. So werden beispielsweise Reparaturen häufig erst nach längeren Ausfallzeiten vorgenommen, da oft ein nachhaltiges Konzept zur Finanzierung fehlt. Nicht funktionierende Sicherheitsmechanismen sowie fehlende Regelkenntnis und fehlendes Bewusstsein im Umgang mit Strom in der Bevölkerung führen zu einem erhöhten Risiko von Stromschlägen, auch Erste-Hilfe-Maßnahmen nach einem Stromschlag sind wenig verbreitet.

Eine intakte Stromversorgung ermöglicht den Menschen Kommunikation mit der Außenwelt. Licht in den Abendstunden bedeutet auch eine Chance auf eine bessere Bildung. Darüber hinaus entsteht eine Grundlage für den Aufbau kleiner lokaler Betriebe, die die Arbeit in der Landwirtschaft effektiver und einfacher machen können. In weiter entwickelten Regionen tragen sie bereits erfolgreich dazu bei, den Lebensstandard nachhaltig zu verbessern.

Projektbeschreibung

Die Ziele des Projektes sind die positiven Wirkungen einer zuverlässigen Stromversorgung in der Zielregion zu stärken – indem lokale Kraftwerksbetreiber sowie die Bevölkerung unterstützt werden – und die Stromsicherheit durch verbesserte Elektroinstallationen und Bildungsprogramme zu erhöhen.

Auf einer Erkundungsausreise im Jahr 2016 haben wir festgestellt, dass nicht tragfähige Finanzierungskonzepte zur Unterhaltung der Kraftwerke bestehen und viele Sicherheitsaspekte nicht beachtet werden. Dazu gehören fehlende Erdungen, unsicher ausgeführte Verkabelungen und tiefhängende Stromleitungen. Zudem mangelt es grundsätzlich an Alltagserfahrungen im Umgang mit Elektrizität.

Im Frühjahr 2018 reisten wir in das Dorf Thulodhunga, einem Ort im Lower Solukhumbu Distrikt, um eine dortige öffentliche Schule fachgerecht an das lokale Stromnetz anzuschließen. Damit ist ein Beispielprojekt entstanden, anhand dessen eine sichere und zuverlässige Stromversorgung illustriert wird: 
    • Ein Lehrer der Schule hat sich besonders engagiert und eine mit uns entwickelte Unterrichtseinheit zum Thema Strom und Stromsicherheit erfolgreich durchgeführt; er möchte diese nun regelmäßig selbstständig wiederholen.
    • Die Schule wurde unter Aufsicht eines Elektrikers verkabelt. Zwei junge Bewohner des Dorfes wurden hierzu fachkundig angeleitet. Dabei wurden ausschließlich Materialien verwendet, die auch vor Ort erhältlich sind.
Wir gehen davon aus, dass Haushalte in der Umgebung mittelfristig angeregt werden, sich an den Standards in der Schule zu orientieren und sich so sicher mit Strom versorgen können. 

Umsetzung während der Pandemie

Ende 2019 wollten wir in einer weiteren Ausreise unsere Zusammenarbeit mit den Bewohnern in Thulodhunga ausbauen. Aufgrund der Corona Pandemie konnten wir diesen Plan bisher nicht umsetzen und hoffen, die Ausreise 2022 nachholen zu können. In der Zwischenzeit sind die Mängel der Stromversorgung immer mehr in den Hintergrund gerückt und durch gesundheitliche Risiken verdrängt worden. Dabei konnten wir gemeinsam mit unserem Projektpartner Classroom in the Clouds zwei Hilfspakete für ein dutzend Schulen in der Region organisieren. Dabei wurden wiederverwendbare Masken, Seife und Desinfektionsmittel finanziert und vor Ort verteilt um einen sicheren Schulbetrieb zu ermöglichen.

Inzwischen hat sich die Situation nicht nur in Deutschland sondern auch in Nepal deutlich entschärft und es gibt keinerlei Einschränkungen des öffentlichen Lebens mehr. Damit können wir uns wieder auf unseren ursprünglichen Auftrag konzentrieren. Durch eine remote Umsetzung konnten wir auch schon einen Teil der geplanten Ausreise realisieren und das Wasserkraftwerk in Thulodhunga durch einen Wasserkraftsingenieur untersuchen lassen. Die Untersuchung brachte dabei positives wie negatives zu Vorschein: Einerseits arbeitet das Kraftwerk mit 13.35kW nahe an der ausgelegten Leistungsfähigkeit von maximal 15 kW. Andererseits zeigt es eine ganze Reihe kleinerer Mängel und hat mit 10 von 15 geplanten Jahren schon einen erheblichen Teil seiner Lebenserwartung absolviert. Zudem ist die Bevölkerung des Dorfes im letzten Jahrzehnt erheblich gewachsen und das Kraftwerk inzwischen unterdimensioniert, was die Schwankungen im Netz erklärt.

Science Fair Nepal

Ausreise 2022

Damit haben sich die Aktivitäten unserer in 2019 geplante Ausreise teils gewandelt: Die Untersuchung des Kraftwerks ist bereits erledigt. Da der Neubau eines entsprechend dimensionierten Kraftwerks sowohl das Budget der Dorfgemeinschaft als auch unseres übersteigt, bereiten wir eine zusätzliche Stromversorgung zumindest für die Schule vor. Damit wird ein zentraler Ort der Dorfgemeinschaft. Dazu werden wir wie ursprünglich geplant die sichere Verkabelung und Erdung einer weiteren Schule in Sotang vornehmen und unser Unterrichtskonzept ausbauen: Um nicht nur eine einzige Klasse, sondern gleich mehrere Schulen zu erreichen planen wir eine „Science Fair“ bei der die Schüler Experimente aus dem MINT Bereich gemeinsam umsetzen und präsentieren. Auf Wunsch des lokalen Lehrkörpers wollen wir zudem einen Office-Kurs für Lehrer anbieten und eine heruntergeladene Version von Wikipedia zur Verfügung stellen.

Vorangegangene Projekte

Phugmoche ist eine kleine Ortschaft mit einer Schule und einem buddhistischen Kloster und etwa 2–3 Tage zu Fuß von Thulodhunga entfernt. In Phugmoche fiel das vorhanden Wasserkraftwerk mit ca. 35 kW elektrischer Leistung 2010 für anderthalb Jahre aufgrund der oben geschilderten Gründe aus. Im Rahmen unserer Instandsetzung in 2011/2012 wurde nicht nur die Reparatur für eine erneute Inbetriebnahme vorgenommen, sondern auch die Betriebssicherheit verbessert: Dabei wurde eine Notabschaltung installiert, das Stromnetz generalüberholt und der Blitzschutz im Hinblick auf die Monsunzeit verbessert. In die einzelnen Arbeitsschritte wurde der ortsansässige Kraftwerkstechniker systematisch eingebunden, der nun die Anlage weiterhin eigenständig betreut. Als Ergebnis hat sich ein sehr stabiler Betrieb eingestellt, der eine dauerhafte Stromversorgung gewährleistet. Nach einem starken Erdbeben im Mai 2015 konnte der Kraftwerkstechniker zum Beispiel Notunterkünfte an die Stromversorgung selbständig anschließen.

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Ein grinsender Ben

Benjamin Hohlmann

Bild Frederic Klaas zugeschnitten

Frederic Klaas

Ansprechpartner für Fundraising

 frederic.klaas@ingenieure-ohne-grenzen.org

Plakat Schnitzeljagd NPL-IOG13

Schnitzeljagd in Aachen

Wir haben uns für euch eine Schnitzeljagd überlegt, bei der ihr spannende und witzige Aufgaben lösen müsst, euer Wissen über verschiedene Orte in Aachen erweitern könnt und gleichzeitig Neues über Nepal lernen könnt. Wir wünschen euch viel Spaß beim Rätseln.

Der Startpunkt der Schnitzeljagd ist am Marktplatz.

Ihr könnt uns gerne Feedback zu der Schnitzeljagd per Mail an frederic.klaas@ingenieure-ohne-grenzen.org senden.

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Shree Chandrodaya Primary School in Thulodhunga

Shree Chandrodaya Primary School in Thulodhunga

Landschaft im Solukhumbu-Distrikt

Die Landschaft im Solukhumbu-Distrikt ist geprägt von Bergen und tiefen Tälern

Wanderung im Solukhumbu-Distrikt

Wanderung während unserer Ausreise 2016

Ausbildung eines lokalen Technikers

Die Ausbildung von lokalen Techniker*innen ist wichtig für die Nachhaltigkeit des Projekts

Ausbildung eines lokalen Technikers

Sie lernen u. A. das Verlegen von Kabeln und das Anbringen von Steckdosen, Schaltern und Lampen

Messung der Erdung an einem Wasserkraftwerk

Messungen am Kraftwerk sind für die Planung des weiteren Vorgehens sehr wichtig

Besprechung von Messergebnissen mit dem Kraftwerkskomitee

Die Messergebnisse werden anschließend mit dem lokalen Kraftwerkskomitee besprochen

Gruppenfoto der Ausreisenden und Projektpartner*innen 2018

Unsere Projektgruppe 2018 bestehend aus Deutschen und Nepales*innen

Blog-Beiträge zum Projekt

Remoteinspektion #3 - Durchführung: Was ist los mit dem Kraftwerk?

Im November 2021 war es dann endlich soweit: Surendra Maharjan reiste in unserem Auftrag nach Thulodhunga (Nepal) um das Kraftwerk vor Ort zu untersuchen. Samden Sherpa, der Ansprechpartner unserer Partnerorganisation Classroom in the Clouds, begleitete ihn. Unser Lastenheft umfasste eine ganze Reihe von Aufgaben und insgesamt verbrachten die beiden eine Woche vor Ort. Anschließend wurde ein Report verfasst, den ihr auch hier einsehen könnt.

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Remoteinspektion #2 - Die Suche: Engagement eines Kraftwerktechnikers

Nachdem der Entschluss zur Remoteinspektion gefallen und mit dem Kraftwerkskommittee sowie unserem zentralen Verein abgestimmt war galt es zunächst zu klären, was vor Ort getan werden muss. Da wir uns bereits gründlich auf unsere eigene Ausreise vorbereitet hatten, einschließlich Schulungsmaterialien für unsere Ausreisenden, hatten wir eine ausführliche Beschreibung aller Tätigkeiten zur Hand. Dazu gehörte, unter anderem: Bestimmen von Fallhöhe, Durchfluss und Druck, Drehzahl und Sollleistung von Turbine und Generator, Check der Elektronik und des Spannungsabfalls im Verteilernetzes.

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Remoteinspektion #1 - Inspektion des Kleinstwasserkraftwerks in Thulodhunga

Seit langem schon erreichen uns Berichte über die unzureichende Stromversorgung in unserer Zielregion. Auch die Schule, die wir 2018 neu verkabelt und geerdet haben, leidet darunter. Auf Unterricht in den Morgenstunden wird verzichtet, da Licht nicht zuverlässig vorhanden ist. Und auch die Handys der Dorfbewohner lassen sich oft nicht laden.

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